Thüringer Ärzte kommen "gut weg"...
Freitag, 04. Juli 2014, 12:28 Uhr
Thüringens niedergelassene Ärzte sind im deutschlandweiten Vergleich überdurchschnittlich engagiert und innovativ. Das geht aus dem Ärztemonitor 2014 hervor, den das Institut für angewandte Sozialwissenschaften (infas) im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands erstellt und heute präsentiert hat...
Demnach arbeiten die niedergelassenen Ärzte in Thüringen mehr als im Bundesdurchschnitt und absolvieren mehr Hausbesuche. Außerdem sind sie aktiver, wenn es darum geht, beim Erreichen des Ruhestandes einen Praxisnachfolger zu finden.
Stärker als ihre Kollegen in anderen deutschen Bundesländern nutzen sie aber auch die innovative Möglichkeiten, einfache Tätigkeiten in der Praxis oder bei Hausbesuchen Mitarbeitern zu übertragen, wie speziell ausgebildeten Praxisassistentinnen oder -assistenten.
Laut der infas-Umfrage behandeln niedergelassene Ärzte in Thüringen am Tag 47 Patienten, Hausärzte sogar 58. Der bundesweite Schnitt liegt bei rund 40 Patienten. Pro Woche arbeiten Thüringens Ärzte rund 55 Stunden. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 52,5.
Bei Hausbesuchen liegen Thüringens Ärzte mit durchschnittlich vier Stunden pro Woche deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 2,8 Stunden. Für Verwaltungsaufgaben benötigen Thüringens Ärzte pro Woche knapp acht Stunden, was in etwa im Bundesschnitt liegt. Kaum Unterschiede gibt es hier zwischen Ärzten, die in eigener Praxis arbeiten, und solchen, die in MVZ angestellt sind. Auch MVZ-Ärzte
brauchen 7,5 Stunden pro Woche für Verwaltungsaufgaben.
Praxisnachfolge
Der Altersdurchschnitt der Thüringer Ärzte liegt laut Ärztemonitor mit 53,4 Jahren exakt im Bundesdurchschnitt. Daher plant auch etwa jeder vierte Arzt, in den nächsten fünf Jahren seine Praxis abzugeben. Die Frage der Praxisnachfolge empfinden die Thüringer Ärzte mehrheitlich als schwierig. 64 Prozent der betroffenen Ärzte suchen selbst aktiv nach einem Nachfolger. Im Bundesdurchschnitt tun das nur 48 Prozent.
Übertragung von Aufgaben
Mehr als die Hälfte der niedergelassenen Ärzte in Thüringen (54%, bei Hausärzten sogar 69%) nutzen Möglichkeiten, nicht-ärztliche Leistungen, wie Medikations- und Wundmanagement an Praxisassistentinnen oder -assistenten zu übertragen. Das liegt weit über dem Bundesdurchschnitt von 41 Prozent. Auch mit Hausbesuchen, bei denen nicht-ärztliche Leistungen anfallen, werden in Thüringen deutlich häufiger Praxisassistenten betraut als in anderen Bundesländern.
Kassen- und Privatpatienten
Patienten der Gesetzlichen Krankenversicherungen bilden bei Thüringens niedergelassenen Ärzte nach wie vor die deutliche Mehrheit. Mit der Behandlung von Privatpatienten sowie dem Angebot Individueller
Gesundheitsleistungen (IGeL) werden lediglich 9,6% des Umsatzes erzielt. Das liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt von 17,2%.
Zufriedenheit mit der Arbeit
Trotz hohen Aufwands sind laut Ärztemonitor neun von zehn Thüringer Ärzte mit ihrer Arbeit zufrieden. 94 Prozent sagen sogar: Meine Arbeit macht mir Spaß. Damit liegen Thüringens Ärzte im Bundesdurchschnitt. Sorgen macht sich rund jeder zweite niedergelassene Arzt in Thüringen um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Über 70 Prozent bemängeln fehlende finanzielle Planungssicherheit, fast 80 Prozent den Umstand, dass die Praxis ihre einst selbstverständliche Funktion als Teil der Alterssicherung verloren hat.
Engagement der Ärzte stärker würdigen
Die 1. Vorsitzende des Vorstandes der KV Thüringen, Dr. med. Annette Rommel, wünscht sich angesichts dieser Zahlen, dass das Engagement der Thüringer Ärzte stärker gewürdigt wird. Rommel sagte: Der Ärztemonitor zeigt, dass sich die niedergelassenen Ärzte in Thüringen trotz schwieriger Rahmenbedingungen außerordentlich engagieren, um die ambulante medizinische Versorgung im Land sicherzustellen. Entgegen mancher Klischees denken sie dabei nicht vordergründig an sich, sondern vor allem an das Wohl ihrer Patienten. Ich würde mir wünschen, dass Politik und Gesellschaft sie dabei stärker unterstützen.
Rommel verwies auf Möglichkeiten der Landes- und
Kommunalpolitik, Ärzte bei der Niederlassung behilflich zu sein. Lobend erwähnte sie in diesem Zusammenhang das Anfang des Monats in Kraft gesetzte Förderprogramm für niederlassungswillige Ärzte sowie Initiativen einiger Thüringer Kommunen, wie z. B. im Landkreis Gotha.
Mit Blick auf die die aktuelle Diskussion um Wartezeiten sagte Rommel: Die hohe Patientenzahl und lange Arbeitszeit zeigen, dass die niedergelassenen Ärzte in Thüringen hier alles ihnen mögliche für ihre Patienten tun.
Autor: redDemnach arbeiten die niedergelassenen Ärzte in Thüringen mehr als im Bundesdurchschnitt und absolvieren mehr Hausbesuche. Außerdem sind sie aktiver, wenn es darum geht, beim Erreichen des Ruhestandes einen Praxisnachfolger zu finden.
Stärker als ihre Kollegen in anderen deutschen Bundesländern nutzen sie aber auch die innovative Möglichkeiten, einfache Tätigkeiten in der Praxis oder bei Hausbesuchen Mitarbeitern zu übertragen, wie speziell ausgebildeten Praxisassistentinnen oder -assistenten.
Ausgewählte Angaben:
Behandelte Patienten, Zeit für Behandlung und VerwaltungLaut der infas-Umfrage behandeln niedergelassene Ärzte in Thüringen am Tag 47 Patienten, Hausärzte sogar 58. Der bundesweite Schnitt liegt bei rund 40 Patienten. Pro Woche arbeiten Thüringens Ärzte rund 55 Stunden. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 52,5.
Bei Hausbesuchen liegen Thüringens Ärzte mit durchschnittlich vier Stunden pro Woche deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 2,8 Stunden. Für Verwaltungsaufgaben benötigen Thüringens Ärzte pro Woche knapp acht Stunden, was in etwa im Bundesschnitt liegt. Kaum Unterschiede gibt es hier zwischen Ärzten, die in eigener Praxis arbeiten, und solchen, die in MVZ angestellt sind. Auch MVZ-Ärzte
brauchen 7,5 Stunden pro Woche für Verwaltungsaufgaben.
Praxisnachfolge
Der Altersdurchschnitt der Thüringer Ärzte liegt laut Ärztemonitor mit 53,4 Jahren exakt im Bundesdurchschnitt. Daher plant auch etwa jeder vierte Arzt, in den nächsten fünf Jahren seine Praxis abzugeben. Die Frage der Praxisnachfolge empfinden die Thüringer Ärzte mehrheitlich als schwierig. 64 Prozent der betroffenen Ärzte suchen selbst aktiv nach einem Nachfolger. Im Bundesdurchschnitt tun das nur 48 Prozent.
Übertragung von Aufgaben
Mehr als die Hälfte der niedergelassenen Ärzte in Thüringen (54%, bei Hausärzten sogar 69%) nutzen Möglichkeiten, nicht-ärztliche Leistungen, wie Medikations- und Wundmanagement an Praxisassistentinnen oder -assistenten zu übertragen. Das liegt weit über dem Bundesdurchschnitt von 41 Prozent. Auch mit Hausbesuchen, bei denen nicht-ärztliche Leistungen anfallen, werden in Thüringen deutlich häufiger Praxisassistenten betraut als in anderen Bundesländern.
Kassen- und Privatpatienten
Patienten der Gesetzlichen Krankenversicherungen bilden bei Thüringens niedergelassenen Ärzte nach wie vor die deutliche Mehrheit. Mit der Behandlung von Privatpatienten sowie dem Angebot Individueller
Gesundheitsleistungen (IGeL) werden lediglich 9,6% des Umsatzes erzielt. Das liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt von 17,2%.
Zufriedenheit mit der Arbeit
Trotz hohen Aufwands sind laut Ärztemonitor neun von zehn Thüringer Ärzte mit ihrer Arbeit zufrieden. 94 Prozent sagen sogar: Meine Arbeit macht mir Spaß. Damit liegen Thüringens Ärzte im Bundesdurchschnitt. Sorgen macht sich rund jeder zweite niedergelassene Arzt in Thüringen um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Über 70 Prozent bemängeln fehlende finanzielle Planungssicherheit, fast 80 Prozent den Umstand, dass die Praxis ihre einst selbstverständliche Funktion als Teil der Alterssicherung verloren hat.
Engagement der Ärzte stärker würdigen
Die 1. Vorsitzende des Vorstandes der KV Thüringen, Dr. med. Annette Rommel, wünscht sich angesichts dieser Zahlen, dass das Engagement der Thüringer Ärzte stärker gewürdigt wird. Rommel sagte: Der Ärztemonitor zeigt, dass sich die niedergelassenen Ärzte in Thüringen trotz schwieriger Rahmenbedingungen außerordentlich engagieren, um die ambulante medizinische Versorgung im Land sicherzustellen. Entgegen mancher Klischees denken sie dabei nicht vordergründig an sich, sondern vor allem an das Wohl ihrer Patienten. Ich würde mir wünschen, dass Politik und Gesellschaft sie dabei stärker unterstützen.
Rommel verwies auf Möglichkeiten der Landes- und
Kommunalpolitik, Ärzte bei der Niederlassung behilflich zu sein. Lobend erwähnte sie in diesem Zusammenhang das Anfang des Monats in Kraft gesetzte Förderprogramm für niederlassungswillige Ärzte sowie Initiativen einiger Thüringer Kommunen, wie z. B. im Landkreis Gotha.
Mit Blick auf die die aktuelle Diskussion um Wartezeiten sagte Rommel: Die hohe Patientenzahl und lange Arbeitszeit zeigen, dass die niedergelassenen Ärzte in Thüringen hier alles ihnen mögliche für ihre Patienten tun.
