Di, 10:13 Uhr
11.03.2014
Im Land der aufgehenden Sonne
Goethe und sein Heidenröslein, Schloss Neuschwanstein und Pünktlichkeit gehören zum Deutschlandbild älterer Japaner. Und sie schätzen deutsche Zimmermannskunst. Petra Franke war als in ihrer Zeit als Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Leinefelde in Japasn und berichtete über ihren Japan-Aufenthalt jetzt in der ko-ra-le in Heiligenstadt....
Petra Franke mit einem Obi, dem traditionellen japanischen Kimonogürtel.
Jugendliche im Land der aufgehenden Sonne halten Oliver Kahn für den berühmtesten Deutschen der Gegenwart. Deutsche Kinder sagen meist zuerst Manga, werden sie nach dem asiatischen Inselstaat befragt. Deutsche Erwachsene nennen Pagoden, Kirschblüten, Sushi und Sushi-Bar, Atombombenabwurf, Reaktorkatastrophe in Fukushima und den Fuji-Jama. Der letztgenannte Begriff beruht allerdings auf einem deutschen Übersetzungsfehler, denn der große heilige Berg heißt in der japanischen Sprache Fuji-San.
Sie wolle keine Klischees verbreiten, unterstrich kürzlich zum Länderabend in der Frauenbildungs- und Begegnungsstätte ko-ra-le Petra Franke, die aus eigenem Erleben Japan vorstellte. Von Mai bis Dezember 2005 lernte die Mühlhäuserin, Leiterin der Kreisvolkshochschule Eisenach, das Land kennen. Die Diplom-Pädagogin und Verwaltungsfachwirtin saß dort selbst auf der Schulbank, arbeitete im Großraumbüro, bereiste das Land, unterrichtete Deutsch an der Schule für lebenslanges Lernen, der japanischen Volkshochschule.
Ihre jüngste Schülerin war Vierzehn, ihr ältester Schüler zählte 84 Jahre. 2005 war ein Austausch zwischen Vertretern der Partnerstädte Leinefelde-Worbis und Kanegasaki erfolgt. Bürgermeister Gerd Reinhardt beauftragte Petra Franke, die damals die Stabsstelle Stadtumbau leitete, sich in Theorie und Praxis über die kommunale japanische Verwaltung zu informieren. Wegen der schwierigen Verständigung in englischer Sprache hatte sie Japanisch-Grundkenntnisse erworben.
Für die jüngsten Japaner beginnt der Schreibunterricht im Kindergarten. Wer eine Zeitung lesen möchte, muss mindestens 2000 von fast 20 000 Schriftzeichen beherrschen. Stundenlang hätten die Besucher zuhören können, als Petra Franke sie mit ihren Fotos und Erzählungen auf die Reise mitnahm. Die Japaner schilderte sie als sehr rücksichtsvolle, höfliche Menschen. Sie war zu Gast bei einer traditionellen Hochzeit, besuchte Theateraufführungen, war in Millionenstädten und in Dörfern unterwegs, saß mit Grüntee und frittiertem Fisch als japanische Alternative zu Cola und Popcorn bei Wettkämpfen der Sumo-Ringer.
Als sie kochen und hierfür eine Tüte Reis kaufen wollte, erfuhr sie: Die kleinste handelsübliche Menge wird in 2,5-Kilogramm-Säcken angeboten. Private Blumengärten hat sie nirgends gesehen; wer einen Garten hat, baut Reis oder Gemüse an. Häufig stellte sie fest, wie nah Tradition und Aufbruch beieinander liegen.
Es gibt die Berufe Kimonoankleidelehrerin und Teezeremonielehrerin. Besonders ältere Menschen beklagen die wachsende Überflutung mit amerikanischen Einflüssen und die Aufmüpfigkeit der Jugend. Baseball ist Volkssport Nummer 1. Viele junge Japanerinnen, namentlich vom Land, brechen aus der Rolle der Ehefrau, Hausfrau und Mutter aus, wollen in der Großstadt arbeiten und Karriere machen, nicht das Haus hüten. Petra Franke war mit Zügen und Bussen unterwegs. Eine Tatsache hat sie dabei fasziniert: Es gab nie eine Minute Verspätung.
Christine Bose
Autor: enPetra Franke mit einem Obi, dem traditionellen japanischen Kimonogürtel.
Jugendliche im Land der aufgehenden Sonne halten Oliver Kahn für den berühmtesten Deutschen der Gegenwart. Deutsche Kinder sagen meist zuerst Manga, werden sie nach dem asiatischen Inselstaat befragt. Deutsche Erwachsene nennen Pagoden, Kirschblüten, Sushi und Sushi-Bar, Atombombenabwurf, Reaktorkatastrophe in Fukushima und den Fuji-Jama. Der letztgenannte Begriff beruht allerdings auf einem deutschen Übersetzungsfehler, denn der große heilige Berg heißt in der japanischen Sprache Fuji-San.
Sie wolle keine Klischees verbreiten, unterstrich kürzlich zum Länderabend in der Frauenbildungs- und Begegnungsstätte ko-ra-le Petra Franke, die aus eigenem Erleben Japan vorstellte. Von Mai bis Dezember 2005 lernte die Mühlhäuserin, Leiterin der Kreisvolkshochschule Eisenach, das Land kennen. Die Diplom-Pädagogin und Verwaltungsfachwirtin saß dort selbst auf der Schulbank, arbeitete im Großraumbüro, bereiste das Land, unterrichtete Deutsch an der Schule für lebenslanges Lernen, der japanischen Volkshochschule.
Ihre jüngste Schülerin war Vierzehn, ihr ältester Schüler zählte 84 Jahre. 2005 war ein Austausch zwischen Vertretern der Partnerstädte Leinefelde-Worbis und Kanegasaki erfolgt. Bürgermeister Gerd Reinhardt beauftragte Petra Franke, die damals die Stabsstelle Stadtumbau leitete, sich in Theorie und Praxis über die kommunale japanische Verwaltung zu informieren. Wegen der schwierigen Verständigung in englischer Sprache hatte sie Japanisch-Grundkenntnisse erworben.
Für die jüngsten Japaner beginnt der Schreibunterricht im Kindergarten. Wer eine Zeitung lesen möchte, muss mindestens 2000 von fast 20 000 Schriftzeichen beherrschen. Stundenlang hätten die Besucher zuhören können, als Petra Franke sie mit ihren Fotos und Erzählungen auf die Reise mitnahm. Die Japaner schilderte sie als sehr rücksichtsvolle, höfliche Menschen. Sie war zu Gast bei einer traditionellen Hochzeit, besuchte Theateraufführungen, war in Millionenstädten und in Dörfern unterwegs, saß mit Grüntee und frittiertem Fisch als japanische Alternative zu Cola und Popcorn bei Wettkämpfen der Sumo-Ringer.
Als sie kochen und hierfür eine Tüte Reis kaufen wollte, erfuhr sie: Die kleinste handelsübliche Menge wird in 2,5-Kilogramm-Säcken angeboten. Private Blumengärten hat sie nirgends gesehen; wer einen Garten hat, baut Reis oder Gemüse an. Häufig stellte sie fest, wie nah Tradition und Aufbruch beieinander liegen.
Es gibt die Berufe Kimonoankleidelehrerin und Teezeremonielehrerin. Besonders ältere Menschen beklagen die wachsende Überflutung mit amerikanischen Einflüssen und die Aufmüpfigkeit der Jugend. Baseball ist Volkssport Nummer 1. Viele junge Japanerinnen, namentlich vom Land, brechen aus der Rolle der Ehefrau, Hausfrau und Mutter aus, wollen in der Großstadt arbeiten und Karriere machen, nicht das Haus hüten. Petra Franke war mit Zügen und Bussen unterwegs. Eine Tatsache hat sie dabei fasziniert: Es gab nie eine Minute Verspätung.
Christine Bose
