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Mo, 13:02 Uhr
11.06.2018
Der Wonnemonat Mai - was für ein Monat 2018?

Ein Monat der Gegensätze und Rekorde

Nach einem schon viel zu warmen April starteten wir mit einem großen Naturvorsprung in den Mai. Die Natur explodierte förmlich, alles Blüte zu früh und verblühte dann auch sehr schnell. Manfred Kappler hat sich dazu Gedanken gemacht...


Solche Entwicklungen sind für unsere Bereiche etwas ungewöhnlich. Warme fast sommerliche Tage aber im Anfang noch recht kühle Nächte, bis dann alles schon hochsommerliche Dimensionen annahm. Viel Sonne und Wärme, recht angenehme Tage für uns Menschen, welche kaum merkten, dass da wohl etwas durcheinandergeraten sei. Sogar die Eisheiligen fielen in diesem Jahr aus. Aber die Natur hat ihre eigenen Gesetzte. So lieferte uns die Natur einen kleinen Vorgeschmack von dem was uns noch bevorstehen kann.

Seit über 50 Jahre warnen die Wissenschaftler und weisen auf diese Klimaveränderung hin. Was wurde dagegen getan? Diese Entwicklung wurde lässig abgestritten und ignoriert, mit dem Argument, es habe schon immer Klimaveränderungen gegeben. Es wurde zwar viel geredet und auch einige Beschlüsse gefasst, aber ansonsten hieß unser Handeln, mehr oder weniger Augen zu und weiter so. Die gesteckten Ziele blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Auch in Deutschland wurden die Festlegungen unterlaufen und vor sich hergeschoben. Es wird nach Ursachen gesucht und nun soll der Bevölkerungszuwachs schuld an diesem Versagen sein.

Der Erfolg unseres Handelns zeigte sich sehr deutlich in den Monaten April und Mai 2018. Nach Aussage des Klimaforschers Mojib Latif in den letzten Tagen im Fernsehen: „Wir befinden uns mitten im Klimawandel. Dieser Wandel sei nicht mehr aufzuhalten. Mit größten Anstrengungen könnte man diesen noch etwas abschwächen und eventuell eine Klima Katastrophe noch verhindern“.

Nach dem heißesten April folgte der heißeste Mai und die Rekorde purzelten in jeder Hinsicht. Es gab nicht nur Hitzerekorde. Hatte der Wonne-Monat Mai überhaupt einen Tag ohne ein Unwetter oder Starkregen in Deutschland? Extreme Wassermassen verwandelten Bäche zu reißenden Strömen und rissen alles mit was da im Weg stand.

Sie kennen alle diese Bilder aus dem Fernsehen. Es wurden Schäden in Millionen höhe verursacht. Einige Ortschaften hat es sogar in kurzer Zeit hintereinander bis zu fünfmal getroffen. Nach den Wetterberichten soll es nun, nach einer kurzen Atempause so weitergehen.

Schon 2017 hatten wir ein Anstieg der Temperatur von 1,4 Grad im Jahres-Mittel. Der Wonnemonat Mai 2018 brachte uns einen Rekordwert von 3,9 Grad über den Normalwert.

Die Durchschnittstemperatur im Mai 2018:
  • Niedersachsen: 16,6 Grad, langjähriges Mittel 12.3 Grad;
  • Mecklenburg-Vorpommern: 15,8 Grad, langjähriges Mittel 11,9 Grad;
  • Schleswig-Holstein: 15,6 Grad, langjähriges Mittel 11,5 Grad;
  • Hamburg: 17,2 Grad, langjähriges Mittel 12,4 Grad
Auf der einen Seite extreme Trockenheit vorwiegend im Norden. Auf der anderen Seite verheerende Unwetter mit Sintflutartigen Regen, Sturm und Hagel in kaum gekannten Größenordnungen.
  • Niedersachsen: 25 Liter statt 61 Liter im langjährigen Mittel,
  • Mecklenburg-Vorpommern: 15 Liter statt 51 Liter „
  • Schleswig-Holstein: 20 Liter statt 54 Liter „
  • Hamburg: 5 Liter statt 58 Liter, und alles trotz heftiger lokaler Unwetter.
Noch nie war der Mai so heiß wie in diesem Jahr mit 3,9 Grad über dem Normalwert. (Dominik Jung von wetter.net)

Unter Berufung auf das Bundesumweltministerium, erwärmte sich die Nordsee in den letzten 45 Jahren um 1,67 Grad und die Ozeane nur um 0,74 Grad. Man rechnet bis zum Jahr 2100 mit einem Anstieg bis zu 3,2 Grad. Mit extremen Veränderungen im Ökosystem. „Freiheit für Grönland schmelzt das Packeis“ sagte 1980 scherzhaft ein Kollege von mir. Heute ist es fast die ernste Realität. Bereits am 06. März 2018 warnte der DWD Wetterexperte Thomas Deutschländer vor der Zunahme von Extremwettern für 2018 und in Zukunft.

Diese Realität hat uns schneller eingeholt als wir es wahrhaben wollten. Laut DWD soll es vorerst auch im Juni mit dem explosiven Wetter-Mix über Deutschland so weiter gehen. Haben wir uns schon an die Unwetter, Gewitter, Hitze und Co. gewöhnt?

Wir brauchen nicht darüber schimpfen und uns aufregen, wir wollten es ja so haben. Diese schnelle Klimaveränderung ist von uns Menschen verursacht. Verursacht im Kleinen wie im Großen. Es ist der Preis für unseren sogenannten Fortschritt und unserer Veränderung an der Natur.

Der Mensch entfernt sich immer mehr von der Natur und Umwelt. Wir können unsere Natur nicht industrialisieren und dadurch das Ökosystem zerstören. Dieses käme einem Selbstmord gleich.

Wir versiegeln immer mehr offene Flächen, begradigen und verrohren unsere Wasserläufe. Die Schaffung von immer größeren Ackerflächen mit Monokulturen, Abholzungen und Beseitigungen von Gehölzen und Remisen in der Landschaft, bis hin zur Abholzung von Allee-Straßen, trotz der unter Schutzstellung. Immer größere Viehzuchtanlagen und immer mehr Gülle in die Landschaft, immer mehr Antibiotika und Chemische- Zusätze in diesen Anlagen usw. Muss das so sein und brauchen wir das so?

Ist unsere Natur nur noch als Rohstofflieferant und Transportunterlage angedacht? Immer mehr Wohnungsbau in den Ballungszentren, dagegen werden die Dörfer und der ländliche Raum ausgeblutet und runter gewirtschaftet. Stromlieferungen zu Bayerns Industrie, warum wird in Bayern nicht die Wasserkraft genutzt oder die Industrie zum Strom gebracht? brauchen auch immer mehr LKW und immer größere Autos usw. Unser Wunsch nach Mehr und Größer scheint unendlich.

Brauchen wir wirklich immer mehr und größer, wo ist die Grenze? Stellen wir uns doch mal die Frage, brauchen wir das jetzt und in dieser Menge und Größenordnung unbedingt? Müssen wir alles zu jeder Zeit kaufen können? Es gibt Jahreszeiten wo Bestimmtes wächst.

Sollten wir uns nicht endlich von dieser Wegwerfgesellschaft verabschieden? Auch von dem Slogan "Was Lange hält bringt kein Geld"? Wir brauchen keine Sollbruchstellen in unseren Geräten, lange Haltbarkeiten wären besser und Reparaturen sollten auch wieder möglich sein. (unter anderem Amazon als größter Wegwerfhändler laut einer TV-Kritik)

Wir sollten sorgsamer mit unseren Naturressourcen sorgsamer umgehen. Hierzu zählt auch unsere einmalige Südharzer-Karstlandschaft welche wir endlich unter UNESCO Schutz stellen sollten. Hierbei möchte ich gleich noch einmal an den NNZ- Beitrag von Bodo Schwarzberg vom 03. 06. 2018 erinnern Sind die 4. Millionen für den Umweltschutz ein Trostpflaster für den unermesslichen Gipsabbau in dieser Landschaft? Auf jeden Fall besser als Nichts, wenn es Sinnvoll eingesetzt wird und nicht in den Verwaltungssumpf versickert.

Wenn wir keine tatkräftige rigorose Umkehr erreichen, werden es unsere Nachkommen uns Danken, was für eine zerstörte Erde wir ihnen überlassen haben. Reden hilft nicht mehr, auch kein Auge zu machen oder wegsehen, hier können nur noch eingreifende Veränderungen etwas helfen.

Solange unsere Politiker und Manager der Meinung sind, dass Natur- und Umweltschutz nur Geld kostet sind wir auf dem falschen Dampfer, weiter in Richtung Klimakollaps und Katastrophe.
Manfred Kappler, Ilfeld
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare

11.06.2018, 15.19 Uhr
Leser X | In diesem Jahr...
... gab es bereits jetzt vor allem eine Auffälligkeit: Jahreszeiten finden nicht mehr wirklich statt. Der Winter, der nicht wirklich einer war, zog sich hin bis Ostern. Abgelöst wurde er abrupt durch einen viel zu frühen Sommer, der da noch gar nicht hingehörte. Das Frühjahr dazwischen, sozusagen zum Eingewöhnen auf den Sommer, fiel schlicht aus.

Das Klima ist aus den Fugen. Und da gibt es trotzdem noch Leute, die den Klimawandel leugnen...
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