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Mi, 08:44 Uhr
21.08.2019
Erinnerungen

Die Nacht, als ein ganzes Dorf verschwand

Zwei Findlinge an der Straße von Böseckendorf nach Nesselröden auf dem Eichsfeld erinnern an die Massenflucht von 16 Familien mit 65 Personen in den Westen. Für sie wurde die Siedlung Neu-Böseckendorf am Dorfrand von Angerstein nördlich von Göttingen gebaut.....

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Böseckendorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Teistungen im Nordwest-Zipfel Thüringens. Während der Teilung Deutschlands lagen sie hart an der innerdeutschen Grenze. Das Dorf kam in die internationalen Schlagzeilen, als am Abend des 2. Oktobers 1961 zunächst 14 Familien mit 53 Personen nach Immingerode in Niedersachsen flohen. Ihnen folgten in der Nacht zum 23. Februar 1963 weitere zwei Familien mit zwölf Personen.

In beiden Fällen waren die Furcht vor der Zwangsumsiedlung aus dem Grenzgebiet sowie vor der Zwangskollektivierung der Landwirtschaft die Ursache.

Der ersten Gruppe gelang es noch im Tross mit Pferdewagen ihre Heimat zu verlassen. Gefährlich war es für die nachfolgenden Familien, sich durch zum Teil vermintes Gelände zu schlagen. Aktion „Ungeziefer“ lautete der zynische Codename für die Zwangsaussiedlung aus grenznahen Orten.

„Zur Erinnerung an die Flucht der Bewohner von Böseckendorf Okt.1961/Febr. 1963“, steht auf einer Plakette auf einem der beiden Quader. Ein „Mahnmal Deutsche Teilung“, ein Werk des Bildhauers Roger Bischoff, wurde 1991 an der Straße zwischen Böseckendorf und Nesselröden aufgestellt. Auch an anderen Grenzstellen sollen Stelen und Skulpturen an die ehemals dramatischen und unmenschlichen Verhältnisse erinnern.

„Die Nacht, als ein ganzes Dorf verschwand“ ist der Titel eines Fernsehfilms, der 2009 die Hintergründe der Massenflucht ausleuchtete. SED-Bürgermeister Manfred Lantz versucht vergeblich, die Landwirte in eine Produktionsgenossenschaft zu pressen. Die Einwohner wollen davon nichts wissen und machen sich über die FDJ lustig, indem sie Blauhemden ihren Vogelscheuchen überziehen. Ein Spitzel informiert die Parteibonzen in Erfurt.

In dem Film wird der Bürgermeister zum Rapport nach Erfurt bestellt. Dort ent- deckt er geheime Pläne, wonach die Einwohner von Böseckendorf zum Jahrestag der Gründung der DDR mit Bussen aus ihrem Dorf zu einer Kundgebung abgeholt, aber nicht wieder nach Hause gelassen werden sollen. Seine Frau Tania, die schon anderen zur Flucht verhalf, informiert davon das Dorf und das Schicksal nimmt seinen Lauf...
Manfred Neuber
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