Fr, 10:35 Uhr
21.12.2018
Thüringer Wirtschaft 2019
Skeptischer Blick auf das neue Jahr
2018 war für die Thüringer Wirtschaft ein erfolgreiches Jahr. Der Blick auf die kommenden Monate ist allerdings von einigen Unsicherheiten geprägt. Außenpolitische Herausforderungen wie der wachsende Protektionismus, der bevorstehende Brexit oder die konjunkturellen Abwärtsrisiken in der Eurozone müssen gemeistert werden...
Im Inland fehlt es der Regierung an Mut und Visionen für dringend notwendige Reformen. Dies dürfte die Wachstumsraten moderater ausfallen lassen. Für 2019 rechnet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt deshalb nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,0 Prozent in Thüringen.
Auch wenn die Dynamik des Rekordjahres 2017 nicht beibehalten wurde, zeichnete sich die Thüringer Wirtschaft im ablaufenden Jahr durch ein robustes und breit angelegtes Wachstum aus, resümiert IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Gerald Grusser. Nahezu alle Bereiche könnten auf eine positive Auftragslage und gut gehende Geschäfte verweisen. Sowohl die Inlandsnachfrage als auch die Exporte hätten wichtige Impulse für die Konjunktur geliefert.
Nach vorläufigen Berechnungen der IHK Erfurt werden die Thüringer Industriebetriebe im ablaufenden Jahr einen Umsatz von rund 32 Milliarden Euro erwirtschaften und mit mehr als elf Milliarden Euro einen neuen Spitzenwert im Auslandsgeschäft erzielen, fasst Grusser zusammen. Positiv falle die Bilanz für 2018 auch bei den konsumorientierten Branchen aus. Dank der weiterhin erfreulichen Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung seien die finanziellen Spielräume der Konsumenten weiter gewachsen. Vor allem das Baugewerbe habe von den guten konjunkturellen Rahmenbedingungen profitiert. Aber auch bei Handel und Gastgewerbe hätte sich dies durch steigende Umsätze bemerkbar gemacht.
Ein Garant für gute Nachrichten war der Thüringer Arbeitsmarkt. Der Beschäftigungsaufbau hat sich 2018 fortgesetzt, erklärt der IHK-Chef. So liege die Zahl der Jobsuchenden im Freistaat im Durchschnitt bei rund 62.000 Personen. Dies entspreche einer Quote von 5,5 Prozent und sei damit der niedrigste Jahreswert seit der Wiedervereinigung. Auch 2019 zeigten sich die Unternehmer einstellungsbereit. Allerdings setzten die Fachkräfteengpässe einer Aufstockung der Mitarbeiterzahl zunehmend Grenzen. Gerade expandierende Firmen würden im Mangel an qualifizierten Personal ein Risiko für ihre weitere Geschäftsentwicklung sehen.
Neben der angespannten Fachkräftesituation lauern 2019 aber noch einige andere Stolpersteine. Entsprechend vorsichtig schauen die Unternehmer auf die kommenden Monate, merkt der IHK-Hauptgeschäftsführer an. So rechne die IHK Erfurt für Thüringen nur noch mit einem Jahresanstieg des Bruttoinlandsproduktes von rund 1,0 Prozent. Neben den ungelösten Schulden- und Strukturproblemen in der Eurozone hätten der bevorstehende Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union und der zunehmende Protektionismus von Seiten der USA die Planungssicherheit in den Unternehmen gestört. Schließlich zählten Großbritannien und die USA zu den wichtigsten Handelspartnern des Freistaats.
Darüber hinaus war die deutsche Wirtschaftspolitik zuletzt nicht gerade durch Reformeifer geprägt: eine strukturelle Aufgaben- und Ausgabenkritik der öffentlichen Haushalte fand trotz steigender Steuereinnahmen und niedriger Zinslasten nicht statt. Darüber hinaus wurden wichtige politische Entscheidungen zur Förderung von Unternehmensinvestitionen nicht getroffen, merkt Grusser kritisch an und fordert die Politik auf, die aktuellen Spielräume besser zu nutzen. Neben öffentlichen Ausgaben in Infrastruktur, Digitalisierung und Bildung müsse das komplexe deutsche Steuersystem einfacher und damit praxistauglicher gemacht werden.
Autor: redIm Inland fehlt es der Regierung an Mut und Visionen für dringend notwendige Reformen. Dies dürfte die Wachstumsraten moderater ausfallen lassen. Für 2019 rechnet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt deshalb nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,0 Prozent in Thüringen.
Auch wenn die Dynamik des Rekordjahres 2017 nicht beibehalten wurde, zeichnete sich die Thüringer Wirtschaft im ablaufenden Jahr durch ein robustes und breit angelegtes Wachstum aus, resümiert IHK-Hauptgeschäftsführer Professor Gerald Grusser. Nahezu alle Bereiche könnten auf eine positive Auftragslage und gut gehende Geschäfte verweisen. Sowohl die Inlandsnachfrage als auch die Exporte hätten wichtige Impulse für die Konjunktur geliefert.
Nach vorläufigen Berechnungen der IHK Erfurt werden die Thüringer Industriebetriebe im ablaufenden Jahr einen Umsatz von rund 32 Milliarden Euro erwirtschaften und mit mehr als elf Milliarden Euro einen neuen Spitzenwert im Auslandsgeschäft erzielen, fasst Grusser zusammen. Positiv falle die Bilanz für 2018 auch bei den konsumorientierten Branchen aus. Dank der weiterhin erfreulichen Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung seien die finanziellen Spielräume der Konsumenten weiter gewachsen. Vor allem das Baugewerbe habe von den guten konjunkturellen Rahmenbedingungen profitiert. Aber auch bei Handel und Gastgewerbe hätte sich dies durch steigende Umsätze bemerkbar gemacht.
Ein Garant für gute Nachrichten war der Thüringer Arbeitsmarkt. Der Beschäftigungsaufbau hat sich 2018 fortgesetzt, erklärt der IHK-Chef. So liege die Zahl der Jobsuchenden im Freistaat im Durchschnitt bei rund 62.000 Personen. Dies entspreche einer Quote von 5,5 Prozent und sei damit der niedrigste Jahreswert seit der Wiedervereinigung. Auch 2019 zeigten sich die Unternehmer einstellungsbereit. Allerdings setzten die Fachkräfteengpässe einer Aufstockung der Mitarbeiterzahl zunehmend Grenzen. Gerade expandierende Firmen würden im Mangel an qualifizierten Personal ein Risiko für ihre weitere Geschäftsentwicklung sehen.
Neben der angespannten Fachkräftesituation lauern 2019 aber noch einige andere Stolpersteine. Entsprechend vorsichtig schauen die Unternehmer auf die kommenden Monate, merkt der IHK-Hauptgeschäftsführer an. So rechne die IHK Erfurt für Thüringen nur noch mit einem Jahresanstieg des Bruttoinlandsproduktes von rund 1,0 Prozent. Neben den ungelösten Schulden- und Strukturproblemen in der Eurozone hätten der bevorstehende Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union und der zunehmende Protektionismus von Seiten der USA die Planungssicherheit in den Unternehmen gestört. Schließlich zählten Großbritannien und die USA zu den wichtigsten Handelspartnern des Freistaats.
Darüber hinaus war die deutsche Wirtschaftspolitik zuletzt nicht gerade durch Reformeifer geprägt: eine strukturelle Aufgaben- und Ausgabenkritik der öffentlichen Haushalte fand trotz steigender Steuereinnahmen und niedriger Zinslasten nicht statt. Darüber hinaus wurden wichtige politische Entscheidungen zur Förderung von Unternehmensinvestitionen nicht getroffen, merkt Grusser kritisch an und fordert die Politik auf, die aktuellen Spielräume besser zu nutzen. Neben öffentlichen Ausgaben in Infrastruktur, Digitalisierung und Bildung müsse das komplexe deutsche Steuersystem einfacher und damit praxistauglicher gemacht werden.