Land der Gründer?
Donnerstag, 27. Dezember 2012, 11:55 Uhr
Knapp 14.000 Thüringerinnen und Thüringer haben nach vorläufigen Schätzungen des Thüringer Wirtschaftsministeriums in diesem Jahr den Schritt in die berufliche Selbständigkeit gewagt – das entspricht gut 600 Gewerbeanmeldungen pro 100.000 Einwohner. Einzelheiten wie immer in Ihren Nordthüringer Onlinezeitungen...
Im vergangenen Jahr hatten noch mehr als 15.000 Menschen eine eigene unternehmerische Existenz gegründet – das Gründungsinteresse nimmt also ab. Hier bestätigt sich erneut, dass in konjunkturellen Aufschwungphasen der Weg in die Selbstständigkeit etwas an Bedeutung verliert, interpretiert Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig die Zahlen. Der Freistaat blicke auf zwei wirtschaftlich erfolgreiche Jahre zurück, in denen tausende neuer Arbeitsplätze entstanden sind. Wer einen gut bezahlten Job findet, zieht diesen oft einer Existenzgründung vor, so Machnig.
Allerdings komme es beim Thema Existenzgründung ohnehin nicht auf Masse, sondern auf Klasse an, sagte der Minister: Deshalb ist es erfreulich, dass gerade der Anteil der High-Tech-Gründungen in Thüringen inzwischen konstant bei rund 300 pro Jahr liegt. Dies geht aus dem aktuellen Thüringer Gründer- und Nachfolgereport 2011 hervor, den das von den Thüringer Kammern getragene Beratungsnetzwerk Gründen und Wachsen in Thüringen (GWT) jetzt mit Unterstützung des Thüringer Wirtschaftsministeriums vorgelegt hat. Machnig: Es sind genau solche innovativen Unternehmen, die letztlich zu Wachstumskernen für eine ganze Region werden können.
Wichtig ist darüber hinaus auch der Anteil der sog. Betriebsgründungen an den Gewerbeanmeldungen – d.h. der Anteil von Unternehmen, die von Anfang an mehr als nur einen einzigen Beschäftigten haben und als Personen- oder Kapitalgesellschaft (GmbH, AG, etc.) firmieren. Im Jahr 2011 – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – zählte Thüringen laut Gründerreport knapp 3.700 solcher Gründungen mit höherer wirtschaftlicher Substanz – das entsprach 23,4 Prozent aller Gewerbeanmeldungen. Damit liegt der Freistaat um sechs Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt von 17,6 Prozent.
Gründungsfreudigste Stadt in Thüringen bleibt übrigens die Landeshauptstadt Erfurt mit 104 Gewerbeanmeldungen je 10.000 Einwohner, gefolgt von Jena (87) und Weimar (85). Schlusslicht bilden mit jeweils 52 Anmeldungen der Wartburgkreis und das Altenburger Land. Der Thüringer Durchschnitt liegt bei 71. Unter den Branchen dominierte 2011 beim Gründungsgeschehen der Handel, wo fast jede vierte neue Firma an den Markt gebracht wurde, gefolgt vom Dienstleistungssektor, dem Baugewerbe und dem Gastgewerbe. Handel und Dienstleistungen machen sowohl thüringen- als auch bundesweit nahezu die Hälfte aller Gewerbeanmeldungen aus.
Insgesamt liegt Thüringen mit einer Selbständigenquote von 10,2 Prozent nur knapp unter dem Bundesdurchschnitt (11 Prozent). In Thüringen ist das Umfeld für Existenzgründer hervorragend, stellt daher auch Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der IHK Erfurt, fest. Neben den Kammern sind zahlreiche, auch vom Land geförderte Beratungsnetzwerke aktiv, die Existenzgründer und Jungunternehmer unterstützen.
Klassische Gründungen im Handwerk, Handel, Dienstleistungen und Gewerbe werden z.B. über Existenzgründerpässe, organisationseigene Beratung im Handwerk und Angebote von Netzwerken wie dem GWT und Pro Gründen unterstützt. Darüber hinaus fördert das Land gezielt innovative Existenzgründungen durch Beratung und Coaching – z.B. über das Thüringer Netzwerk für innovative Gründungen (ThüInG) – getragen von der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT) – oder das Gründernetzwerk der Thüringer Hochschulen. Insgesamt stehen dafür pro Jahr rund drei Millionen Euro zur Verfügung. Im Jahr 2011 ist zudem der Thüringer Gründerfonds mit zwei Millionen Euro gestartet, der vor allem für innovative Gründungen benötigtes Startkapital bereitstellt.
Weitere Anstrengungen sind für IHK-Chef Grusser allerdings noch an anderer Stelle nötig: Wichtig ist es, die Rolle des Unternehmers in der Gesellschaft neu zu definieren. Wirtschaft sollte bereits in den Schulen einen breiten Raum einnehmen. Ökonomische Bildung findet gegenwärtig noch eher sporadisch und nicht systematisch statt.
Autor: redIm vergangenen Jahr hatten noch mehr als 15.000 Menschen eine eigene unternehmerische Existenz gegründet – das Gründungsinteresse nimmt also ab. Hier bestätigt sich erneut, dass in konjunkturellen Aufschwungphasen der Weg in die Selbstständigkeit etwas an Bedeutung verliert, interpretiert Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig die Zahlen. Der Freistaat blicke auf zwei wirtschaftlich erfolgreiche Jahre zurück, in denen tausende neuer Arbeitsplätze entstanden sind. Wer einen gut bezahlten Job findet, zieht diesen oft einer Existenzgründung vor, so Machnig.
Allerdings komme es beim Thema Existenzgründung ohnehin nicht auf Masse, sondern auf Klasse an, sagte der Minister: Deshalb ist es erfreulich, dass gerade der Anteil der High-Tech-Gründungen in Thüringen inzwischen konstant bei rund 300 pro Jahr liegt. Dies geht aus dem aktuellen Thüringer Gründer- und Nachfolgereport 2011 hervor, den das von den Thüringer Kammern getragene Beratungsnetzwerk Gründen und Wachsen in Thüringen (GWT) jetzt mit Unterstützung des Thüringer Wirtschaftsministeriums vorgelegt hat. Machnig: Es sind genau solche innovativen Unternehmen, die letztlich zu Wachstumskernen für eine ganze Region werden können.
Wichtig ist darüber hinaus auch der Anteil der sog. Betriebsgründungen an den Gewerbeanmeldungen – d.h. der Anteil von Unternehmen, die von Anfang an mehr als nur einen einzigen Beschäftigten haben und als Personen- oder Kapitalgesellschaft (GmbH, AG, etc.) firmieren. Im Jahr 2011 – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – zählte Thüringen laut Gründerreport knapp 3.700 solcher Gründungen mit höherer wirtschaftlicher Substanz – das entsprach 23,4 Prozent aller Gewerbeanmeldungen. Damit liegt der Freistaat um sechs Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt von 17,6 Prozent.
Gründungsfreudigste Stadt in Thüringen bleibt übrigens die Landeshauptstadt Erfurt mit 104 Gewerbeanmeldungen je 10.000 Einwohner, gefolgt von Jena (87) und Weimar (85). Schlusslicht bilden mit jeweils 52 Anmeldungen der Wartburgkreis und das Altenburger Land. Der Thüringer Durchschnitt liegt bei 71. Unter den Branchen dominierte 2011 beim Gründungsgeschehen der Handel, wo fast jede vierte neue Firma an den Markt gebracht wurde, gefolgt vom Dienstleistungssektor, dem Baugewerbe und dem Gastgewerbe. Handel und Dienstleistungen machen sowohl thüringen- als auch bundesweit nahezu die Hälfte aller Gewerbeanmeldungen aus.
Insgesamt liegt Thüringen mit einer Selbständigenquote von 10,2 Prozent nur knapp unter dem Bundesdurchschnitt (11 Prozent). In Thüringen ist das Umfeld für Existenzgründer hervorragend, stellt daher auch Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der IHK Erfurt, fest. Neben den Kammern sind zahlreiche, auch vom Land geförderte Beratungsnetzwerke aktiv, die Existenzgründer und Jungunternehmer unterstützen.
Klassische Gründungen im Handwerk, Handel, Dienstleistungen und Gewerbe werden z.B. über Existenzgründerpässe, organisationseigene Beratung im Handwerk und Angebote von Netzwerken wie dem GWT und Pro Gründen unterstützt. Darüber hinaus fördert das Land gezielt innovative Existenzgründungen durch Beratung und Coaching – z.B. über das Thüringer Netzwerk für innovative Gründungen (ThüInG) – getragen von der Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT) – oder das Gründernetzwerk der Thüringer Hochschulen. Insgesamt stehen dafür pro Jahr rund drei Millionen Euro zur Verfügung. Im Jahr 2011 ist zudem der Thüringer Gründerfonds mit zwei Millionen Euro gestartet, der vor allem für innovative Gründungen benötigtes Startkapital bereitstellt.
Weitere Anstrengungen sind für IHK-Chef Grusser allerdings noch an anderer Stelle nötig: Wichtig ist es, die Rolle des Unternehmers in der Gesellschaft neu zu definieren. Wirtschaft sollte bereits in den Schulen einen breiten Raum einnehmen. Ökonomische Bildung findet gegenwärtig noch eher sporadisch und nicht systematisch statt.
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