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Trauer um Ehrenstadtrat

Donnerstag, 15. November 2012, 14:48 Uhr
Die Heiligenstädter CDU trauert um ihren Ehrenstadtrat Max Vilser, einem Mann der ersten Stunde. Er starb wenige Wochen vor seinem 93. Geburtstag am vergangenen Wochenende...

Max Vilser (Foto: Christian Stützer) Max Vilser (Foto: Christian Stützer)

Max Vilser (mitte) hier bei einem Neujahrsempfang der Stadt

Max Vilser war ein langjähriges Mitglied der Heiligenstädter Union und der Ehrenstadtrat unserer Heimatstadt Heilbad Heiligenstadt. Mit ihm verliert die Heiligenstädter Union nicht nur das Mitglied mit der längsten Zugehörigkeit zur Christlich Demokratischen Union Deutschlands, innerhalb der Thüringer Union, welches in seinen über 67 Jahren der Mitgliedschaft diese nachhaltig mitgeprägt und gestaltet hat, sondern vielmehr auch einen engagierten Menschen, der sich stets zum Wohle seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger und deren Belange eingesetzt hat.

Nach seiner Geburt am 31. Dezember 1919 in Erfurt erhielt Max Vilser seine politisch-weltanschauliche Grundformung in seinem Elternhaus, in der Unterrichtung bei den Salesianern- Schulbrüdern und durch seine aktive Mitarbeit im katholischen Jugendverband ND. Max Vilser selbst schrieb vor einigen Jahren in einem Kurzbericht seine Beweggründe für ein politisches Engagement nach den schrecklichen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges nieder.

Dort heißt es: „Im Alter von 19 Jahren riss mich die deutsche Kriegsmaschinerie brutal aus einer romantisch-optimistischen Gemeinschaft. In den eiskalten Nächten an der Front in Moskau, wo ich verwundet wurde, erkannte ich, dass wir missbraucht wurden und dass wir bei einer Veränderung mithelfen müssten. Im Gefangenenlager Bad Kreuznach diskutierten wir trotz Hunger: Wie soll es in Deutschland weitergehen und wie können wir aktiv mitwirken?“

So seine Worte in einer Jubiläumsschrift des Kreisverbandes Eichsfeld anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung der CDU Deutschlands. Genau diese Intention ist es gewesen, die Max Vilser nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Erfurt bewegt hat, um am 1. August 1945 in die Christlich Demokratischen Union Deutschlands einzutreten.

Nach seiner Lehrerausbildung und den ersten aktiven politischen Erfahrungen in Erfurt zog es den damals 30jährigen Max Vilser 1949 ins Eichsfeld, um mit seiner späteren Frau Adelheid, die aus Günterode stammte, sich dort eine Existenz aufzubauen und eine Familie zu gründen. In Günterode wirkte Max Vilser fast sein ganzes Berufsleben als Lehrer und zeitweise auch als Direktor an der dortigen Bildungseinrichtung.

Noch heute berichten besonders Schüler aus den Anfangsjahren seines Wirkens in Günterode, dass er durch seine familiäre Verbindung zu Günterode ein fester Halt in der dortigen Schule war, wo doch gerade in der Zeit bis zum Bau der Berliner Mauer im Jahre 1961 die Fluktuation des Lehrpersonals an dieser grenznahen Schule den Alltag enorm belastete.

Nach seinem Umzug nach Heiligenstadt engagierte sich Max Vilser besonders nach der friedlichen Revolution im Jahre 1989/90 außerordentlich für den Aufbau freier kommunaler Strukturen in der späteren Kreisstadt des Landkreises Eichsfeld. So gehörte er von 1990 bis 1999 dem Heiligenstädter Stadtrat an und dies trotz seines damals schon hohen Alters.

Aber gerade seine tiefen Erfahrungen aus zwei erlebten Diktaturen machten ihn für den „Neuanfang“ auch so unerlässlich, sodass man in vielen Gesprächen und Begegnungen mit ihm die Freude über das große Geschenk der Wiedervereinigung spüren konnte und er dies besonders auch jüngeren Generationen eindringlich vermitteln konnte.

In Anerkennung seiner ehrenamtlichen Tätigkeit wurde er mit Beschluss des Heiligenstädter Stadtrates vom 15. Dezember 1999 zum Ehrenstadtrat der Stadt Heilbad Heiligenstadt am 27. Januar 2000 ernannt. Nach seinem Ausscheiden aus der aktiven kommunalpolitischen Tätigkeit war Max Vilser noch bis ins hohe Alter ein verlässlicher Partner und ein hoch engagiertes Mitglied der Heiligenstädter Union.

So lange es seine körperlichen Kräfte erlaubten, war er stets bei den Veranstaltungen seiner CDU Heilbad Heiligenstadt zu Gast und fühlte sich dort nicht als Senior sondern als aktives Mitglied. Max Vilser war ein Mensch, der in seinen verantwortungsvollen Tätigkeiten als Lehrer, aber vor allem auch in seinem politischen Tun und in vielen weiteren Funktionen und Aufgaben seine christlichen Werte als Grundlage seiner gesellschaftlichen Tätigkeit nie aus den Augen verloren hat.

Die CDU Heilbad Heiligenstadt ist dankbar, dass wir Max Vilser kennen lernen, mit ihm zusammen arbeiten durften und er einen großen Teil seines Lebensweges mit uns gegangen ist. Nach dem Tode von Max Vilser wird er seinen Mitbürgern aber vor allem seiner Heiligenstädter Union durch sein Wirken als standfester und überzeugender Mensch in Erinnerung bleiben, dessen ehrliche Art Dinge anzusprechen unvergessen bleibt. Die Heiligenstädter Union trauert um ihn und wird ihm ein ehrendes Gedenken bewahren.
Christian Stützer
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