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So, 10:04 Uhr
29.03.2026
Naturschützer kritisieren Landesregierung

Artenschuss statt Artenschutz

Die Prioritätensetzung der Landesregierung und des Thüringer Umweltministers Tilo Kummer, geschützte Arten wie den Wolf abschießen zu wollen, stößt beim NABU Thüringen auf Kritik. Laut des Verbandes entsteht der Eindruck, dass der Umweltminister sein Ministerium unter Einsatz vieler Ressourcen dazu nutzt, geschützte Arten als Sündenböcke abzustempeln, um sie dann abschießen zu lassen...
 
Von Lobbyisten getrieben
Ein aktuelles Beispiel für einen Sündenbock ist der Wolf. Getrieben von einer Lobby, die unbedingt Wölfe jagen möchte, haben sich der Thüringer Umweltminister und die Landesregierung bundesweit dafür eingesetzt, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird und zukünftig flächendeckend unter bestimmten Voraussetzungen sogar ohne Schonzeiten bejagt werden könnte. Der Deutsche Jagdverband feiert die vom Deutschen Bundestag beschlossene Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht sogar als einen der größten jagdpolitischen Erfolge der vergangenen Jahrzehnte. Der Landesjagdverband Thüringen erwartet zwar keine häufigen Abschüsse von Wölfen im Freistaat. Der NABU Thüringen sieht die Aufnahme des Wolfes in das Jagdgesetz und die Änderung der dazugehörigen Verordnung allerdings als eine Art „Trojanisches Pferd“ an, mithilfe dessen das Tor zu einer möglichen flächendeckenden Jagd auf Wölfe aufgestoßen werden soll.
 
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Falsche Versprechen an Weidetierhaltende
Aus Sicht des NABU Thüringen ist es wichtig, die rechtlichen Rahmenbedingungen beim Wolf einzuhalten. Denn der günstige Erhaltungszustand des Wolfes als geschützte Art darf nicht gefährdet werden. „Mit etwa 30 Wölfen haben wir in Thüringen keinen günstigen Erhaltungszustand beim Wolf und der Freistaat müsste eigentlich mehr Maßnahmen für den Schutz von Wölfen auf den Weg bringen. Das bedeutet, es darf auf keinen Fall zu einer Wiederausrottung von Wölfen kommen“, sagt Silvester Tamás vom NABU Thüringen. „Die von Politikern und Jagdlobbyisten oft versprochene Erleichterung durch die Wolfsjagd für Weidetierhaltende wird es nicht geben.

Herdenschutzmaßnahmen bleiben unerlässlich, sobald in einem Gebiet auch nur ein Wolf unterwegs ist.“ Als pragmatischen Ansatz, um den Weidetierhaltenden wirklich zu helfen, fordert der NABU Thüringen den Aufbau eines Herdenschutzzentrums. Dieses soll Weidetierhaltende proaktiv beim Aufbau von wirksamem Herdenschutz unterstützen.
Der Abschuss von geschützten Tierarten suggeriert nur eine Scheinlösung, die von Politik und Lobbyisten gerne zur Stimmungsmache genutzt wird. Die vom Thüringer Umweltministerium bis jetzt eingesetzten Ressourcen im Bereich Herdenschutz sind zwar löblich, reichen aber nicht aus, um den wachsenden Ansprüchen gerecht zu werden.
 
Rissstatistik mit Macken
Dies zeigt auch der Blick in die Rissstatistik des Thüringer Umweltministeriums mit Schadereignissen an Nutztieren. 2025 war bei den meisten Ereignissen kein optimaler Herdenschutz vorhanden. „Bedauerlich ist, dass für 2026 die Angaben zum optimalen Herdenschutz komplett fehlen. Auch wenn es nicht immer an den Weidetierhaltenden liegt, dass kein optimaler Herdenschutz vorlag, sind diese Angaben wichtig“, bemerkt Silvester Tamás. „Wenn zum Beispiel vorher eine Wildschweinrotte den Elektrozaun umgerissen hat, muss dies eben auch in der Rissstatistik mit aufgeführt sein. Alles andere führt zu Intransparenz.“
 
Verantwortung für Thüringer Wölfe ernst nehmen
Wenn der Wolf eventuell in das Jagdrecht aufgenommen wird, müssen das Land Thüringen und Jagdausübende zuerst dafür sorgen, dass der Wolf im Freistaat überhaupt erst einmal in einen günstigen Erhaltungszustand kommt. Falls Wölfe dennoch abgeschossen werden dürfen und dadurch rechtswidrig der günstige Erhaltungszustand gefährdet wird, muss dies auch rechtlich geahndet werden. Eine besondere Herausforderung sieht der NABU Thüringen auch bei Fragen der zukünftigen Schadensregulierung bei etwaigen Rissübergriffen. Wenn der Wolf dem Jagdrecht unterliegt und Jäger den Wolf als Wildtierart nutzen wollen, haben sie hier auch eine Verantwortung mitzutragen.
Autor: red

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Kommentare
DonaldT
29.03.2026, 13:24 Uhr
Artenschutz
Artenschutz für den Wolf - und wann setzt sich der NABU für den Schutz der Art Mensch ein?
Da gucken die lieber zu, wie die Umwelt zerstört wird (Windräder im Wald, Chemtrails - offizielle Antwort der Bundesregierung auf eine AfD Anfrage!).
Mike Oxlong
30.03.2026, 08:40 Uhr
Traurig...
..., dass die Bemühungen des Nabu scheinbar komplett wirkungslos zu seien scheinen. Der Artbestand des Wolfs ist dem Untergang geweiht, wenn die einzige Lösung in den Köpfen einiger Entscheidungsträger die Wiederausrottung darstellt.

@DonaldT ich habe kurz überlegt da ernsthaft drauf zu antworten und dann habe ich Chemtrails gelesen. Pure Satire was hier so geschrieben wird.
Bodo Schwarzberg
30.03.2026, 08:42 Uhr
NABU lenkt mit Wolf von größeren Problemen ab
Den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, bedeutet nicht, ihn wieder auszurotten. In diesem Sinne malt der NABU in gewisser Weise den Teufel an die Wand. Es geht beim möglichen Abschuss lediglich um eine Regulierung dort, wo es Konflikte zwischen Wolf und Mensch bzw. dessen Weidetieren gibt.

Zudem sollte der NABU doch bitte verstärkt die übergreifenden Probleme im Naturschutz in den Blick nehmen, insbesondere den nicht selten schauerlichen Zustand vieler FFH- und Naturschutzgebiete bzw. von deren Erhaltungszustand.

Sich noch mehr dafür einzusetzen, wäre gleichbedeutend mit dem Einsatz nicht nur für eine besonders attraktive Art, wie den Wolf, sondern für große LEBENSGEMEINSCHAFTEN mit weniger attraktiven, weniger ikonischen Arten, die aber in ihrer Gesamtheit entscheidend für unsere Kulturlandschaften und die Erhaltung ganzer Ökosysteme sind. Die Angst davor zu schüren, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, wäre eine einzige Frevelei, lenkt von den wirklichen Problemen im Naturschutz ab.

Naturschutz ist übrigens immer auch Menschenschutz, weil wir nicht aus Maschinen oder Ölraffinerien, sondern aus der Natur entstanden sind und komplett von ihrer Funktionsweise abhängen..

Ich verweise hier auch auf meinen nnz-Beitrag: Der arme Wolf, der böse Wolf. Was tun?
Kritiker2010
30.03.2026, 10:21 Uhr
Der gute Wolf und die bösen Zahlen
Universität Riddarhyttan (Schweden):
Wolfspopulation in Europa hat sich von 2012 bis 2022 von 12.000 auf 21.500 Tiere vergrößert -> Zuwachs von 58%. [...] Wölfe töteten in Europa jährlich etwa 56.000 Nutztiere = 3 pro Wolf.

Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf:
Wolfsbestände in Deutschland sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Anzahl der Wölfe stieg von 268 (2014/15) auf 1.633 Tiere (2024/25) -> Zuwachs um gut 500% (1.365 Wölfe).

Das sind nur ein paar Zahlen - empirische Memomentaufnahmen. Jedoch zeigen sie eine eindeutige Tendenz, die den emotional verklärten Aussagen der Wolfs-Fans entgegen stehen.

Und mit ein Bisschen logischem Verstand lässt sich absehen, wohin das führt, insbesondere da Lebensraum und Nahrungsangebot nicht proportional mit wachsen.
diskobolos
30.03.2026, 13:14 Uhr
Alles eine Frage des Blickwinkels
„wann setzt sich der NABU für den Schutz der Art Mensch ein?“ (DonalT)

Ich wusste gar nicht, dass diese Art vom Aussterben bedroht ist. Ich dachte immer, dass die Menschen gerade das Aussterben vieler anderer Arten verursachen.

Die Zahl der Wölfe (1633) scheint mir nicht besonders groß zu sein, wenn man sie mit den Zahlen der in D jährlich geschossenen Rehe ( 1,3 Mio) und Wildschweine (550 000) vergleicht, Kritiker 2010.
Letztlich geht es wohl aber eher um die "emotional übersteigerte Angst" vor dem Wolf.
Wie viele Menschen wurden noch mal 2025 in D durch Wölfe verletzt?

Der Anblick der durch Wölfe gerissener Haustiere ist bestimmt kein schöner Anblick, der ökonomische Schaden aber eher gering. Wie gut, dass uns der Anblick der über 740 Millionen in D geschlachteten Tiere erspart bleibt . .
Kritiker2010
30.03.2026, 18:00 Uhr
Diskobolus - Kurzsichtigkeit vergrößert das Problem nur
Wir kamen bisher recht gut ohne den Wolf in freier Wildbahn aus, was übrigens auch für größere Bären gilt.

Der Wolf soll zurück kommen, doch das Habitat hat sich grundlegend verändert. Wenn er sich weiter unkontrolliert ausbreiten kann - und das soll er ja wohl nach dem Dünkel einiger Menschen - wird er von einem kleinen zu einem großen Problem werden.

Romantische Verklärung hilft da wenig, Relativierung schützt keine Herde vor Rissen im Blutrausch und den Wolf selbst interessiert es am Allerwenigsten. Auch die immerwieder bemühte Floskel vom ungenügenden Herdenschutz scheint praxisfern, insbesondere wenn man an mobile Herden denkt. Vieleicht helfen ja illustrierte Info-Flyer oder Gefährder-Ansprachen durch speziell ausgebildete Beauftragte Auge in Auge mit den auffälligen Wölfen.

Das Problem kann man mit etwas Weitsicht noch begrenzen. Macht man dies nicht, wird man irgendwann konsequent handeln müssen. Und dann endet es vielleicht erst, wenn bei jedem Jäger ein Wolfsfell vorm Kamin liegt.
Kritiker2010
31.03.2026, 08:52 Uhr
Ein bedauerlicher Einzelfall - es werden weitere folgen, auch beim Wolf
Eben in der Welt gelesen:
"Ein Wolf hat im Hamburger Bezirk Altona eine Frau gebissen und verletzt. Polizeibeamte fingen den Wolf noch am späten Abend in der Hamburger Innenstadt ein. [...] Der Wolfsexperte Norman Stier von der Technischen Universität Dresden habe [...] bestätigt, dass es sich zweifelsfrei um einen Wolf handele.

... jetzt bitte noch ein relativierender Beitrag, dass Hunde auch Menschen beißen und dass Kampfhunde besonders gefährlich sind (was ich auch nicht bezweifeln möchte).
Mike Oxlong
31.03.2026, 11:40 Uhr
Wie war das?
@Kritiker Sie sprechen selber von emotional verklärter Argumentation und dann schreiben Sie über einen offensichtlich populistischen und emotionalisierenden Artikel der Welt... genau mein Humor.

In dem NNZ-Beitrag geht es offensichtlich um Thüringen aber weil hier die Wolfsbestandszahlen zu gering sind, um eine Argumentation für den Abschuss aufzubauen, muss man sich an Europäischen Zahlen bedienen...

"Relativierung schützt keine Herde vor Rissen im Blutrausch und den Wolf selbst interessiert es am Allerwenigsten" - Stimmt, den Wolf abzuschießen ist aber hier nicht der richtige Ansatz, sondern den Herdenschutz auszubauen und das Nahrungsangebot des Wolfs zu vergrößern indem man die Regulation durch Jäger insgesamt verringert.
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