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In zwei Stunden durch Thüringen

Mittwoch, 30. Juli 2014, 09:53 Uhr
Ganz langsam tastet sich Hans-Reinhard Hupe aus Kefferhausen an der mächtigen Wartburg entlang, um sich einen Überblick über die einzelnen Gebäude zu verschaffen....

Ertasten des Wartburg-Modells (Foto: Silke Senge) Ertasten des Wartburg-Modells (Foto: Silke Senge)

Der Mann ist blind und befindet sich nicht am Originalschauplatz in Eisenach. Er steht an einem Modell, das im Maßstab 1:25 originalgetreu nachgebaut wurde und im „mini-a-thür“ in Ruhla gezeigt wird.

Auf einer Fläche von über 18 000 Quadratmeter können dort Besucher über einhundert Modelle von Thüringens Sehenswürdigkeiten bestaunen. Und viele von ihnen stehen so in dem parkähnlichen Gelände, dass Blinde und Sehbehinderte bequem herantreten und die Modelle ertasten können.

Silke Senge, Leiterin der überregionalen Beratungsstelle Heiligenstadt des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Thüringen begleitete Hans-Reinhard Hupe auf dem besonderen Streifzug durch Thüringen, führte ihn an die Modelle heran und las ihm die Informationen von den Hinweistafeln, die er ja selbst nicht lesen konnte, vor.

Immer wieder wurde sie nach bestimmten Einzelheiten gefragt. So wollte er wissen, wo denn der Eingang der Burg Hanstein sei. Und selbst der Neidkopf, der im Original in Richtung Burg Ludwigstein zeigt, war auf dem Modell zu finden. Es gab aber noch weitere Modelle aus dem Eichsfeld zu bestaunen: die Wallfahrtskirche Etzelsbach.

Die beiden Bronzeplatten, die Johannes Paul II. und Benedikt XVI. zeigen und an der Fassade der Kirche angebracht sind, konnte der Kefferhäuser ebenfalls ertasten. Auch die Unstrut-Quelle, dessen Modell im Jahr 2013 gebaut wurde, ist im Miniaturenpark zu sehen. Ein Muss für den Kefferhäuser, befindet sich das Original doch unweit seines Heimatortes.

Am Modell des Meininger Theater bewunderte er die riesigen fünf Säulen, die sich an dessen Hauptportal befinden. Bis in die Turmspitze erfühlte Hans-Reinhard Hupe das Rathaus von Treffurt mit seinen Händen, um sich ein Bild von dem wunderschönen Fachwerkbau zu machen.

Rathaus (Foto: Silke Senge) Rathaus (Foto: Silke Senge)

Hans-Reinhard Hupe (li) ertastet das Rathaus von Treffurt, im Hintergrund Herbert Rhode aus Heiligenstadt

Neben Hans-Reinhard Hupe hatten sich noch weitere Mitglieder des Eichsfelder Blindenverbandes für eine Tagestour in den Thüringer Wald mit Besuch des „mini-a-thür“ entschieden, unter ihnen auch Herbert Rhode aus Heiligenstadt, der ebenfalls den Ausführungen von Silke Senge lauschte.

Zwei Stunden dauerte der Spaziergang durch Thüringen. Am Ende konnten sich Blinde und Sehbehinderte aus dem Eichsfeld nicht nur ein Bild von Sehenswürdigkeiten des Eichsfeldes, sondern von ganz Thüringen, wie dem Burschenschaftsdenkmal, der Erfurter Staatskanzlei oder der Wartburg machen.

Abschließend erfolgte noch ein Informationsbesuch der AURA-Pension Haus „Grünes Herz“ in Georgenthal, in der Blinde und Sehbehinderte Urlaub machen können. Und im Gewerbegebiet Ohrdruf machte die Gruppe aus dem Eichsfeld beim Werksverkauf von zwei großen Firmen halt.

Autor: en

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