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Es kam alles ganz anders...

Sonntag, 16. Juni 2013, 08:41 Uhr
Da haben drei Frauen im Eichsfeld einen kurzfristigen Spendenaufruf für die Flutopfer gestartet, eine Woche bis zur Erschöpfung gesammelt, koordiniert, organisiert - gestern konnte ein Konvoi mit Spenden für die Flutopfer auf die Reise gehen. Doch das ursprünglich anvisierte Ziel Grimma rückte in weite Ferne....

Tanja Roetger aus Bernterode und Kirstin Predatsch von der Initiative begleiteten den Transport und waren zwar erschöpft aber voller Freude, den Menschen in Grimma helfen zu können. Dort wurden sie erwartet. Das war der Stand bei der Abfahrt. Doch als der Konvoi vor Ort eintraf, war alles anders.

Tanja Roetger: "Wir sind Pünktlich gestartet und die Fahrt verlief im Konvoi super! Radio SAW hat jede Stunde die Positionen mitgeteilt! Bis dahin toll!Dann trifft man voller Erwartung in Grimma ein, steht vor einer riesigen Halle und wird zum zuständigen Koordinator verwiesen...."

Derjenige, der die Zusage gegeben hatte, die Spenden nach Grimma zu bringen, war nicht mehr aufzufinden. Der Empfang war alles andere als freundlich und was die Eichsfelder zu hören bekamen, möchten wir hier lieber nicht weitergeben. Fest stand, Grimma nahm nichts an von dem, was als Spenden auf den Transportern war. Es musste eine Lösung gefunden werden. Tanja Roetger und das gesamte Team gab nicht auf. Die Handys wurden herausgeholt und eine Umfrage gestartet, wo dringend was gebraucht wird.

Miriam Daniel Bauer in Leinefelde rief ihre Cousine an, die im betroffenen Gebiet wohnt. Tanja Roetger beschriebt, wie es weiterging: "Hier wurde sofort eine Annahme mit Kusshand garantiert. Von Grimma sind wir nach Osternienburg gefahren. Von dort aus sind wir von Jens Cordes zu einem Dorf mit dem Namen Zuchau geleitet worden. Schon auf der Fahrt in diesen wenigen Kilometern sah man Häuser, die noch immer unter Wasser stehen, Sandsäcke noch in den Fenstern und Türen. Ein Geruch in der Luft, der an ein Klärwerk erinnert. Vor Ort kam sodann auch sofort der Bürgermeister in Gummi-Schuhen und kurzen Hosen, mit einem Strahlen im Gesicht.

Innerhalb von einer Stunde wurde ein ganzes Dorf zur Entladung mobilisiert, mit der Zusage, dass ein warmes Essen und Kaffee sowie Getränke bereit stehen. Die Entladung, schnell und unkompliziert auf einem Abgelegenen Bauernhof, der eigens dazu überlassen wurde. Die Transporter konnten bis in die Halle gefahren werden, es bildeten sich Schlangen, um die Güter zu verteilen. Zur Entladung des LkW kam ein Transporter mit offener Ladefläche vorgefahren, Menschen kamen mit Handwagen und alle fassten mit zu. Hier haben Jung und Alt Hand in Hand zusammen gearbeitet!

Die einzelnen Schicksale bewegten uns zu Tränen! Jens Cordes erzählte uns: Mein Haus steht immer noch unter Wasser! 2002 habe ich in Grimma alles verloren, hier hoffte ich auf einen Neubeginn. Meine Mietwohnung habe ich gekündigt und mir ein Haus gebaut, das im September bezugsfertig sein sollte. Wir leben 15 km von der Saale entfernt, niemand hat damit gerechnet. Wir konnten nichts in Sicherheit bringen, alles ist verloren. Derzeit lebe ich bei meiner Tochter, diese hat gerade ihre eigenen vier Wände in einer Zwei-Raum Wohnung bezogen. Und dabei geht es uns noch gut! Viele Freunde leben noch immer in der Turnhalle. Das Wasser geht nur langsam zurück! Tränen rinnen über sein Gesicht! Ein Schicksal von vielen...

Auch der Bürgermeister kann noch nicht in sein Haus zurück, auch hier steht noch das Wasser!Das ganze Ausmaß kann noch nicht erfasst werden, aber die Schäden sind immens. Hier ist noch großer Bedarf und gerne würden wir weiter unterstützen! Das Eichsfeld und eine Patenschaft für Zuchau???

Gerne würden wir eine nächsten Transport organisieren! Zum nächsten Wochenende wird dringend Tiernahrung benötigt! Immer noch sind Tiere auf den Umliegenden Höfen vom Wasser eingeschlossen und müssen per Boot versorgt werden! In zwei Wochen sollen auch die ersten Häuser wieder begehbar sein. Dann werden solche Dingen wie Baumaterialien, Möbel, Waschmaschinen usw. dringend sein!

Der Transport - kein Problem, dieser ist bereits Organisiert! 20 Transporter stehen in zwei Wochen bereit! Und somit rufen wir erneut auf! Wer befüllt mit uns die Transporter?"

Diese Frage des engagierten Hilfstrupps geben wir gern an unsere Leser weiter. Und wenn bislang vielleicht auch noch kaum jemand im Eichsfeld von Zuchau gehört hat, bald werden viele darüber reden. Ein Dorf, das durch Eichsfelder Unterstützung erfahren hat in schweren Zeiten.
Ilka Kühn
Autor: en

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