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Di, 21:03 Uhr
13.03.2018
Heilbad Heiligenstadt

Eine ganz besondere Premiere im Bistum

Die katholische Kirche feierte im Bistum Erfurt eine ganz besondere Premiere am vergangenen Freitag. Während eines Schulgottesdienstes am Berggymnasium in Heilbad Heiligenstadt spendete Bischof Dr. Ulrich Neymeyr drei Schülerinnen und einem Schüler das Sakrament der Firmung....

Firmung im Schulgottesdienst (Foto: Ilka Kühn)
Sehr feierlich zogen die Firmlinge Lisa Gerling, Leonie Müller, Victoria Fischer und Justin Neumann gemeinsam mit dem Bischof Ulrich Neymeyr, Schulpfarrer Markus Könen und den Ministranten in die Kirche des Bergklosters ein.

Es war ein sehr bewegender Gottesdienst und in dieser Form auch neu für das Bistum Erfurt. Normalerweise erhalten die jungen Leute in Gottesdiensten in ihren jeweiligen Pfarrgemeinden die Firmung. Am vergangenen Freitag war das anders. Erstmals wurde das Sakrament im Rahmen eines Schülergottesdienstes gespendet.

Firmung (Foto: Ilka Kühn)

Bischof Neymeyr ging in seiner Predigt noch einmal auf den Wunsch der Bergschule ein, in einem Schulgottesdienst Schüler der 10. Klasse zu firmen, die, aus welchen Gründen auch immer, vorher nicht zur Firmung gegangen waren. Schließlich wolle man den Gemeinden die Firmlinge nicht wegnehmen. Und so war er sehr gern der Bitte nachgekommen, auch wenn es nur eine kleine Gruppe sei, die das Sakrament der Firmung erhält. In der Diaspora wie in Rudolstadt seien es auch nur ein paar Schüler, die sich firmen lassen.

Eine Schülerin hatte angefragt, ob die Firmung in einem Schulgottesdienst möglich sei. Darüber wurde nach anfänglichem Zögern beraten mit Schulleitung und Bistum. Schulpfarrer Markus Könen bereitete die jungen Leute dann auf diesen großen Tag vor.


Lisa Gerling, Leonie Müller, Victoria Fischer und Justin Neumann lasen in eigenen Texten vor, was Gott eigentlich für sie bedeutet und was Angst und Vertrauen in ihrem Leben für eine Rolle spielen. Dazu kam noch ein Vortrag von Michelle Bischof über einen Tandemsprung mit dem Fallschirm. Sie machte darin sehr deutlich, welches Gefühl Angst erzeugt und wie es ist, wenn man sie überwindet.

Es geht darum, Gott zu vertrauen, sagte der Bischof und dankte ihr herzlich für diesen Beitrag. Er berichtete auch von einem persönlichen Erlebnis. Der Bischof leidet unter Höhenangst. Wenn er wandert, sucht er sich deshalb Wege aus, die er gehen kann. In Südtirol kam es dann doch anders als auf der Karte ausgewiesen. Der Blick in eine tiefe Schlucht, ein für ihn nicht begehbarer Weg und die Überlegung, zurückzugehen... Doch dann nahm ihn plötzlich ein Mann, der sich dort gut auskannte und brachte den Bischof über den Weg. Mit einem Mal war die Angst weg. "Man spürt also, Jesus ist einem immer nahe. Vertrauen und Angst sind Geschwister", sagte der Bischof.

Der Bischof spendete dann den vier Schülern das Sakrament der Firmung, nachdem sie ihren Glauben bekannt hatten. Die Firmpaten legten die Hand auf die Schulter ihrer Schützlinge und der Bischof salbte die Stirn der Firmlunge mit den Worten: Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den heiligen Geist.

Pfarrer Könen zündete die Firmkerzen an, die von Astrid Goldhorn gestaltet wurden und übergab sie den Firmlingen.

Der gesamte Gottesdienst wurde von der Klasse 7a und ihrem Klassenleitet Thomas Fuhlrott in wunderbarer Weise musikalisch gestaltet. Ein Segen für eine Schule, die ihre Gottesdienste selbst so umrahmen kann.

Zum Schluss gab es natürlich viele Glückwünsche, Fotos und ein gemeinsames Mittagessen im Bergkloster.
Ilka Kühn



Firmung
Die Firmung ist eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche. Dabei wird der Firmling nach kirchlichem Verständnis durch Gottes Geist gestärkt, ein Leben aus dem Glauben zu führen.

Spender des Firmsakramentes ist der Diözesanbischof (oder sein Weihbischof oder ein beauftragter Priester), der dem Firmling die Hand auflegt, die Stirn mit Chrisam-Öl salbt und die Worte spricht: „(Name), sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den heiligen Geist.“ Die Salbung eines Menschen mit Öl versinnbildlicht seine Erwählung durch Gott und bringt Segensfülle, Stärkung und Heil zum Ausdruck.

Mit der Firmung kommt zum Abschluss, was in der Taufe begonnen wurde: Durch die Taufe werden die Taufbewerber in die Kirche eingegliedert. In der frühen Christenheit waren Taufbewerber immer Erwachsene. In der Osternacht empfingen sie nach der Taufe das Sakrament der Firmung, das die Taufe besiegelte, und die Eucharistie. Taufe, Firmung und Eucharistie hießen und heißen darum Sakramente der Eingliederung (Initiationssakramente). Als man zur Säuglingstaufe überging, wurde die Firmung als Vollendung der Taufe zu einem späteren Zeitpunkt gespendet. Die Reihenfolge der Eingliederungssakramente änderte sich damit: Taufe, Eucharistie, Firmung. Gespendet wurden sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten. So ist es heute noch. Erwachsene Taufbewerber empfangen dagegen noch alle drei Sakramente gemeinsam, hier hat man die Praxis der alten Kirche wieder aufleben lassen.

Jugendliche (mitunter auch Erwachsene), die als Kind getauft wurden, haben aber durch die spätere Firmung die Möglichkeit, ein bewußtes Ja zu ihrem Glauben zu sagen. Als Säuglinge war ihnen das nicht möglich. Ab jetzt sind auch weniger ihre Eltern als sie selbst für ihr Glaubensleben verantwortlich – eben als „erwachsene“ Gläubige. Mit 14 Jahren ist man religionsmündig.

Firmung (Foto: Ilka Kühn)
Firmung (Foto: Ilka Kühn)
Firmung (Foto: Ilka Kühn)
Firmung (Foto: Ilka Kühn)
Firmung (Foto: Ilka Kühn)
Firmung (Foto: Ilka Kühn)
Firmung (Foto: Ilka Kühn)
Firmung (Foto: Ilka Kühn)
Firmung (Foto: Ilka Kühn)
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