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Fr, 07:00 Uhr
21.04.2017
Lichtblick zum Wochenende

Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Die Osterfeiertage bringen diese Frage wieder ans Licht, denn es ist die Frage aller Lebenden schlechthin. Im Lichtblick macht sich Superintendent Kristóf Bálint Gedanken über das Jenseits und ein mögliches Leben nach dem Tod...

Auch wenn sie es nicht wahr haben wollen und lieber dafür zu kämpfen vorgeben, dass sie auch noch den 363., den 364. und den 365. Tag im Jahr tanzen dürfen, als reichten die 362 nicht schon hin. Sie fühlen sich in Ihrer Freiheit beschnitten, einer Freiheit die die meisten Menschen dieser Welt nicht haben und die mit einer Millisekunde Unaufmerksamkeit auch zu Ende sein kann.

Am Sterbebett ihrer Eltern und Großeltern wird dieses sich tanzwütig gebärdende Verhalten plötzlich was es ist: substanzlos. Warum nicht wenige Tage im Jahr einfach einmal still werden? Braucht es immer mehr Trubel, immer mehr Action, immer mehr…

Große Teile der Gesellschaft kommen nicht mehr mit, werden krank, fühlen sich abgehängt, weil alles so schnell, so laut, so hektisch ist. Wir Menschen brauchen das Auf und das Ab, das Leichte und das Schwere, das Laute und das Leise, das Helle und das Dunkle. Wenn alles nur hell, nur laut, nur schwer wäre, würde es fad und keiner freute sich mehr dran. Es ist die Abwechslung, die alles erfahrbar und auch kostbar macht. Wer alles immer zur gleichen Zeit und überall will bestiehlt sich selbst Vielfalt des Lebens.

Vielmehr sind stille Tage, wie die zurückliegenden Karfreitag und Karsamstag, geeignet, über (Über)Lebenswichtiges nachzudenken. Was wäre denn, wenn ich heute stürbe? Hätte ich dann alles geordnet und könnte mit gutem Gewissen abtreten? Wie schnell so etwas gehen kann, zeigt ja der Unfall am Dienstag dieser Woche am Bahnübergang Nöbdenitz-Lohma.

Leben wir so, dass wir jederzeit gehen könnten? Wenn die Tochter bei einem Verkehrsunfall nach der Disco ums Leben kommt, dann ist das Zimmer meist nicht so verlassen, dass wir von einem „aufgeräumten Leben“ sprechen könnten. Auch bei mir ist das nicht immer so.

Doch eigentlich müssten wir so leben, dann wären wir bewusster und verantwortungsvoller mit dem Geschenk Leben, überholten nicht unsinnig an riskanten Stellen, nur um dann zehn Sekunden länger an der nächsten Ampel zu stehen, zuvor aber viele Menschenleben riskiert zu haben.

Die Frage nach dem Leben nach dem Tod ist indirekt auch eine Frage nach GOTT. Gibt es ihn wirklich? Meint er mich, wenn er zu Ostern stirbt und aufersteht, damit auch mein Leben eine Perspektive über den Tod hinaus hat?

In der Geschichte, die wahlweise Henry Nouwen oder aber Míla Rejlková zugeschrieben wird, sprechen Zwillinge im Bauch der Mutter miteinander. Wir müssen leise sein, um ihnen zuhören zu können.

Lesen Sie die Geschichte und fragen Sie sich beim Lesen, welchem Embryo Sie sich zuordnen würden. Ganz am Ende der Geschichte klären Sie nur für sich, welche Antwort die überzeugendere ist. Und dann halten Sie die Stille aus und genießen Sie sie.

Stille ist kostbar, laut wird alles von allein. Es braucht stille Tage und es braucht tanzfreie Stunden, damit wir die Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen im Leben auch finden und hören können.

„Gibt es ein Leben nach der Geburt?
Im Bauch einer schwangeren Frau waren einmal eineiige Zwillinge. Obwohl sie einander vollkommen glichen, war ihre Einstellung sehr unterschiedlich: Der eine war eher skeptisch eingestellt, der andere gläubig. Oder vielleicht eher realistisch? Hört hin, was sie so diskutieren:

Der kleine Skeptiker fragt:
Glaubst Du immer noch an ein Leben nach der Geburt?

Der kleine Gläubige:
Ja, klar, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf das
Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir dann stark genug sind für das, was uns erwartet.

Der kleine Skeptiker:
Blödsinn, das gibt's doch nicht. Wie soll denn das überhaupt aussehen ein Leben nach der Geburt?

Der kleine Gläubige:
Das weiß ich auch nicht so genau. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht
werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen.

Der kleine Skeptiker:
So ein Quatsch! Herumlaufen, das geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen, so eine
komische Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Außerdem geht das gar nicht, dass es ein Leben nach der Geburt gibt, weil die Nabelschnur schon jetzt viel zu kurz ist.

Der kleine Gläubige:
Doch, es geht bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders.

Der kleine Skeptiker:
Es ist noch nie einer zurückgekommen von nach der Geburt. Mit der Geburt ist das Leben zu
Ende. Und das Leben ist eine einzige Quälerei. Und dunkel.

Der kleine Gläubige:
Auch wenn ich nicht so genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen.

Der kleine Skeptiker:
Mutter?!? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?

Der kleine Gläubige:
Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein.

Der kleine Skeptiker:
Quatsch! Von einer Mutter habe ich ja noch nie was gemerkt, also gibt es sie auch nicht.

Der kleine Gläubige:
Manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere
Welt streichelt. Ich glaube auf jeden Fall, dass unser eigentliches Leben erst dann beginnt!

Ein gesegnetes, nachdenkliches Wochenende wünsche ich Ihnen, spüren Sie auch dann und wann das Streicheln GOTTes in der Stille?
Superintendent Kristóf Bálint

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