125 und 25
Mittwoch, 26. Juni 2013, 14:01 Uhr
Zu den diesjährigen 21. Stormtagen in Heiligenstadt begeht das Literaturmuseum Theodor Storm seinen 25. Geburtstag, denn genau zu Theodor Storms 100. Todestag, am 4. Juli 1988, wurde es in Heiligenstadt unter großer Anteilnahme der Bevölkerung feierlich eröffnet. Ein Beitrag von Dr. Regina Fasold...
Dass dieses Haus heute noch besteht, verdanken wir der Stadt Heilbad Heiligenstadt und besonders dem Theodor-Storm-Verein, der unter der Leitung von Monika Potrykus vor fünf Jahren mutig die Trägerschaft übernahm.
Das Literaturmuseum, das 2005 eine neue Dauerausstellung mit dem thematischen Schwerpunkt auf Storms Heiligenstädter Jahren erhielt, beherbergt nicht nur eine Gedenk- und Forschungsstätte zu Theodor Storm, sondern das Veranstaltungsprogramm war stets auf die Literatur und Kunst im weiteren Sinne, mit einem Schwerpunkt auf dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, ausgerichtet. Das Sammlungskonzept, das von Beginn an sowohl die Literatur von und über Theodor Storm als auch künstlerische Arbeiten zu Storms Werken umfasste, bescherte den Literatur- und Kunstliebhabern in und um Heiligenstadt in den zurückliegenden Jahrzehnten eine Vielzahl von Ausstellungen, die vor allem erstklassige Illustrationskunst zeigte.
Diese Tradition, die die Sammlung des Museums mit künstlerischen Arbeiten bereicherte, deren Urheber zum Teil klangvolle Namen tragen, soll auch in Zukunft weiter gepflegt werden. Und genauso soll weiterhin der Stormforschung vor allem anlässlich dieses sommerlichen Festes für den Dichter ein Podium geboten werden, um ein zwangloses Begegnen zwischen Storm-Liebhabern und Literaturwissenschaftlern zu ermöglichen, die an diesen Tagen stets neueste Erkenntnisse zu Biographie und Werk dieses bedeutenden Dichters des Poetischen Realismus präsentieren.
In diesem Jahr werden Theodor Storms Märchen im Zentrum des wissenschaftlichen wie des künstlerischen Interesses stehen. Der Eröffnungsabend (5. Juli, 19.30 Uhr, Laurentiuskapelle des Landratsamtes) – musikalisch umrahmt von Sophia Lamprecht (Violine) und Karl-Heinz Moritz (Klavier) – beginnt mit Grußworten anlässlich des Jubiläums. So wird der Bürgermeister Thomas Spielmann sprechen, die Erste Beigeordnete der Stadt, Ute Althaus, sowie die Leiterin des Theodor Storm-Vereins, Monika Potrykus; auch der Präsident der internationalen Theodor-Storm-Gesellschaft, Prof. Dr. Heinrich Detering, hat sein Kommen zugesagt.
Danach wird Museumsleiterin Dr. Regina Fasold die neueste Ausgabe, den 17. Jahrgang der wissenschaftlichen Publikation Storm-Blätter aus Heiligenstadt, vorstellen und zugleich den langjährigen Förderern danken, voran die Stiftung der Kreissparkasse Eichsfeld.
Einem der bedeutendsten Kunstmärchen des Poetischen Realismus, Storms Bulemanns Haus, das in seiner Phantastik E. T. A. Hoffmann nachfolgt und 1863/64 in Heiligenstadt entstanden ist, gilt dann der Festvortrag, gehalten von Prof. Dr. Tatjana Jesch von der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Der Vortragstitel lautet Zur Psychologie des Schatzbildners in Theodor Storms Märchen ‚Bulemanns Haus‘.
Es ist ein Stormsches Märchen mit großer Aktualität, das die Referentin zum Thema gewählt hat, ein Märchen, in dem die raubtierhafte Geldgier und Hartherzigkeit des Bürgers Bulemann außer Kontrolle gerät und sich in Gestalt der ins Übermenschliche wachsenden Hauskatzen gegen ihn selbst richtet. Das Bürgerhaus, ursprünglicher Ort familiärer Geborgenheit und Mitmenschlichkeit, verwandelt sich in diesem Märchen aufgrund der hemmungslosen Gier und menschlichen Kälte zum Gespensterhaus.
Einen weiteren Höhepunkt der Stormtage in Heiligenstadt bildet die Eröffnung der Ausstellung BilderBücher – BuchBilder zu Theodor Storm. Gisela Mott-Dreizler in der Quetsche (Samstag, 6. Juli, 11 Uhr im Literaturmuseum). Gisela Mott-Dreizler, geb. 1941 in Riesa, präsentiert Bilder-Zyklen zu vier Märchen und einer Novelle Theodor Storms, zu Bulemanns Haus, Die Regentrude, Hinzelmeier, Der kleine Häwelmann und Pole Poppenspäler. Alle gezeigten Blätter sind Vorstudien bzw. Originalvorlagen (Grafiken, Zeichnungen, Aquarelle), die Eingang fanden in die in der Quetsche – das ist der von Reinhard Scheuble geleitete Verlag für Buchkunst in Witzwort – hergestellten herausragenden Künstlerbücher.
Mit einem davon, dem Pole Poppenspäler- Buch von 2002 errang Gisela Mott-Dreizler und die Quetsche den Storm-Preis der Stadt Husum. Zur Ausstellung erscheint ein vom Literaturmuseum Theodor Storm herausgegebener Katalog, der erstmals auch die neuesten Arbeiten Gisela Mott-Dreizlers zeigt, die Bilder zu dem Storm-Gedicht Meeresstrand und zu dem populären Kindermärchen Der kleine Häwelmann. Zur Ausstellungseröffnung werden die Illustratorin Gisela Mott-Dreizler und der Verlagsleiter Reinhard Scheuble im Gespräch mit Regina Fasold Einblicke in ihre Werkstatt gewähren. Der Gitarrist Boris Tautorat (Gitarre) begleitet musikalisch die Veranstaltung.
Am Samstagnachmittag (6. Juli, 15.00 Uhr, Literaturmuseum) geht nicht ein Stormforscher sondern ein Ägyptologe auf Spurensuche nach dem zentralen Motiv aus Theodor Storms sagenhaft-chronikalisch angelegtem Märchen Der Spiegel des Cyprianus, das gleichfalls bereits in Heiligenstadt konzipiert wurde. Den Stoff dazu lieferte eine Husumer Sage, die Storm einst aufgezeichnet und Karl Müllenhoff für seine Sammlung Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig Holstein und Lauenburg (Kiel 1845) zugetragen hatte. Tatsächlich aber hat Storm eine späte Version der altchristlichen Cyprianus-Legende gehört, deren Ursprünge ins 4. Jahrhundert n. Chr. zurückgehen. Prof. Dr. Tonio Sebastian Richter von der Universität Leipzig spricht zum Thema Cyprianus und seine Zauberbücher in Ägypten.
Nach dem Vortrag, der bei schönem Wetter bereits im Garten des Literaturmuseums stattfindet, sind alle Teilnehmer eingeladen, im Rosengarten oder im Veranstaltungskeller Kaffee und Kuchen zu genießen. Die Frauen des Theodor-Storm-Vereins sind mittlerweile viel bewunderte Backkünstlerinnen, die uns wieder mit ihren süßen Köstlichkeiten verwöhnen werden.
Der Samstagabend (6. Juli, 19.30 Uhr, Laurentiuskapelle des Landratsamtes, bei schönem Wetter im Museumsgarten) gehört ganz der Leipziger Sopranistin Ulrike Richter. Sie wird E. T. A. Hoffmanns Märchen Der goldene Topf (1813) zu einer besonders poetischen Aufführung bringen. Ulrike Richter liest eine gekürzte Fassung des Märchens und stellt dazu Szenerien im Papiertheater, eine Kunstform, die im bürgerlichen Salon des 19. Jahrhunderts sehr beliebt war. Die Lieder begleitet sie mit eigenen Adaptionen für die Hakenharfe. Die Scherenschnitte und farbigen Szenerien stammen von Paula Richter.
Am Sonntagmorgen (7. Juli, 10.00 Uhr, Literaturmuseum) wird eine ausgewiesene Märchenforscherin, Dr. Kathrin Pöge-Alder von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, sich Storms bedeutendstem Werk zuwenden, der 1888 entstandenen Novelle Der Schimmelreiter. Diese große realistische Erzählung ist durchdrungen von einer Vielzahl von Märchen- und Sagenmotiven, von Anklängen an nordische Mythen und volkstümliche Überlieferungen. Die Referentin wird in ihrem Vortrag mit dem Titel Motive populären Erzählens in Theodor Storms Novelle ‚Der Schimmelreiter‘ dem Ursprung und der Funktion dieser Motive, denen Storm zum Teil schon bei seinen frühen Märchensammlungen erstmals begegnet ist, im realistischen Handlungsverlauf nachspüren.
Ein heiter-geselliger Ausklang im Museumsgarten mit einem kleinen Picknick, für das die Herren des Storm-Vereins den Grill anwerfen, beendet dieses Sommerfest für Theodor Storm, an dem wir in diesem Jahr besonders seines 125. Todestages am 4. Juli gedenken werden.
Dr. Regina Fasold, Museumsleiterin
Autor: enDass dieses Haus heute noch besteht, verdanken wir der Stadt Heilbad Heiligenstadt und besonders dem Theodor-Storm-Verein, der unter der Leitung von Monika Potrykus vor fünf Jahren mutig die Trägerschaft übernahm.
Das Literaturmuseum, das 2005 eine neue Dauerausstellung mit dem thematischen Schwerpunkt auf Storms Heiligenstädter Jahren erhielt, beherbergt nicht nur eine Gedenk- und Forschungsstätte zu Theodor Storm, sondern das Veranstaltungsprogramm war stets auf die Literatur und Kunst im weiteren Sinne, mit einem Schwerpunkt auf dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, ausgerichtet. Das Sammlungskonzept, das von Beginn an sowohl die Literatur von und über Theodor Storm als auch künstlerische Arbeiten zu Storms Werken umfasste, bescherte den Literatur- und Kunstliebhabern in und um Heiligenstadt in den zurückliegenden Jahrzehnten eine Vielzahl von Ausstellungen, die vor allem erstklassige Illustrationskunst zeigte.
Diese Tradition, die die Sammlung des Museums mit künstlerischen Arbeiten bereicherte, deren Urheber zum Teil klangvolle Namen tragen, soll auch in Zukunft weiter gepflegt werden. Und genauso soll weiterhin der Stormforschung vor allem anlässlich dieses sommerlichen Festes für den Dichter ein Podium geboten werden, um ein zwangloses Begegnen zwischen Storm-Liebhabern und Literaturwissenschaftlern zu ermöglichen, die an diesen Tagen stets neueste Erkenntnisse zu Biographie und Werk dieses bedeutenden Dichters des Poetischen Realismus präsentieren.
In diesem Jahr werden Theodor Storms Märchen im Zentrum des wissenschaftlichen wie des künstlerischen Interesses stehen. Der Eröffnungsabend (5. Juli, 19.30 Uhr, Laurentiuskapelle des Landratsamtes) – musikalisch umrahmt von Sophia Lamprecht (Violine) und Karl-Heinz Moritz (Klavier) – beginnt mit Grußworten anlässlich des Jubiläums. So wird der Bürgermeister Thomas Spielmann sprechen, die Erste Beigeordnete der Stadt, Ute Althaus, sowie die Leiterin des Theodor Storm-Vereins, Monika Potrykus; auch der Präsident der internationalen Theodor-Storm-Gesellschaft, Prof. Dr. Heinrich Detering, hat sein Kommen zugesagt.
Danach wird Museumsleiterin Dr. Regina Fasold die neueste Ausgabe, den 17. Jahrgang der wissenschaftlichen Publikation Storm-Blätter aus Heiligenstadt, vorstellen und zugleich den langjährigen Förderern danken, voran die Stiftung der Kreissparkasse Eichsfeld.
Einem der bedeutendsten Kunstmärchen des Poetischen Realismus, Storms Bulemanns Haus, das in seiner Phantastik E. T. A. Hoffmann nachfolgt und 1863/64 in Heiligenstadt entstanden ist, gilt dann der Festvortrag, gehalten von Prof. Dr. Tatjana Jesch von der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Der Vortragstitel lautet Zur Psychologie des Schatzbildners in Theodor Storms Märchen ‚Bulemanns Haus‘.
Es ist ein Stormsches Märchen mit großer Aktualität, das die Referentin zum Thema gewählt hat, ein Märchen, in dem die raubtierhafte Geldgier und Hartherzigkeit des Bürgers Bulemann außer Kontrolle gerät und sich in Gestalt der ins Übermenschliche wachsenden Hauskatzen gegen ihn selbst richtet. Das Bürgerhaus, ursprünglicher Ort familiärer Geborgenheit und Mitmenschlichkeit, verwandelt sich in diesem Märchen aufgrund der hemmungslosen Gier und menschlichen Kälte zum Gespensterhaus.
Einen weiteren Höhepunkt der Stormtage in Heiligenstadt bildet die Eröffnung der Ausstellung BilderBücher – BuchBilder zu Theodor Storm. Gisela Mott-Dreizler in der Quetsche (Samstag, 6. Juli, 11 Uhr im Literaturmuseum). Gisela Mott-Dreizler, geb. 1941 in Riesa, präsentiert Bilder-Zyklen zu vier Märchen und einer Novelle Theodor Storms, zu Bulemanns Haus, Die Regentrude, Hinzelmeier, Der kleine Häwelmann und Pole Poppenspäler. Alle gezeigten Blätter sind Vorstudien bzw. Originalvorlagen (Grafiken, Zeichnungen, Aquarelle), die Eingang fanden in die in der Quetsche – das ist der von Reinhard Scheuble geleitete Verlag für Buchkunst in Witzwort – hergestellten herausragenden Künstlerbücher.
Mit einem davon, dem Pole Poppenspäler- Buch von 2002 errang Gisela Mott-Dreizler und die Quetsche den Storm-Preis der Stadt Husum. Zur Ausstellung erscheint ein vom Literaturmuseum Theodor Storm herausgegebener Katalog, der erstmals auch die neuesten Arbeiten Gisela Mott-Dreizlers zeigt, die Bilder zu dem Storm-Gedicht Meeresstrand und zu dem populären Kindermärchen Der kleine Häwelmann. Zur Ausstellungseröffnung werden die Illustratorin Gisela Mott-Dreizler und der Verlagsleiter Reinhard Scheuble im Gespräch mit Regina Fasold Einblicke in ihre Werkstatt gewähren. Der Gitarrist Boris Tautorat (Gitarre) begleitet musikalisch die Veranstaltung.
Am Samstagnachmittag (6. Juli, 15.00 Uhr, Literaturmuseum) geht nicht ein Stormforscher sondern ein Ägyptologe auf Spurensuche nach dem zentralen Motiv aus Theodor Storms sagenhaft-chronikalisch angelegtem Märchen Der Spiegel des Cyprianus, das gleichfalls bereits in Heiligenstadt konzipiert wurde. Den Stoff dazu lieferte eine Husumer Sage, die Storm einst aufgezeichnet und Karl Müllenhoff für seine Sammlung Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig Holstein und Lauenburg (Kiel 1845) zugetragen hatte. Tatsächlich aber hat Storm eine späte Version der altchristlichen Cyprianus-Legende gehört, deren Ursprünge ins 4. Jahrhundert n. Chr. zurückgehen. Prof. Dr. Tonio Sebastian Richter von der Universität Leipzig spricht zum Thema Cyprianus und seine Zauberbücher in Ägypten.
Nach dem Vortrag, der bei schönem Wetter bereits im Garten des Literaturmuseums stattfindet, sind alle Teilnehmer eingeladen, im Rosengarten oder im Veranstaltungskeller Kaffee und Kuchen zu genießen. Die Frauen des Theodor-Storm-Vereins sind mittlerweile viel bewunderte Backkünstlerinnen, die uns wieder mit ihren süßen Köstlichkeiten verwöhnen werden.
Der Samstagabend (6. Juli, 19.30 Uhr, Laurentiuskapelle des Landratsamtes, bei schönem Wetter im Museumsgarten) gehört ganz der Leipziger Sopranistin Ulrike Richter. Sie wird E. T. A. Hoffmanns Märchen Der goldene Topf (1813) zu einer besonders poetischen Aufführung bringen. Ulrike Richter liest eine gekürzte Fassung des Märchens und stellt dazu Szenerien im Papiertheater, eine Kunstform, die im bürgerlichen Salon des 19. Jahrhunderts sehr beliebt war. Die Lieder begleitet sie mit eigenen Adaptionen für die Hakenharfe. Die Scherenschnitte und farbigen Szenerien stammen von Paula Richter.
Am Sonntagmorgen (7. Juli, 10.00 Uhr, Literaturmuseum) wird eine ausgewiesene Märchenforscherin, Dr. Kathrin Pöge-Alder von der Friedrich-Schiller-Universität Jena, sich Storms bedeutendstem Werk zuwenden, der 1888 entstandenen Novelle Der Schimmelreiter. Diese große realistische Erzählung ist durchdrungen von einer Vielzahl von Märchen- und Sagenmotiven, von Anklängen an nordische Mythen und volkstümliche Überlieferungen. Die Referentin wird in ihrem Vortrag mit dem Titel Motive populären Erzählens in Theodor Storms Novelle ‚Der Schimmelreiter‘ dem Ursprung und der Funktion dieser Motive, denen Storm zum Teil schon bei seinen frühen Märchensammlungen erstmals begegnet ist, im realistischen Handlungsverlauf nachspüren.
Ein heiter-geselliger Ausklang im Museumsgarten mit einem kleinen Picknick, für das die Herren des Storm-Vereins den Grill anwerfen, beendet dieses Sommerfest für Theodor Storm, an dem wir in diesem Jahr besonders seines 125. Todestages am 4. Juli gedenken werden.
Dr. Regina Fasold, Museumsleiterin
