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Papst Franziskus Aufruf an Schönstatt-Bewegung

Sonntag, 26. Oktober 2014, 10:56 Uhr
Papst Franziskus hat die internationale Schönstatt-Bewegung dazu aufgerufen, eine „Kultur der Begegnung“ zu prägen: „Heute erleben wir immer gravierendere Auseinandersetzungen, ein Auseinanderfallen in der Familie, in der Gesellschaft, auch in der Verkündigung.“...

In einer Zeit, in der menschliche Bindungen zerstört würden, müssten Beziehungen neu geknüpft und Bindungen geschaffen werden. „Wir müssen arbeiten an einer Kultur der Begegnung“, sagte der Heilige Vater vor rund 8000 Menschen in einer Privataudienz am Wochenende im Vatikan anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der katholischen Bewegung.

Franziskus forderte die Gemeinschaften Schönstatts dazu auf, stärker missionarisch zu wirken: „Eine Kirche, die nicht aus sich herausgeht, ist eine komische Kirche. Eine Bewegung, die verschlossen ist in sich selbst, wird krank.“ Der Heilige Vater warnte davor, sich um sich selbst zu drehen: „Wir gehen hinaus, um etwas zu geben, und nicht um uns um uns selbst zu drehen“, sagte der Papst. Dabei betonte der Heilige Vater auch die Rolle Marias für die Neuevangelisierung: „Soweit wir Jesus auch kennen mögen: Niemand kann sagen, dass er so reif ist, auf Maria zu verzichten. Niemand kann auf seine Mutter verzichten“, sagte der Papst. Christen seien keine Waisen, sondern hätten eine Mutter, die im Glauben erziehe und begleite.

Jugendliche sollen attraktives Zeugnis für Glauben geben

Die Jugendlichen der Schönstatt-Bewegung forderte der Heilige Vater auf, ein „attraktives“ Zeugnis für den christlichen Glauben zu geben. Dabei erinnerte Franziskus an eine Aussage des emeritierten deutschen Papstes Benedikt XVI. „Die Kirche wächst nicht durch Proselytismus, sondern durch Anziehung. Anziehung entsteht durch Zeugnis. Gebt Zeugnis!“, sagte Franziskus. Gleichzeitig mahnte der Papst davor, in den missionarischen Anstrengungen zu ermüden. Dahinter stehe oftmals Egoismus und Bequemlichkeit.

In der rund zwei Stunden dauernden Begegnung mit Pilgern aus über 50 Ländern sprach der Heilige Vater auch über die Krise von christlicher Familie und Ehe. „Ich denke, dass die christliche Familie, die Ehe, noch nie so angegriffen wurde wie heute.“ Die heutige Gesellschaft gefährde mit ihrer „Kultur des Provisorischen“ das Eheverständnis und die Existenz der Familie überhaupt. Das Ehesakrament sei immer stärker entwertet und auf ein Versprechen oder Lebensstatus reduziert worden. „Soziales überlagert das Hauptsächliche: Die Einheit mit Gott.“ Es sei deshalb wichtig, sich wieder darüber bewusst zu werden, was man in einer Ehe überhaupt tue. Zugleich mahnte er konkrete Hilfe „von Mensch zu Mensch“ an. Man müsse die Menschen begleiten – dabei „Zeit verlieren“. Jesus Christus sei „der Meister des Zeitverlierens“ gewesen. Diese tiefe Begegnung von Mensch zu Mensch sei Schlüssel zu vielen Problemen.

Die katholische Schönstatt-Bewegung feiert 2014 ihr 100-jähriges Bestehen. Höhepunkt und Abschluss bildet eine internationale Jubiläumswallfahrt nach Schönstatt und Rom. Am Ursprungsort, wo Schönstatt am 18. Oktober 1914 gegründet wurde, dankte die Bewegung für das gnadenhafte Wirken der Gottesmutter in den letzten 100 Jahren. 10.000 Pilger aus aller Welt erneuerten am Wallfahrtsort ihr Liebesbündnis, den Kern der Spiritualität Schönstatts.

Mit dem zweiten Wallfahrtsteil nach Rom ins „Herz der Kirche“ soll zum Ausdruck gebracht werden, dass sich Schönstatt mit seinem Charisma der Kirche neu schenken und zur Verfügung stellen möchte. Schönstatt erbittet sich außerdem Impulse für das nächste Jahrhundert. Nach der Audienz mit dem Heiligen Vater am 25. Oktober bildet die Aussendungsmesse am 26. Oktober mit Kardinal Javier Francisco Errázuriz Ossa einen Höhepunkt. Errázuriz gehört dem Kardinalsrat zur Reform der Kurie an.

Der Begegnung mit dem Heiligen Vater war ein Treffen mit Repräsentanten unterschiedlicher christlicher Gemeinschaften und Orden, darunter die Pallottiner, vorangegangen. Bereits am Freitagabend waren über 1000 Menschen vom Grab des Heiligen Vinzenz Pallottis bis zum Petersplatz gepilgert. Vinzenz Pallotti, Gründer der Gemeinschaft der Pallottiner, der auch der Gründer der Schönstatt-Bewegung, Pater Josef Kentenich, angehörte, war einer der großen Vorbilder Pater Kentenichs.

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