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Mo, 15:30 Uhr
18.09.2017
Schulleitertreffen an der Hochschule Nordhausen

Zukunft Schule?

Wie geht es weiter im Bildungswesen? Lehrermangel und Stundenausfall beschäftigen die Politik in den letzten Monaten verstärkt, begleitet von Teils dramatischen Appellen aus den Klassenzimmern Thüringens. An der Nordhäuser Hochschule wurde heute den versammelten Schulleiterin der Region das Programm "Zukunft Schule" vorgestellt...

Wie weiter mit Thüringens Schulen? - an der Nordhäuser Hochschule diskutierten heute dazu Ministerium und Schulleiter (Foto: Angelo Glashagel)
Eine Kommission aus acht Personen hat sich Gedanken gemacht wie es weiter gehen kann mit der Bildung in Thüringen. Man müsse und wolle sich den Veränderungen stellen, hieß es am Nachmittag an der Nordhäuser Hochschule. Das Papier "Zukunft Schule" sollte denen vorgestellt werden, die neue Ideen am Ende umsetzen müssen: Schulleiterinnen und Schulleiter aus der ganzen Region waren gekommen um sich mit den Vorschlägen des Ministeriums auseinandersetzen.

Für Helmut Holter, dem neuen Bildungsminister Thüringens, war es auch eine Art Antrittsbesuch, seit einem guten Monat ist der neue Minister erst im Amt. "Es wird nicht die eine Antwort für Thüringen geben können", sagte der Minister, speziell mit Blick auf das Spannungsfeld Stadt und Land. Wenn jetzt neue Lehrer verbeamtet würden wäre das eine hervorragende Leistung der Schulämter, im Bundesvergleich ziehe man im Wettbewerb mit den anderen Ländern aber nur nach und versuche Nachteile auszugleichen.

Die Schulleiter stünden zwischen Anspruch und Realität vor "der Quadratur des Kreises", so der Minister, der Normalzustand müsse ein anderer sein, das Ministerium habe dafür zu sorgen das die Schulen ihre Aufgaben mit den besten Personal und den besten Rahmenbedingungen erfüllen könnten.

Vorausschauende Politik habe es in der Bildung nicht gegeben, man habe nicht für den Fall des Mangels geplant, der jetzt da sei, in der ganzen Republik. "Blockaden" habe es gegeben, die nichts mit der Partei zu tun hätten die jeweils das Ministerium geleitet habe, "es gab Menschen die keinen Mut hatten Entscheidungen zu treffen, die sich vielleicht negativ auf Sie hätten auswirken können", sagte Holter, "ich möchte die Blockade auflösen und dafür brauche ich ihre Hilfe".

Seit einem Monat im Amt - Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Foto: Angelo Glashagel)
Bei dem Programm "Zukunft Schule" sei es darum gegangen einen externen Blick auf das Bildungssystem zu werfen. Um Blockaden zu lösen brauche es auch die interne Sicht, die der Schulleiterinnen und Schulleiter. Der Bericht solle nicht einer von vielen werden, meinte Holter der bis zuletzt selber an dem Bericht mitgearbeitet hat.

Im Anschluss an die Einleitung sollte es verschiedene Workshops zu diversen Themen geben, die Ergebnisse sollen in die weitere Diskussion einfließen. bis zum Frühjahr 2018 will Holter seinen Schulleitern Handfestes präsentieren können. "Wir müssen uns ehrlich machen, Entscheidungen vorbereiten und Verbindlichkeiten schaffen", warb der Minister.

Mehreren Kernaufgaben sieht man sich gegenüber:
  • die Schaffung einer Unterrichtsgarantie
  • Schulnetzplanung
  • Inklusion
  • Entbürokratisierung
  • Digitalisierung
  • Unterricht für Kinder von Migranten
Ideen zum Ersatz für Langzeiterkrankte sollen auf den Tisch, rund 900 Lehrerinnen und Lehrer fallen derzeit aus. Zudem wollte man über das Schulbudget, eine mobile Lehrer-Reserve, Gesundheitsmanagement und eine "Fachkräfteoffensive" sprechen. Die Schulnetzplanung müsste den ländlichen Raum in den Fokus nehmen. Denkbare Modelle für andere Schulformen und Klassengrößen gibt es mehrere und auch eine ganze Reihe möglicher Sofortmaßnahmen die sich diskutieren ließen. Unter anderem könnte der Vorbereitungsdienst, das Referendariat junger Lehrkräfte, flexibilisiert werden.

Eben das, mehr Flexibilität in den Entscheidungen und Möglichkeiten für den weiteren Bildungsweg fordert ein Schulleiter aus Bad Tennstedt der seinen Schülerinnen und Schülern seit Monaten kein Französischunterricht anbieten kann. In Mühlhausen würde man es gerne sehen wenn die Prüfungsordnung für Schüler Nicht-Deutscher Herkunft adaptiert werden könnte, ähnlich wie man das auch bei Schülern mit Sehschwächen oder ähnlichem tut. Sie hätte sehr engagierte Schüler die dem Arbeitsmarkt gut tun würden, "wir sollten auch diesen Schülern den Abschluss ermöglichen, den sie erbringen können", forderte die Schulleiterin. Auch die Räumlichkeiten, die Bezahlung gerade junger Kollegen, der Grundschulbereich und natürlich immer wieder der Personalmangel wurden im weiteren aufs Tableau gebracht.

Mehrere Workshops befassen sich mit unterschiedlichen Themen - etwa wie hier mit der Zukunft kleiner Schulen (Foto: Angelo Glashagel)
In der Schulplanung gehe es nicht darum, wer gerade regiere, man müsse langfristig denken, über 10 oder 15 Jahre. Er wolle versuchen auch die CDU mit ins Boot zu holen, sagte Holter, auch wenn sich die Christdemokraten gerade noch zieren würden. "Wir können nur alle an einem Strang ziehen und der Strang ist da", so der Minister weiter, Zukunft Schule sei da mehr als die tägliche Arbeit an den Schulen.

Viele schöne Worte, die Reaktion des Publikums indes war nüchtern. "Das ist Augenwischerei und das wissen auch alle Anwesenden hier", meinte eine Schulleiterin, man erwarte von den Schulen ihre Schüler individuell zu fördern, dafür brauche es aber kleinere Klassen und mehr Personal. Ähnlich sah es eine weitere Schulleiterin, alles wunderbare Ideen, nur ohne neue Lehrer sei das nicht umzusetzen.

"Es müssen Taten folgen", sagte Volker Vogt, derzeit stellvertretender und einziger Leiter des Humboldt Gymnasiums. Die Vorschläge entsprächen seinen Vorstellungen, allein dass sich diese auch zeitnah umsetzen lassen, daran zweifelte Vogt. "Das würde voraussetzen das man sich im Landtag über die Parteigrenzen hinweg zum Wohle der Schule einsetzt. Die Schüler, die jetzt da sind brauchen auch jetzt Hilfe."
Angelo Glashagel
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