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Do, 15:54 Uhr
27.10.2016
NABU hält Abschuss für sinnlos

Kormoran braucht eine intakte Natur

Der Freistaat Thüringen ist gerade dabei seine Kormoranverordnung zu novellieren. Statt einer pauschalen Abschusserlaubnis für Kormorane soll zukünftig eine Einzelfallzulassung erforderlich sein. Für den NABU Thüringen stellt die geplante Verordnung lediglich einen Kompromiss zwischen verschiedensten Interessensgruppen dar. Die Naturschützer lehnen prinzipiell den Abschuss von Kormoranen ab...

Kormoran im Winter (Foto: Leo/fokus-natur.de) Kormoran im Winter (Foto: Leo/fokus-natur.de)
Wer beim Spazierengehen schon einmal auf eine Gruppe Kormorane gestoßen ist, der wird diesen faszinierenden Anblick wohl nie in seinem Leben vergessen. Wenn dann noch einer der Kormorane auf einem Stein steht und seine Flügel zum Trocknen ausbreitet, wird dies zu einem Naturerlebnis der ganz besonderen Art.

Wegen seiner gnadenlosen Verfolgung war der Kormoran jahrzehntelang aus Deutschland so gut wie verschwunden. Nur durch intensive nationale und internationale Schutzbemühungen konnte sich der Bestand wieder einigermaßen stabilisieren. „Teilweise stagnieren die Bestände auch schon wieder“, sagt Klaus Lieder, der Sprecher des Landesfachausschusses für Ornithologie im NABU Thüringen.

Der auf Fische spezialisierte Vogel steht leider viel zu oft im Kreuzfeuer der Kritik. Es prallen die Interessen von Fische nutzenden Gruppen mit den natürlichen Bedürfnissen des Kormorans aufeinander. „Manche dieser Nutzergruppen sehen den Kormoran sogar als Schadvogel und fordern vehement seine Verfolgung und seinen Abschuss“, erklärt Klaus Lieder.

Der Freistaat Thüringen ist zurzeit dabei, seine Kormoranverordnung zu novellieren. Statt einer pauschalen Abschusserlaubnis für Kormorane soll zukünftig eine Einzelfallzulassung erforderlich sein. „Für uns stellt die geplante Verordnung lediglich einen Kompromiss zwischen verschiedensten Interessensgruppen dar. Der NABU Thüringen lehnt prinzipiell den Abschuss von Kormoranen ab“, so Klaus Lieder.

Der Abschuss hat zudem kaum einen Einfluss auf die Population und führt auch nicht zur Verringerung der Bestände. Dies zeigen auch eine britische Studie und Fakten aus Thüringen. Zug- und Winterbestände des Kormorans sind durch keinerlei realisierbare Maßnahmen zu senken. Die Lücken werden sofort wieder bis zur Kapazitätsgrenze aufgefüllt.

„Was wir brauchen ist eine intakte Natur, in der Mensch und Kormoran nebeneinander existieren können. Für den Teichwirt könnte dies zum Beispiel bedeuten Ablenkungsfütterungen einzurichten oder eine extensive Teichwirtschaft zu betreiben. Die Ablenkungsfütterung praktizieren wir im Plothener Teichgebiet und das funktioniert wunderbar“, berichtet der Vogelexperte. Der Abschuss von Kormoranen wird auch oft damit begründet, dass der seit der Eiszeit hier lebende Vogel seltene Fischarten wie die Äsche gefährdet.

„Dies ist ein Trugschluss. Vielmehr sind wir Menschen für diese Tatsache verantwortlich. Der schlechte ökologische Zustand unserer Fließgewässer und die damit einhergehend schlechte Wasserqualität, fehlende Deckung und der Verbau der Ufer sind nur einige Beispiele“, gibt Klaus Lieder zu bedenken. Desweiteren stellen Wehre für unsere Fische oft unüberwindbare Hürden dar. Kormorane können einfach von Wehr zu Wehr jagen. Ohne die Möglichkeit zum Fliehen und ohne Deckung werden Fische dann zur leichten Beute. „Der Mensch neigt oft dazu, vorschnell und übertrieben zu handeln und den Sündenbock an anderer Stelle zu suchen. Dabei sollten wir uns an der eigenen Nase packen und Natur einfach auch nur mal zulassen,“ empfiehlt Klaus Lieder.
Autor: red

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