Fr, 07:01 Uhr
21.12.2012
Weihnachtsbräuche anderer Länder
Der Eichsfelder Europaabgeordnete a. D. Rolf Berend berichtet nach vielen Informationsgesprächen mit seinen ehemaligen Kollegen im Europäischen Parlament in den Eichsfelder Nachrichten über aktuelles Brauchtum zur Advents- und Weihnachtszeit in europäischen Ländern...
Weihnachtsbräuche (Foto: Rolf berend)
So unterschiedlich die Sprachen, so vielseitig sind die Bräuche zu Weihnachten. Wer meint, im christlichen Abendland feiern alle die Geburt des Herrn im Wesentlichen gleich, der irrt gewaltig.
Religiöse Riten und heidnisches Brauchtum sind oft miteinander vermischt. Doch eines ist allen Europäern gemein: Weihnachten ist ein Fest der Familie, der Geschenke, des guten Essens und nicht zuletzt der Freude auf den Erlöser – das Kind in der Krippe. Das Brauchtum zum Christfest in Ost und Südosteuropa unterscheidet sich jedoch nicht allzu sehr von denen in westlichen Ländern.
Der Weihnachtsklotz
Ein weit verbreiteter Ritus steht bei den Osteuropäern im Mittelpunkt – der so genannte Weihnachtsklotz. Er ist bekannter und verbreiteter als unser Weihnachtsbaum. Dabei handelt es sich um das Stammstück einer meist dreijährigen Eiche, das feierlich ins Haus getragen und gleichsam als Symbol für Christus gesalbt wird. In das Holz bohrt man ein Loch, welches mit Öl, Weihrauch und Kräutern gefüllt wird. Am Weihnachtsabend legt man ihn geräuchert ins Feuer. Die ganze Nacht muss er brennen, damit den Hausbewohnern das Glück im kommenden Jahr hold sein möge.
Weihnachtsbescherung der Tiere
In fast allen osteuropäischen Ländern werden auch die Tiere und die Obstbäume zu Weihnachten nicht vergessen. Früher mehr als heute war es Brauch, den ersten Weihnachtsstollen mit Kühen, Pferden und Ziegen zu teilen. Der Hahn bekam Knoblauch, und die Obstbäume wurden mit Gräten des Weihnachtskarpfens gedüngt. Erhalten hat sich bis heute ein Ritus, einige Schuppen vom Karpfen in der eigenen Geldbörse zu deponieren zwecks Hoffnung auf wunderbare Geldvermehrung im kommenden Jahr.
Versteckte Münzen
Bulgarien: Das Weihnachtsfest in diesem Balkanland markiert das Ende einer am 15. November beginnenden sechswöchigen Fastenzeit der orthodoxen Kirche. Die Feierlichkeiten beginnen bereits einen Tag vorher mit der Vorbereitung der Weihnachtstafel. Neun Fastengerichte werden am Heiligen Abend serviert, die alle keine tierischen Erzeugnisse, wie Fleisch, Milch, Eier etc. beinhalten dürfen: Weihnachtsbrote als Symbol für reiche Ernte, gefüllte Weinblätter, gefüllte Krautwickel und Wein zum Gedenken an die Verstorbenen, Honig als Symbol des Überflusses im neuen Jahr, eine Mehlspeise mit Kürbissen sowie Nüsse, Knoblauch und Kompott.
In einem runden Brot, das zwischen den Familienmitgliedern aufgeteilt wird, ist eine Münze eingebacken. Dem Finder sollen Glück und Gesundheit im neuen Jahr beschieden sein. Das älteste Familienmitglied geht mit Weihrauch durch alle Zimmer, damit das Böse vom Haus fern bleibe. In der Nacht vom 24. zum 25. bringt der Weihnachtsmann Geschenke für alle, die im Jahr brav waren. Der 25. und 26. Dezember sind in Bulgarien nationaler Feiertag.
Kirschzweige als Liebesglück
Slowakei: Weihnachtsmärkte im Advent sind inzwischen in der slowakischen Bevölkerung sehr beliebt. Ein Höhepunkt der Vorweihnachtszeit ist der 4. Dezember. Ausgiebig feiern die Slowaken den Barbaratag. Junge Mädchen stellen an diesem Tag Kirschzweige ins Wasser. Blühen sie an Heiligabend, bedeutet das für sie Liebesglück im nächsten Jahr. Das Weihnachtsessen beginnt am 24. mit Einbruch der Dunkelheit. Serviert wird meist Pilzsuppe, Fisch, Sauerkraut und verschiedenes Gebäck. Anschließend besucht man die Mitternachtsmesse. Während der 25. ausschließlich im Familienkreis gefeiert wird, weitet man den 2. Weihnachtsfeiertag auf den Freundes- und Bekanntenkreis aus.
Goldene Schweine
Tschechien: Vom Nikolaustag, 6. Dezember, bis zum Dreikönigstag, 6. Januar, dauert in Tschechien die Weihnachtszeit. Der 24. Dezember ist ein Fasttag. Bevor am Abend das Weihnachtsessen serviert wird, durfte ursprünglich nichts gegessen werden. Den Kindern versprach man, dass sie zu Weihnachten goldene Schweine sehen würden, wenn sie das Fastengebot konsequent einhielten.
Das Versprechen wurde und wird tatsächlich eingehalten: Zum Fest gibt es knusprig gegrillte Spanferkel. Die Geschenke bringt das Jesuskind, sie dürfen erst nach dem Essen ausgepackt werden. Viele althergebrachte Orakelbräuche haben sich bisher gehalten, die voraussagen sollen, wie das kommende Jahr wird. Am Bekanntesten ist das kreuzweise Schneiden von Äpfeln. Wenn ein Stern im Kern erscheint, steht ein gutes Jahr bevor, erscheint ein Kreuz, wird es ein schlechtes.
Autor: en
Weihnachtsbräuche (Foto: Rolf berend)
So unterschiedlich die Sprachen, so vielseitig sind die Bräuche zu Weihnachten. Wer meint, im christlichen Abendland feiern alle die Geburt des Herrn im Wesentlichen gleich, der irrt gewaltig. Religiöse Riten und heidnisches Brauchtum sind oft miteinander vermischt. Doch eines ist allen Europäern gemein: Weihnachten ist ein Fest der Familie, der Geschenke, des guten Essens und nicht zuletzt der Freude auf den Erlöser – das Kind in der Krippe. Das Brauchtum zum Christfest in Ost und Südosteuropa unterscheidet sich jedoch nicht allzu sehr von denen in westlichen Ländern.
Der Weihnachtsklotz
Ein weit verbreiteter Ritus steht bei den Osteuropäern im Mittelpunkt – der so genannte Weihnachtsklotz. Er ist bekannter und verbreiteter als unser Weihnachtsbaum. Dabei handelt es sich um das Stammstück einer meist dreijährigen Eiche, das feierlich ins Haus getragen und gleichsam als Symbol für Christus gesalbt wird. In das Holz bohrt man ein Loch, welches mit Öl, Weihrauch und Kräutern gefüllt wird. Am Weihnachtsabend legt man ihn geräuchert ins Feuer. Die ganze Nacht muss er brennen, damit den Hausbewohnern das Glück im kommenden Jahr hold sein möge.
Weihnachtsbescherung der Tiere
In fast allen osteuropäischen Ländern werden auch die Tiere und die Obstbäume zu Weihnachten nicht vergessen. Früher mehr als heute war es Brauch, den ersten Weihnachtsstollen mit Kühen, Pferden und Ziegen zu teilen. Der Hahn bekam Knoblauch, und die Obstbäume wurden mit Gräten des Weihnachtskarpfens gedüngt. Erhalten hat sich bis heute ein Ritus, einige Schuppen vom Karpfen in der eigenen Geldbörse zu deponieren zwecks Hoffnung auf wunderbare Geldvermehrung im kommenden Jahr.
Versteckte Münzen
Bulgarien: Das Weihnachtsfest in diesem Balkanland markiert das Ende einer am 15. November beginnenden sechswöchigen Fastenzeit der orthodoxen Kirche. Die Feierlichkeiten beginnen bereits einen Tag vorher mit der Vorbereitung der Weihnachtstafel. Neun Fastengerichte werden am Heiligen Abend serviert, die alle keine tierischen Erzeugnisse, wie Fleisch, Milch, Eier etc. beinhalten dürfen: Weihnachtsbrote als Symbol für reiche Ernte, gefüllte Weinblätter, gefüllte Krautwickel und Wein zum Gedenken an die Verstorbenen, Honig als Symbol des Überflusses im neuen Jahr, eine Mehlspeise mit Kürbissen sowie Nüsse, Knoblauch und Kompott.
In einem runden Brot, das zwischen den Familienmitgliedern aufgeteilt wird, ist eine Münze eingebacken. Dem Finder sollen Glück und Gesundheit im neuen Jahr beschieden sein. Das älteste Familienmitglied geht mit Weihrauch durch alle Zimmer, damit das Böse vom Haus fern bleibe. In der Nacht vom 24. zum 25. bringt der Weihnachtsmann Geschenke für alle, die im Jahr brav waren. Der 25. und 26. Dezember sind in Bulgarien nationaler Feiertag.
Kirschzweige als Liebesglück
Slowakei: Weihnachtsmärkte im Advent sind inzwischen in der slowakischen Bevölkerung sehr beliebt. Ein Höhepunkt der Vorweihnachtszeit ist der 4. Dezember. Ausgiebig feiern die Slowaken den Barbaratag. Junge Mädchen stellen an diesem Tag Kirschzweige ins Wasser. Blühen sie an Heiligabend, bedeutet das für sie Liebesglück im nächsten Jahr. Das Weihnachtsessen beginnt am 24. mit Einbruch der Dunkelheit. Serviert wird meist Pilzsuppe, Fisch, Sauerkraut und verschiedenes Gebäck. Anschließend besucht man die Mitternachtsmesse. Während der 25. ausschließlich im Familienkreis gefeiert wird, weitet man den 2. Weihnachtsfeiertag auf den Freundes- und Bekanntenkreis aus.
Goldene Schweine
Tschechien: Vom Nikolaustag, 6. Dezember, bis zum Dreikönigstag, 6. Januar, dauert in Tschechien die Weihnachtszeit. Der 24. Dezember ist ein Fasttag. Bevor am Abend das Weihnachtsessen serviert wird, durfte ursprünglich nichts gegessen werden. Den Kindern versprach man, dass sie zu Weihnachten goldene Schweine sehen würden, wenn sie das Fastengebot konsequent einhielten.
Das Versprechen wurde und wird tatsächlich eingehalten: Zum Fest gibt es knusprig gegrillte Spanferkel. Die Geschenke bringt das Jesuskind, sie dürfen erst nach dem Essen ausgepackt werden. Viele althergebrachte Orakelbräuche haben sich bisher gehalten, die voraussagen sollen, wie das kommende Jahr wird. Am Bekanntesten ist das kreuzweise Schneiden von Äpfeln. Wenn ein Stern im Kern erscheint, steht ein gutes Jahr bevor, erscheint ein Kreuz, wird es ein schlechtes.