eichsfelder-nachrichten

300 Jahre Nachhaltigkeit

Samstag, 15. Juni 2013, 17:00 Uhr
Kaum mehr als 200 Jahre nach der Entdeckung Amerikas 1492 durch Christoph Kolumbus, die als eines der bedeutendsten Ereignisse der Geschichte gilt, prägte Hans Carl von Carlowitz bereits den Begriff der Nachhaltigkeit. Er, der im Freiberger Bergbau als Oberberghauptmann tätig war, sah mit Sorge den steigenden Bedarf an Holz und er bangte um diesen Rohstoff...

Im Wald (Foto: Gisela Reinhardt) Im Wald (Foto: Gisela Reinhardt)

Auch wenn heute der Begriff „Nachhaltigkeit“ von Politik und Wirtschaft beansprucht wird, hat er doch seinen Ursprung in der Forstwirtschaft und steht für eine kontinuierliche Waldbewirtschaftung, bei der nicht mehr Holz geerntet wird, als auch wieder nachwächst. Tragen doch alle Verantwortung dafür, dass auch unsere Kinder und Enkel den Wald genießen und nutzen können. Neben zahlreichen Naturschutzorganisationen sind es die Forstämter, die die Hauptverantwortung dafür haben. Sie sind an einer guten Zusammenarbeit mit allen, die sich ebenfalls für diese Nachhaltigkeit einsetzen, interessiert.

Nachdem man sich mit den Waldinteressenten des nördlichen Eichsfeldes im vergangenen Jahr auf dem Scharfenstein getroffen hatte, um den neu eingeweihten Waldlehrpfad zu besichtigen, stand das Treffen in diesem Jahr unter dem Thema „300 Jahre Nachhaltigkeit“.

Eingeladen hatten die Waldinteressengemeinschaft Bischofferode und das Forstamt Leinefelde. Der stellvertretende Forstamtsleiter des Forstamtes Leinefelde, Ralf Goldmann, und der zuständige Revierleiter, Jörg Walter, führten 25 interessierte Waldbesitzer des Forstamtsbereiches durch den Privatwald der Waldinteressenten Bischofferode.

Anschaulich und voller Leidenschaft stellte der Vorsitzende der Waldinteressentengemeinschaft Bischofferode, Josef Wand, in seinem Vortrag die Geschichte der Waldinteressengemeinschaft von ihrer Gründung, der unrechtmäßigen Enteignung bis in die Neuzeit vor und machte deutlich, dass die Waldbesitzer mit viel Einsatz, Kampfeswillen und Liebe mit ihrem Wald verbunden sind.

Den Wald für kommende Generationen zu erhalten und zu mehren, ist das Ziel, aber auch die Triebfeder für ihre unermüdlichen Anstrengungen. Auch, wenn die Buche die Hauptbaumart im Eichsfeld ist, waren gerade in dem gezeigten Bestand wahre „Schätze“ zu bestaunen. 200 Jahre alte Buchen, die über 40 Meter hoch sind und einen Durchmesser von mehr als 1 Meter haben, sind der Stolz der Gastgeber.

Beim Betrachten der herrlichen Waldbilder mit zahlreichen Habitat- und Spechtbäumen und sonnendurchfluteten Lichtungen ging allen Teilnehmern das Herz auf. Obwohl der Hainich gegenwärtig mehr Aufmerksamkeit erfährt, sind doch auch unsere heimischen Wälder, ebenso wie der Hainich, das Ergebnis jahrhundertelanger Waldbewirtschaftung und von überwältigender Schönheit.

Unterschiedliche Meinungen zwischen Naturschützern und Landschaftsnutzern gehören zum praktischen Alltag, aber ein Käseglocken-Naturschutz nach dem Motto "Unter Schutz stellen und Finger weg!" - darüber waren sich alle einig - ist nicht der richtige Weg. Bei der im Anschluss an die Exkursion stattfindenden Versammlung lauschten 70 interessierte Waldbesitzer den Ausführungen von Wolfgang Heyn, dem Geschäftsführer des Thüringer Waldbesitzerverbandes der in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit mit der Forstbehörde lobte.

Er appellierte an alle Teilnehmer des Abends, dass auch hier im Kleinen große Verantwortung für Klimawandel und Bewahrung der Schöpfung übernommen wird, denn jeder Baum, der in den tropischen Regenwäldern oder als sogenanntes Plantagenholz abgeholzt wird, schadet dem Gleichgewicht in der Natur.

„So lange wir hier unserer Verantwortung für unseren Bereich gerecht werden und unsere Wälder nachhaltig bewirtschaften, leisten wir einen wertvollen Beitrag. Die große Verpflichtung, die wir für die Natur haben, führt uns nicht zuletzt die gegenwärtige Hochwasserkatastrophe vor Augen.“ Abschließend wies er darauf hin, dass im Übrigen 40 000 Arbeitsplätze allein in Thüringen am Wirtschaftsbereich Holz und der holzverarbeitende Industrie hängen.

Ein weiterer Beweis dafür, dass Förster und Waldbesitzer verantwortungsvoll mit dem Erbe Natur umgehen, sind ebenfalls die zahlreichen seltenen Tierarten, die erhalten und geschützt werden und die bei uns Heimat finden.

Am Ende der Veranstaltung informierten die Forstinspektion und das Forstamt über Gesetzlichkeiten und Neuerungen sowie über die aktuellen Holzpreise, die der ungebrochenen Nachfrage nach dem Rohstoff Holz Rechnung tragen. Auch, wenn es nicht dem allgemeinen Trend der Wirtschaft entspricht kostet der Raummeter Brennholz in Selbstwerbung nach wie vor 24€ und auch das Abmaß für den Raummeter hat sich nicht verändert. Man sieht: In der Natur gibt es keine Mogelpackungen!
Gisela Reinhardt
Autor: en

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 eichsfelder-nachrichten.de