Anzeige symplr (lb_1)
Mo, 14:00 Uhr
24.08.2026
Meine Meinung

Vor drei Wahlen

Viele Autoren, Journalisten und Wissenschaftler äußerten sich bereits zu den Gründen für die Turbulenzen in den Parteipräferenzen der Deutschen, vor allem in Ostdeutschland. Fast alle Äußerungen in diesem Kontext sind in ihrer Gesamtheit jedoch eine Art Rätselraten. Denn eine einzige schlüssige Erklärung gibt es nicht. Auch nnz-Kolumnist Bodo Schwarzberg hat sich dazu Gedanken gemacht...

Bild:
Ein Deutschland, oder? (Foto: DAVIDCOHEN auf Unsplash)

Aus meiner Sicht liegt dem Erstarken der AfD in den neuen Bundesländern zunächst das Gefühl vieler Ostdeutscher zugrunde, in das wiedervereinigte Deutschland nie wirklich aufgenommen worden zu sein. So gab es wohl einen „Beitritt“ entsprechend der Verfassung der alten Bundesrepublik und dem Einigungsvertrag, aber das war ein rein technischer Vorgang. Politisch konnte er nur erfolgreich sein, wenn sich die beitretenden 17 Millionen DDR-Bürgerinnen und DDR-Bürger im neuen, größeren deutschen Haus auch wohlfühlen.

Die damals verbreitete, primitive und hier etwas überspitzt dargestellte Reduktion der Menschen zwischen Saßnitz und Sonneberg auf den unbändigen Drang, jederzeit die jahrzehntelang vorenthaltenen Bananen kaufen können, drückte eine bis heute in Westdeutschland nie ganz verblichene Grundeinschätzung aus.

Auf die entsprechend dieser Lesart befriedigte „Gier“ nach den sprichwörtlichen Bananen folgte alsbald der nicht ohne Arroganz vorgetragene Begriff vom „Jammer-Ossi“, der sich über die zahlreichen neuen Unsicherheiten in seinem Alltagsleben unter marktwirtschaftlichen Bedingungen beklagte. Dass hinter dem Verlust von rund drei Millionen Arbeitsplätzen in der ehemaligen DDR, insbesondere durch das rigorose Walten der von einer westdeutschen Managerin geführten Treuhandanstalt, Millionen weitere Schicksale standen, wurde nicht gesehen. Noch nie in der deutschen Geschichte dürften in so kurzer Zeit so viele Menschen existenziell teilweise ins Bodenlose gefallen sein.

Zwischen 1929 und 1932 waren es im Zuge der Weltwirtschaftskrise etwa 4 Millionen, jedoch nicht unter 17 Millionen Menschen, sondern unter den rund 66 Millionen des damaligen Deutschen Reiches.

Die „blühenden Landschaften“, die der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl für die fünf neuen Länder angekündigt hatte, dürften den zahllosen Arbeitslosen vor dem Hintergrund des in den ersten Jahren im größeren Deutschland Erlebten, wie ein Hohn vorgekommen sein. Vielmehr dürften sie sich an den in der DDR so ungeliebten Staatsbürgerkundeunterricht erinnert gefühlt haben, in dem uns die Schattenseiten des westlichen Systems, allen voran Massenarbeitslosigkeit und Ungleichheit förmlich aufgedrückt wurden.

Nicht zuletzt wurde ihnen mit dem Rauswurf als Folge Tausender Betriebsschließungen und der diametral entgegengesetzten Metapher von den blühenden Landschaften im Hinterkopf letztlich auch signalisiert, dass bisher, also vor 1990, in der DDR gar nichts geblüht habe. Alles also Mauer- und Stacheldraht, alles Stasi und Dreck, alles nur Grau, 17 Millionen befreite Häftlinge also.

Statt nur den wirtschaftlichen Ruin zu sehen, hätte die Anerkennung der Lebensleistung der DDR-Beschäftigten den Westdeutschen besser zu Gesicht gestanden, also die Tatsache, dass es den findigen DDR-Werktätigen mit viel Geschick und Erfindungsreichtum überhaupt gelang, das marode System am Laufen gehalten zu haben. Statt die Ossis nur in Form von D-Mark oder später Euro in die Betriebsgewinne westdeutscher Konzerne einzupreisen, hätte der Wessi so das Herz der Ossis gewinnen können.

Hinzu kamen die plötzlichen personellen Veränderungen in den Leitungsstrukturen der noch bestehenden Betriebe, der Schulen und Universitäten: Die so genannte politische und fachliche Evaluierung an der Pädagogischen Hochschule Halle-Köthen erlebte ich selbst mit und begleitete sie als junger Redakteur der Studentenzeitung „Lupe“. Und zugegeben: Ich weigerte mich, trotz Einladung in die Personalkommission einzutreten, als ich hörte, wie oberflächlich dort über die Zukunft von bis 1990 Verantwortung tragenden Menschen, über meine Hochschullehrer also, teils von fremden Personen entschieden wurde.

Menschliche Dramen haben sich da abgespielt. Der ideologische und politische Sieger machte auch hier kurzen Prozess. Bemerken möchte ich dazu aber auch, dass natürlich auch Mitarbeiter ihren Job verloren, die anderen zu DDR-Zeiten aus politischen Gründen tatsächlich massiv geschadet und übel mitgespielt hatten. Aber das waren, das sollte nicht vergessen werden, nur wenige.

Alsbald nach der Wende waren fast alle Professorenstellen nebst diverser Netzwerke in westlicher Hand. Viel westdeutsches leitendes Personal war aber nur per „Buschzulage“ überhaupt zu bewegen, in den verhassten Osten zu gehen, der halt, wenn überhaupt, nur als Absatzmarkt oder Flohmarkt für sie interessant war, als Busch eben.

Ich kann mich noch gut an das Interview mit dem damaligen Chef des VEG Tierzucht in Nordhausen, Dr. Johann Franz erinnern, der mir fast unter Tränen schilderte, wie er unter dem Druck des Marktes erst hunderte Mitarbeiter entlassen und tausende Schweine schlachten musste. Und dann kamen Westdeutsche mit riesigen Autos und wollten wissen, was der verbliebene Rest kosten sollte…Und Franz solle sich doch mal ein vernünftiges Auto kaufen.

Zum Begriff des „Besser-Wessis“ war es nach all diesen Erfahrungen der ersten gesamtdeutschen Jahre nicht mehr so weit. Vor der Wende hatte die Partei das Sagen, jetzt nicht immer, aber oft der Besser-Wessi. Denn westdeutsche Leitungskräfte besetzten fast 100 Prozent der Leitungsstellen, ob nun in den noch vorhandenen Betrieben oder aber in den politischen Schaltzentralen und wissenschaftlichen Einrichtungen.

Gewiss, ohne westliches Know How, ohne Fachleute aus Verwaltung und Politik wäre der Um- und Aufbau in den fünf neuen Ländern nicht möglich gewesen. Und zahlreiche Westdeutsche haben unverzichtbare Aufbauarbeit geleistet.

Entscheidend aber dürften oft die negativen Erfahrungen sein, denn diese bleiben naturgemäß am längsten im Gedächtnis.

Politik und die Umsetzung politischer Entscheidungen haben viel mit Gefühl zu tun, und mit Einfühlsamkeit. Das ist mitunter sogar wichtiger, als die heute durchaus verbreitete materielle Zufriedenheit.

Nachteilige Entscheidungen gut zu kommunizieren, die Menschen mitzunehmen, sie unter dem Motto zu überzeugen, „ich bin doch auch einer von euch und wir sitzen alle in einem Boot“ und Versprechen auch einzuhalten, das ist Einfühlsamkeit auf der Seite der Verantwortlichen. Womit sie das besagte gute Gefühl bei den Menschen erzeugen und diese, zumindest eher mitnehmen können, als wenn sie es so machen, wie Merz und Habeck.

Der Verlust von Millionen Arbeitsplätzen und bewährter Infrastruktur, wie Eisenbahnstrecken, Dorfläden, Schwimmbädern und funktionierenden Schulen, die zu geringe Anerkennung von millionenfacher Lebensleistung unter schwierigen Bedingungen, der Ausschluss Ostdeutscher von Leitungspositionen, nicht gehaltene Politikerversprechen, die schreiende soziale Ungleichheit, nichts von dem erzeugt gute Gefühle.

Zudem fühlen sich viele Menschen in ihrer Existenz durch die zunehmende Konfrontation mit Russland bedroht. Der kalte Krieg von vor 1990 erschien ihnen sicherer, als das, was heute ist. Das wichtigste Freiheitsversprechen, das ihr nach der Wende geben konntet, liebe Politiker, ist doch die Freiheit von Krieg, ist, das Frieden bleibt. Alles andere kommt danach. Es gibt viel weniger Friedenstauben in diesem Land zu sehen, als in der DDR, das fiel mir schnell auf nach dem 3. Oktober 1990.

Wenn die Würde des Menschen laut unserem Grundgesetz unantastbar sein soll, so denken viele, müsste doch der Tod von 27 Millionen Russen, Ukrainern, Belarussen und anderen einst zur UdSSR gehörenden Menschen im Zweiten Weltkrieg auf allen Seiten mehr diplomatische Bemühungen als plumpe Aufrüstung und Rüstungsexporte sowie Kriegsrhetorik erzeugen. Reichen die schaurigen Erfahrungen von zwei Weltkriegen noch nicht? Das wäre doch mal was für‘s Bundesverfassungsgericht.

All den empfundenen oder tatsächlichen negativen Dingen stehen natürlich auch materielle Errungenschaften sowie Presse-, Meinungs- und Reisefreiheit sowie freie Wahlen ausgesprochen positiv gegenüber. Ich glaube, dass niemand den Inhalt dieses Satzes missen möchte, - aber das allein reicht nicht.

Ob die vor diesem Satz angeschnittenen Probleme gelöst werden können, und wenn ja, von wem, das werden die Zukunft und damit auch die Stimmzettel aus den Wahlurnen zeigen. Nur Zeit haben wir absolut keine mehr.
Bodo Schwarzberg
Autor: psg

Anzeige symplr (lb_3)
Kommentare
DonaldT
24.08.2026, 15:51 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert von vgf – diskreditiert eine Person aufgrund ihrer Herkunft und beruflichen Stellung
Kobold2
24.08.2026, 18:14 Uhr
Zwei wesentliche Ereignisse
dieser schnelllebigen Zeit haben die gegensätzlicher nicht sein konnten, haben sie hier vergessen, oder bewusst unterschlagen.
Während man noch im November 1989 in Berlin H. Kohl, H. Schmidt, H.-D. Genscher und weitere Politiker beim Anstimmen des Deutschlandliedes ausbuhte und auspfiff, warf man sich dem gleichen H.Kohl ein paar Wochen später in Dresden mit Jubelrufen an den Hals. Für mich war das saal eine erbärmlichen Selbstaufgabe und die Grundlage für die Schieflage der weiteren Entwicklung, vor allem in den 90ern. Ich habe bis heute nicht verstanden, dass trotzdem die CDU 1994 wieder die meisten Stimmen bekam, obwohl es schon vor der ersten gesamtdeutschen Wahl sehr viel Kritik an der CDU gab und das ganze Dilemma sich schon voll ausgebreitet hatte. Man hat hier einfach zu viel leichtfertig und blauäugig aus der Hand gegeben und sich auf einem Tablett serviert, das von der anderen Seite entsprechend angenommen wurde.
Leser X
25.08.2026, 10:21 Uhr
Wie nutzen wir unsere Unzufriedenheit?
Das genau ist die Frage, die mich im Zusammenhang mit dem Beitrag von Herrn Schwarzberg besonders interessiert. Vom "Jammer-Ossi" war ja schon die Rede. Das Problem bei jammernden Menschen besteht aber leider darin, dass aus dieser unbefriedigenden Rolle irgendwann ohnmächtige Wut erwächst. Und genau das erleben wir im Vorfeld der kommenden ostdeutschen Landtagswahlen. Was droht, ist ein erheblicher Schaden für die Demokratie, wenn Wut zur bloßen Rache an allen wird, die bisher regierten oder mitregierten.

Diese geschichtsvergessene Reaktion müsste nach meiner Überzeugung aber gar nicht sein. Denn die Jammernden haben es versäumt, "ihre" Politiker zu erziehen. Diese Erziehung bestünde in organisierten Formen des Widerstandes bis hin zum Erzwingen von Kurskorrekturen einer auch aus meiner Sicht zutiefst unsozialen Politik, die zudem immer mehr auch mit einer ebenfalls geschichtsvergessenen Konfrontationspolitik verbunden wird. Möglichkeiten des Widerstandes bietet selbst die deutsche Demokratie. Aber das setzt voraus, dass mehr passiert als jammern, schimpfen, pöbeln...

So aber sehe ich den Ausgang der bevorstehenden Wahlen als einen verzweifelten Rachefeldzug der Jammenden ohne dass sie dabei bedenken, dass das Ergebnis ihrer Rache auch ihre eigene Lage nicht etwa verbessert, sondern vieles nach meiner Einschätzung noch schlimmer machen wird.
Kritiker2010
25.08.2026, 10:32 Uhr
Geschichte wiederholt sich, weil Menschen so sind
Der Blick zurück und die Betrachtung der Gegenwart zeigen: Geschichte wiederholt sich, weil die menschliche Natur die Mechanismen der Macht zuverlässig bedient. Das Ergebnis sehen wir auch im Wahlverhalten in Deutschland, längst nicht nur in Ostdeutschland.

Freiheit schafft nicht nur Wohlstand, sondern auch Unterschiede, Ungleichheiten und Neid. Daraus erwächst bei eingen die Forderung nach Regulierung und Kontrolle. Dies endet dann im ideologischen Selbstzweck und eitlen Kontrollwahn – bis der Ruf nach Freiheit wieder lauter wird, das Pendel zurückschlägt und die zugezogene Tür wieder aufstößt.

Der Mechanismus funktioniert zuverlässig in vielen Ländern. Auch die Umformung der Sprache und die eingesetzte Symbolik gehen ähnliche Wege. Und natürlich darf die Rechtfertigung durch moralische Abgrenzung von echten oder fiktiven Feindbildern nicht fehlen, selbst wenn Parallelen deutlich sichtbar sind. Zweifel oder Vergleiche sind nicht erwünscht.

Die Frage ist: An welcher Stelle des Zyklus stehen wir gerade und was kommt danach?

Ich wünsche mir eine Welt mit weniger Politik, weniger Regulierung und mehr Eigenverantwortung. Allerdings habe ich da aktuell wenig Hoffnung. Denn viele Idealisten und selbsternannte Weltretter klammern sich dann doch lieber fest an jene Töpfe, die erst durch Politik und Ideologie entstehen.
P.Burkhardt
25.08.2026, 20:27 Uhr
ich habe eine Weile überlegt...mein Kommentar 1. Teil
...wie ich auf den Beitrag von Herrn Schwarzberg reagieren soll und ob ich es überhaupt tun soll:

Sehr Vieles, was Herr Schwarzberg schreibt ist faktisch richtig - Anderes jedoch sehr vom Blickwinkel abhängig.

Vorab: Ich denke, dass die nicht zu leugnenden Unterschiede der (älteren und den von den älteren erzogenen) Menschen zwischen Ost und West eben aus der Sozialisierung in der DDR her rühren. Die Zeit, die seit der Wende vergangen ist, ist einfach noch nicht lang genug um die für uns neuen Realitäten mit all ihren Risiken und auch Chancen zu erkennen. Ich merke das an mir selbst.

Es ist doch so, dass die Menschen im Westen es seit Jahrzehnten gewohnt sind, dass sie nur erfolgreich sein können, wenn sie selbst Risiken eingehen, lernen, nicht stehen bleiben und (auch an sich) arbeiten. Dazu gehört auch, ggf. seine von den Eltern übernommen Überzeugungen an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Vieles, was früher gut und richtig war steht einem heute im Weg. Ich werte das nicht - das ist nicht gut oder schlecht, sondern einfach eine Tatsache.

Ein paar Beispiele aus dem Artikel: Herr Schwarzberg meint, dass es Aufgabe der Bundesregierung bei Umsetzung der Wiedervereinigung gewesen wäre, dass sich die Menschen wohlfühlen. Ja, wäre es gewesen, wenn man eben nicht aus dem Wessi-Blickwinkel auf den Osten geguckt hätte. Im Westen fühlen sich die (gebildeten) Menschen wohl, weil sie sich frei entfalten können - sie finden es einfach geil, erfolgreich zu sein durch ihr eigenes Tun und nicht dadurch, dass sich irgendwer darum kümmert. Das war bei den meisten gelernten DDR-Bürgern (Hand aufs Herz) nicht so.

Führungspositionen wurden Ossis verweigert. NEIN ! Es ging nicht um den Geburtsort, sondern um Erfahrung im wirtschaftlich neuen Umfeld, Wissen um Gesetze, Usancen und damit verbunden die größtmögliche Chance auf Erfolg für Unternehmen und Institutionen - es war einfach die logische Konsequenz, dass wir Ossis in den 90ern da nicht mit dienen konnten. Herr Schwarzberg schreibt selbst, dass er den Eintritt in die Personalkommission abgelehnt hat, weil ihm die Führungsriege oberflächlich vorkam - wahrscheinlich waren einfach nur die Ziele andere - und ihm nicht bekannt.
P.Burkhardt
25.08.2026, 20:43 Uhr
ich habe eine Weile überlegt...mein Kommentar 2. Teil
Auch die oft genannten Betriebsschließungen in der DDR, wie sie ja auch Herr Schwarzberg anführt, waren aus Ossi-Sicht eine Katastrophe und schwer nachvollziehbar. Aus Wessi-Sicht überstiegen oft die Sanierungsaufwendungen die Kosten für eine Schließung. Kein Unternehmer schließt einen Standort, den er quasi umsonst bekommen hat, wenn er damit Geld verdienen kann...allerdings sehr wohl, wenn es ihn nur Geld kostet. Die Politik hätte hier mit entsprechenden Auflagen gegensteuern können... aber offenbar fehlten da Erfahrungen mit solchen Wiedervereinigungen - was mich jetzt auch wieder nicht wundert.

Buschzulage, die Herr Schwarzberg anführt, war eine Notwendigkeit. Nur durch die Buschzulage (fürchterliches Wort) war es überhaupt möglich, die München-Glamour-verwöhnten Führungskräfte nach Bitterfeld zu bringen, damit sie dort ihr dringend benötigtes Know-How einbringen. Nicht vergessen: Das waren ja nicht alles Deppen, die haben auch vorher schon gut bezahlte Jobs gehabt - nur in einem wesentlich mehr auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Umfeld. Auch hier, kommt es einmal mehr auf den Blickwinkel an.

Herr Schwarzberg spricht die Infrastruktur in der DDR an, Bahnverbindungen, Einzelhandel, usw. - ja, in der DDR war es möglich, unwirtschaftliche Dorf-Konsums zu erhalten, in einem wirtschaftlich agierenden System nicht - oder nur mit sehr viel Idealismus und in der Regel hohen Preisen.... weswegen die potenziellen Käufer dann doch wieder in den nächsten Supermarkt fahren in dessen Nähe sie sowieso arbeiten. Es funktioniert eben nicht, wenn die Preise nicht staatlich festgelegt und überall die gleichen sind - weswegen die DDR ja auch pleite war.

Auf den Bahngleisen der DDR hätte ohne die dringend notwendige Sanierung (Stichwort Soli-Beitrag) kein ICE oder auch nur moderner IR fahren können... aber ja, die Privatisierung der Bahn war ein Fehler, genauso wie die von Krankenhäusern... das ist aber ein anderes Thema.

Die genannten Friedenstauben waren ein Symbol für friedliches Zusammenleben - genauso wie heute die Regenbogenfahnen. Symbole ändern sich - das Anliegen bleibt.

Was die Kriegstreiberei angeht: Wann sollen wir denn reagieren.. wenn Putin an der Oder steht ?

Blickwinkelfrage.
P.Burkhardt
25.08.2026, 21:12 Uhr
und zu guter Letzt (Teil 3): Der Jammer-Ossi...
...es gab und es gibt ihn - das ist aber kein Vorwurf. Auch hier kommt es auf den Blickwinkel und die Sozialisierung an:

Wer über die Umstände jammert (auch im Westen) sieht sich selbst nicht in der Lage, daran etwas zu ändern. Im Westen liegt das oft an fehlender Bildung und einem ebensolchen Umfeld. Es ist eben einfacher, die Schuld für die eigene Misere bei anderen zu suchen (gerne die Regierung, die da oben, das System, o.ä.) als bei sich selbst.

Im Osten sehen sich viele Menschen auch nicht in der Lage, etwas an Ihrem Dasein zu ändern. Das liegt aber nicht daran, dass sie nicht gebildet wären, faul oder irgendwie eingeschränkt. Nein, das liegt in meinen Augen einfach daran, dass der Glaube daran, dass sich die Administration (also Regierung, das System, die da oben) um sie zu kümmern hat - wie es in der DDR eben war - immer noch vorhanden ist. Genau da liegt der Irrtum und in der Folge die Enttäuschung über die Regierungsparteien. Dieser Fakt wird von vielen (anders sozialisierten) Wessis eben nicht verstanden, weswegen es zum "Jammer-Ossi" kam.

Es gibt sehr viele Beispiele für Ossis, die die neuen Gegebenheiten gleich nach der Wende angenommen und genutzt haben - auch und gerade in Nordhausen. Man denke da an Helmut Peter, Axel Heck, verschiedene Makler, Steuerberater, Ärzte und Architekten oder auch die Vorstände und Mitarbeiter regionaler Unternehmen... nur um die prominentesten zu nennen. Es gibt viele mehr, die eben NICHT abgehauen sind, sondern Ihren Erfolg selbst in die Hand genommen haben und als Selbstständige, leitende Angestellte oder Spezialisten als Ossi im Osten das erreicht haben, was laut Herrn Schwarzbergs Artikel offenbar unmöglich sein sollte - warum ? Weil sie einen anderen - nach vorne - Blickwinkel hatten (Eigenverantwortung !). Es zahlt sich für jeden persönlich aus, die Gegebenheiten zu akzeptieren und das beste daraus für sich zu machen... unsere Verfassung und unser Rechtsstaat schaffen den Rahmen dafür... weswegen es für uns alle ein nur schwer zu reparierender Schaden wäre diesen abzuschaffen...woran ja Kräfte an den Rändern arbeiten.

Vielleicht hat ja der Eine oder Andere die Triologie durchgehalten und den Inhalt verstanden... schönen Abend.
P.Burkhardt
26.08.2026, 21:59 Uhr
ja...das war mir klar...
...dass das hier manchen nicht gefällt (vgl. Daumenkino)... An alle Downvote-Drücker: fragt Euch mal: Habt ihr den Downvote gegeben, weil der Beitrag von mir kam ? Habt ihr den Downvote gegeben, weil ihr meinen Beitrag nicht verstehen wolltet...oder ihr einfach nicht in der Lage wart, die eigene Position zu hinterfragen ? Ich habe eigentlich eine Lanze über uns Ossis gebrochen, habe erklärt, warum die Wessis uns eigentlich missverstehen müssen... wenn ihr trotzdem downvotet, kann es nur daran liegen, dass ihr das anders seht, oder eben wirklich dem Bild der Wessis entsprecht... Gegenargumente gab es ja nicht - aber das kenne ich bereits... oder, ihr habt einfach downgevotet, weil ich wusste, wie ihr reagiert...und genau das provoziert habe - und euch damit vorgeführt habe... wer weiß, wer weiß... 😉 ?

Im Grunde ist die nnz-Kommentarspalte eine Fundgrube für jeden Soziologen 😂

und es bestätigt mich in meiner Meinung: Menschen sind doof - und ich bin einer davon, weil ich immer wieder versuche, das allen anderen klar zu machen: Wir sind einfach dumm, in dem wie wir handeln, was wir glauben und wie wir mit anderen Menschen, unserer Umwelt und uns selbst umgehen... und zwar alle.

Ich habe gerade in einer Kneipe (ja, ich hatte nochmal Lust rauszugehen) mit einem Kerl an einem Tisch gesessen (wirklich nicht die hellste Kerze auf der Torte), dem aber absolut klar war, dass es in seinem Leben nur um ihn geht... und nicht darum, was vielleicht anderen zugute kommt. Vielleicht war der Gute schlauer als wir alle: Wenn jeder Alles für sich selber gibt, auch mal ins Risiko geht und nicht darauf vertraut, dass sich Andere um ihn kümmern (Staat, Bürgermeister, oder irgendwer)... dann geht es auch voran ! Das ist seit der Steinzeit so... und wurde uns in der DDR abtrainiert...also, vergesst den Scheiß und guckt nach vorne: Was muss ICH tun, damit es MIR besser geht...
Jens W.
27.08.2026, 10:47 Uhr
Oft...
..., ganz, ganz, oft liegt das weniger am Inhalt, sondern an der Art wie er kommuniziert wird.
Paul.W
27.08.2026, 11:51 Uhr
Viele . . .
haben auch Schwierigkeiten mit Fakten und durchdachten Argumenten. Verständlich, wenn man dem gar nichts entgegensetzen kann. Außer natürlich ein dislike. Das schafft auch noch der Dümmste . . .
Kommentar hinzufügen
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (bb_2)