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Joachim Wankes Dank an den Papst

Freitag, 01. März 2013, 10:38 Uhr
Viele Eichsfelder haben gestern verfolgt, wie sich Papst Benedikt VI. verabschiedete. Einige Eichsfelder waren sogar in den vergangenen Tagen in Rom, um ihn noch einmal als Papst persönlich zu erleben. Bischof em. Joachim Wanke hat gestern bei der Dankmesse für das Pontifikat von Papst Benedikt XVI. gepredigt...

Wir möchten Ihnen hier Gelegenheit bieten, diese Predigt nachzulesen:

Liebe Schwestern und Brüder!
Dieser Abschied kam überraschend! Als Papst Benedikt vor zwei Wochen seinen Rücktritt vom Papstamt für den heutigen Tag ankündigte, gab es innerhalb und außerhalb der Kirche ein erschrecktes Innehalten. Geht das überhaupt? Ein Papst in Rente? Dass es dies als theoretische Möglichkeit gab, war grundsätzlich bekannt. Aber dass ein Papst damit persönlich ernst macht - das weckte Verwunderung und Erstaunen.

Die Reaktionen auf diesen Rücktritt sind bekannt. Es gab eine Fülle von Äußerungen, angefangen von solchen des Respekts für diese Entscheidung, über das Verständnis für die vom Papst selbst angegebenen Gründe für diesen Schritt bis hin zu wilden Spekulationen und Mutmaßungen.

Um all das braucht es uns heute nicht zu gehen. Wir sind vielmehr hier im Dom zusammengekommen, um dem scheidenden Papst für seinen Dienst zu danken, mit ihm und für ihn zu beten - und vor allem auch Gott um einen neuen Petrusnachfolger zu bitten, der geeignet und bereit ist, in diesen schwierigen Zeiten dieses Amt zu übernehmen.

Der Abschnitt aus dem Johannesevangelium, den wir heute hörten, erzählt von der Einsetzung des Petrus in seinen Hirtendienst durch den auferstandenen Herrn. Eine eindringliche und bewegende Szene wird geschildert, die deutlich zeigt, wie sehr sich die vom Evangelisten Johannes geprägten Christen Petrus verbunden wissen. Im Hintergrund dürfen wir dabei an den Bericht von der Berufung des Petrus zum "Felsenmann" der Kirche aus dem Matthäusevangelium (Mt 16, 13-20) denken, der hier im Licht der Ostererfahrung neu beleuchtet und bestätigt wird.

Interessant ist, welche Berufungskriterien in diesem Bericht bei der Auswahl des Petrus zum universalen Hirtendienst in der Kirche zur Geltung kommen. Wenn heute nach einer Person Ausschau gehalten wird, die geeignet ist, eine Führungsrolle in Gesellschaft oder Politik zu übernehmen, da gelten etwa diese Kri-terien: Sachverstand, fester Charakter, Führungsqualitäten und ähnliches mehr.

Von all dem ist in der Berufungsgeschichte des Petrus nicht die Rede. Ein einziges, merkwürdiges Kriterium wird ins Spiel gebracht, um zu begründen, dass nun der Fischer Simon zum Menschenfischer Petrus werden soll: ob er den Herrn liebt! Dreimal stellt der Herr dem Apostel die Frage: "Simon, Simon, liebst du mich?" Und erst, als Simon diese Frage dreimal bejaht, wobei seine Antwort am Ende ganz kleinlaut wird im Wissen um seine persönliche Schwäche und sein Versagen - erst da wird ihm seine Berufung zum Hirten der Kirche vom Auferstandenen her zuteil: "Weide meine Schafe!"

Und im Fortgang wird dann noch in der Geschichte erzählt, wie ein anderer, nämlich Gott selbst, im Alter den Petrus binden und führen wird wohin er nicht will - diese Stelle wird Papst Benedikt in den letzten Wochen wohl besonders nachdenklich gelesen und betrachtet haben. Denn hier deutet der Erzähler das spätere Martyrium des Petrus an, in dem er seine Liebe zum Herrn in der eigenen Lebenshingabe besiegelt hat.

Was heißt das nun für die Kirche unserer Tage? Wer sich vom Herrn in die Nachfolge des Petrus berufen lassen will, muss zunächst und vor allem - den Herrn lieben. Das ist das Fundament seines Amtes, das Eignungskriterium schlechthin.

Wir spüren, wie zweitrangig all die anderen Kriterien für einen neuen Papst sind, die gegenwärtig in der Öffentlichkeit diskutiert werden - ob er reformfreudig, modern, dialogfähig ist, ob er aus Europa, Afrika oder Asien kommen soll und möglichst viele Sprachen beherrscht. Irgendwo ist das natürlich auch wichtig und für die demnächst wählenden Kardinäle zu bedenken.

Entscheidend freilich ist, ob der neue Papst versteht, sein Amt auf Jesus Christus hin transparent zu machen. Denn er, Jesus Christus, der Auferstandene, ist der eigentliche Hirt der Kirche und das Haupt der erlösten Menschheit. Der Dienst des Bischofs von Rom muss erkennbar werden lassen, dass es in der Kirche um Jesus Christus geht, um sein Evangelium, um seine uns alle aus Sünde und Tod befreiende Lebenshingabe an den Vater. Für uns alle gilt es, diese nachzuvollziehen - in einem Leben, dass immer mehr christusförmiger, immer mehr ihm ähnlicher werden soll.

Für dieses Glaubenszeugnis, das Jesus Christus in die Mitte stellt, haben wir dem Seelsorger, dem Theologen und Papst Benedikt zu danken. Er hat in bewegenden, eindrücklichen und auch demütigen Worten und Gesten immer wieder auf diese Mitte unseres Glaubens hingewiesen. Er hat vielen Menschen geholfen, ihr Leben an Jesus Christus und seinem Wort auszurichten. Er hat gewarnt davor, den trügerischen Verheißungen einer gottfernen Welt zu trauen, die eben keine "Worte ewigen Lebens" für uns hat. Daran haben sich auch manche Leute gestoßen. Aber das eben gehört zum Amt des Papstes: die Kirche in der Wahrheit des Evangeliums zu halten und im Glauben sich nicht erschüttern zu lassen.

Ich verstehe es als eine Fügung, dass Papst Benedikt gerade bei seinem Abschied ein "Jahr des Glaubens" ausgerufen hat. Er erinnert uns damit an die pro-phetische Botschaft eines Jesaja, der dem Volk Israel zugerufen hat: "Glaubet ihr nicht, so bleibet ihr nicht!" (Jes 7,9). Dankbar erinnere ich mich an die Predigt des Papstes im September 2011 hier auf dem Erfurter Domplatz. Er hatte uns damals an unsere Erfahrungen aus der antireligiös und antikirchlich geprägten DDR-Zeit erinnert. Ja, in diesen Jahren hatten wir gespürt, wie der Gottes-glaube Halt geben kann, Kraft, um sich nicht verbiegen zu lassen. Wir haben uns bemüht, "keinem anderen Stern zu folgen als dem von Bethlehem", wie es Kardinal Meisner beim Katholikentreffen 1987 in Dresden formuliert hat. Im Glauben standfest bleiben, die Hoffnung sich nicht verkürzen zu lassen, den langen Atem zum Durchhalten sich bewahren - das kann Kraft und Ausdauer geben auch in den heutigen Herausforderungen.

Und der Papst erinnerte in seiner Predigt damals an das Glaubenszeugnis der Heiligen und Seligen unseres Thüringer Landes. Er forderte uns auf, an ihnen Maß zu nehmen für unseren Weg als Christen und als Ortskirche hinein in eine neue Zeit. "Wo Gott ist, da ist Zukunft!"

Vielleicht ist dieses Motto der Papstreise nach Deutschland im Jahr 2011 so etwas wie ein Vermächtnis dieses Pontifikats. Und hat das Jesus nicht auch dem Petrus gesagt - trotz des Wissen um sein späteres Versagen angesichts der Passion: "Simon, Simon, der Satan hat verlangt, dass er euch wie Weizen sieben darf. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Brüder" (Lk 22,31f).

Lieber Papst Benedikt, wir danken Dir für Dein Glaubenszeugnis! Und mit Dir zusammen bitten wir für unsere Kirche auf ihrem Weg durch die kommende Zeit, für eine gute Zukunft der Menschheit. Wir beten darum, dass unser Glaube stark bleibt, unsere Hoffnung auf Gott nicht nachlässt und unsere Liebe zu Gott und den Menschen immer überzeugender wird - und dass bald ein neuer Papst uns dabei stärkt! Amen.
Autor: en

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