Fr, 07:00 Uhr
20.03.2015
Lichtblick: Requiem für eine aussterbende Sprache
Stellen sie sich eine größere Feier unserer Familie in einem Dorf im nördlichen Harzvorland vor, etwa dreißig Jahre in der Vergangenheit. Vier Generationen sitzen an der langen Tafel bei Kaffee und Kuchen und später bei einem opulenten Abendbrot...
Wir Kinder sitzen an einem kleinen Extra-Tisch, während die Erwachsenen Großonkel Erich zuhören, der mal wieder aanen taun Besten jifft (einen zum Besten gibt). An der Tafel herrscht ein Sprachengewirr, zwar nicht im Ausmaß des Turmbaus zu Babel, aber es gibt doch eine Art Dialektbarriere zwischen den zwei älteren und den zwei jüngeren Generationen. Während die Älteren Plattdeutsch sprechen, verstehen die Jüngeren zwar mühelos alles, antworten aber auf Hochdeutsch.
Mein Großvater, Jahrgang 1928, lernte Hochdeutsch erst bei seinem Schuleintritt. Er wuchs also zweisprachig auf. Von da an versuchte man von staatlicher Seite, den Kindern den Bauerndialekt abzugewöhnen, auch im Elternhaus. Mit unseren Eltern redeten die Omas und Opas dann fast nur noch Hochdeutsch bis auf Momente größerer Erregung, wenn die originellen plattdeutschen Schimpfworte gebraucht wurden.
Die Generation meiner Mutter ist die letzte, die noch Platt komplett versteht und mit einiger Mühe auch noch sprechen kann. Auch sie sind sozusagen noch zweisprachig aufgewachsen, was ihnen oft nur bewusst wurde, wenn sie Schulfreunde aus der Stadt mit nach Hause brachten, die nicht alles verstanden. Wir, ihre Kinder, müssen inzwischen schon überlegen, was Mijänten (Ameisen) oder Murtchen (Kaninchen) sind.
Es existiert keine allgemeingültige Schriftsprache des ostfälischen Platt dieser Region. Alles wurde mündlich überliefert, hinzu kommen die vielen regionalen Varianten des Dialekts, die sich oft schon von einem Nachbarort zum anderen unterscheiden.
Für eine Rettung des Dialekts ist es eigentlich schon zu spät. Kaum jemand bleibt heute sein Leben lang in seinem Heimatort, so dass sich die Dialekte vermischen. Leider gilt das auch für die thüringer Mundarten. Anders steht es glücklicherweise um die Worte der Heiligen Schrift, sie sind seit Jahrhunderten überall präsent, sei es in alltäglichen Redewendungen oder im kirchlichen Kontext. Hier spielen Mundarten keine Rolle.
Wie sagt Jesus im Buch der Bücher selbst: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. (Mt. 24, 35) Dank der Übersetzung Luthers und des Buchdrucks wurde die Bibel jedem zugänglich.
Lesen Sie ruhig mal wieder darin.
Gerold Peetz, Gemeindepädagoge
Kommentare bitte nur mit Klarnamen
Autor: redWir Kinder sitzen an einem kleinen Extra-Tisch, während die Erwachsenen Großonkel Erich zuhören, der mal wieder aanen taun Besten jifft (einen zum Besten gibt). An der Tafel herrscht ein Sprachengewirr, zwar nicht im Ausmaß des Turmbaus zu Babel, aber es gibt doch eine Art Dialektbarriere zwischen den zwei älteren und den zwei jüngeren Generationen. Während die Älteren Plattdeutsch sprechen, verstehen die Jüngeren zwar mühelos alles, antworten aber auf Hochdeutsch.
Mein Großvater, Jahrgang 1928, lernte Hochdeutsch erst bei seinem Schuleintritt. Er wuchs also zweisprachig auf. Von da an versuchte man von staatlicher Seite, den Kindern den Bauerndialekt abzugewöhnen, auch im Elternhaus. Mit unseren Eltern redeten die Omas und Opas dann fast nur noch Hochdeutsch bis auf Momente größerer Erregung, wenn die originellen plattdeutschen Schimpfworte gebraucht wurden.
Die Generation meiner Mutter ist die letzte, die noch Platt komplett versteht und mit einiger Mühe auch noch sprechen kann. Auch sie sind sozusagen noch zweisprachig aufgewachsen, was ihnen oft nur bewusst wurde, wenn sie Schulfreunde aus der Stadt mit nach Hause brachten, die nicht alles verstanden. Wir, ihre Kinder, müssen inzwischen schon überlegen, was Mijänten (Ameisen) oder Murtchen (Kaninchen) sind.
Es existiert keine allgemeingültige Schriftsprache des ostfälischen Platt dieser Region. Alles wurde mündlich überliefert, hinzu kommen die vielen regionalen Varianten des Dialekts, die sich oft schon von einem Nachbarort zum anderen unterscheiden.
Für eine Rettung des Dialekts ist es eigentlich schon zu spät. Kaum jemand bleibt heute sein Leben lang in seinem Heimatort, so dass sich die Dialekte vermischen. Leider gilt das auch für die thüringer Mundarten. Anders steht es glücklicherweise um die Worte der Heiligen Schrift, sie sind seit Jahrhunderten überall präsent, sei es in alltäglichen Redewendungen oder im kirchlichen Kontext. Hier spielen Mundarten keine Rolle.
Wie sagt Jesus im Buch der Bücher selbst: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen. (Mt. 24, 35) Dank der Übersetzung Luthers und des Buchdrucks wurde die Bibel jedem zugänglich.
Lesen Sie ruhig mal wieder darin.
Gerold Peetz, Gemeindepädagoge
Kommentare bitte nur mit Klarnamen