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Der Parkplatz-Statistiker

Mittwoch, 21. August 2013, 09:35 Uhr
Ehrenamtlich ist Martin Schmidt im Stadtwald von Heiligenstadt unterwegs. Er arbeitet für den Naturpark Eichsfeld, Hainich, Werratal und interessiert sich vor allen für Parkplätze. Aus welchem Grund hat Christine Bose herausgefunden...

Martin Schmidt (Foto: Christine Bose) Martin Schmidt (Foto: Christine Bose)

Erste Etappe des Parkplatzmonitoring ist für Ehrenamtler Martin Schmidt der Parkplatz am „Neun Brunnen“. Fotos: Christine Bose

Gewissenhaft notiert der mit Klemmbrett, Fragebogen und Stift ausgerüstete Mann auf dem Parkplatz des Erholungsparks „Neun Brunnen“ Datum, Uhrzeit, Wetter (es ist ein sonniger Wochentag), Anzahl der parkenden Fahrzeuge und die ersten Buchstaben der Kennzeichen. T-Shirt, vor allem aber der Dienstausweis besagen: Martin Schmidt aus Heiligenstadt ist ehrenamtlicher Mitarbeiter der Naturparkverwaltung Fürstenhagen und Betreuer des „Parkplatzmonitoring Heiligenstädter Stadtwald“.

Als der Pädagoge 2007 in den Ruhestand ging, ließ er sich als Naturparkführer ausbilden. Zu seinen vielfältigen Tätigkeiten gehören neben der Leitung von Wanderungen oder der Hilfe für das Naturparkteam bei Veranstaltungen diese regelmäßigen statistischen Erfassungen. Auf festgelegten Routen unterstützen Ehrenamtler die hauptamtlichen Mitarbeiter.

Martin Schmidt ist von Januar bis Dezember immer auf der selben Strecke an acht bis neun Tagen im Monat unterwegs. Im Wechsel vormittags oder nachmittags, donnerstags und sonntags oder dienstags und samstags, kann er mit amtlicher Erlaubnis die Waldwege befahren. Im Urlaub vertritt ihn ein Freund. Dienstbeginn ist um 10 Uhr.

„Um 7 Uhr treffen sie im Wald Fußgänger mit Hund“, erklärt er. Wollen Parkplatznutzer wissen, warum er ihr Autokennzeichen notiert, erfahren sie von ihm, wie Parkplatzmonitoring funktioniert: Das gesamte Kennzeichen aufzuschreiben ist verboten, erfasst werden dürfen – siehe oben – die Buchstaben für die Region, bei ausländischen Fahrzeugen das Land. Weil er nicht weiß, wie viele Personen mit den jetzt parkenden Autos gekommen sind, gilt die Formel „Zwei Komma Vier mal Drei pro Fahrzeug“.

Martin Schmidt (Foto: Christine Bose) Martin Schmidt (Foto: Christine Bose)

Regelmäßig übergibt Martin Schmidt (rechts) in der Naturparkverwaltung Fürstenhagen die Ergebnisse seiner Parkplatzrecherchen an Uwe Müller. Der Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit leitet sie an das zuständige Thüringer Ministerium weiter.

Busfahrer fragt Martin Schmidt nach der Anzahl der Fahrgäste und ob Ziele im Naturpark geplant angesteuert werden oder hier nur mal eine Pause vorgesehen ist. Die Zahlen und Fakten werden in der Naturparkverwaltung gesammelt und am Jahresende an das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz gemeldet. „Für das Beantragen finanzieller Mittel, z. B. für Umweltbildung, Bau und Erhalt touristischer Infopunkte können sie eine Argumentationsgrundlage bilden“, so Schmidt.

Ein LKW mit UH-Kennzeichen nähert sich mit einer Lebensmittelfracht, wird aber nicht aufgeschrieben. „Keine LKW, keine Versorgungsfahrzeuge“, lautet die Regel. Am Punkt 2, dem Waldparkplatz „Klöppelsklus“, ist es noch ziemlich ruhig. Der Parkplatz trägt diesen Namen, weil er Ausgangsort für die Wanderung zur Klus ist. Direkt bis dorthin dürfen per PKW nur Menschen mit schweren Gehbehinderungen und entsprechendem Ausweis sowie Rollstuhlfahrer gelangen. Mehr Betrieb herrscht am „Forsthaus Kellner“, dem dritten und letzten Punkt.

Vorschriftsmäßig klemmt der Ehrenamtler angesichts eines PKW mit Kasseler Kennzeichen Schriftliches hinter den Scheibenwischer. Der Titel „Lassen Sie sich entführen“ ist keine kriminelle Drohung, sondern die freundliche Aufforderung, die das Jahresprogramm des Naturparks Eichsfeld - Hainich - Werratal zum Inhalt hat. Alle „Nicht-Eichsfelder“ bekommen die „gesteckt“.

Die Runde ist beendet, es geht nach Hause. Aber warum lässt er das Auto auf dem Parkplatz in der Kurve Richtung Holzweg einfach links liegen? Weil das keiner ist, obwohl manche Leute das annehmen, sondern ein Holzlagerplatz. Die im Wald geschlagenen Bäume werden für den Abtransport zwischengelagert. Sonntags muss Frau Schmidt manchmal mit dem Mittagessen warten. „Da ist richtig was los auf meiner Strecke“, weiß der Ehrenamtler. Seit zehn Jahren gibt es bundesweit das Projekt „Ehrensache Natur – Freiwillige in Parks“ von EUROPARC Deutschland, dem Dachverband der nationalen Naturlandschaften. Martin Schmidt gehört dazu.

Das Freiwilligenprogramm in den Nationalen Naturlandschaften – den Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservaten in Deutschland – feiert 2013 sein zehnjähriges Jubiläum unter dem Motto „10 Jahre Ehrensache Natur – ich pack‘ mit an!“. Monatliche Aktionen des Trägers EUROPARC Deutschland e.V. mit Projektpartnern und Unterstützern zeigen übers Jahr beispielhaft die vielen Facetten von “Ehrensache Natur”.
Christine Bose



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