Forum: Blockupy und die Gewalt
Donnerstag, 19. März 2015, 12:24 Uhr
Gestern eskalierten in Frankfurt / Main Auseinandersetzungen zwischen tausenden Kritikern des Bankenkapitalismus und der Polizei. Es gab zahlreiche Verletzte. Die Gewalt wird flächendeckend verurteilt. Dennoch...
Dennoch bleiben einige Wermutstropfen zu verlieren: Jeder weiß, dass Gewalt nur neue Probleme schafft, statt alte zu lösen. Wer die in den Medien dargestellte unmittelbare körperliche Gewalt der Blockupy-Anhänger jedoch verurteilt, der sollte fairerweise die mittelbare Gewalt des ausufernden (Banken)kapitalismus verurteilen. Eine Gewalt, die im Gegensatz zu den gestrigen Krawallen nur selten von Kameras eingefangen wird.
Da wäre zum Beispiel das Eingeständnis der Weltbank zu nennen, die kürzlich einräumen musste, dass ihre Investitionen in Entwicklungsländern nicht selten mit Vertreibungen indigener Völker verbunden ist, also mit einer Form von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen gegen ganze Völker.
Da wäre aber auch die Zerstörung der Existenz von Millionen Namenlosen durch die Bonisucht smarter Banker. Was ist mit den Suiziden, die sie provozierten?
Und dann wäre da noch die direkte Gewalt:
Die Gewalt der Amerikaner gegen Unschuldige weltweit zum Beispiel, wenn sie bei Drohnenangriffen gegen den Terror Frauen und Kinder töten oder in Guantanamo Bay hunderte Personen ohne Gerichtsurteil festhalten. Was ist mit ihren Foltergefängnissen im Irak, in dem die Wurzeln des IS liegen?
Was mit dem Westen, der sich einseitig gegen Putin aufspielt, als hätte er in Vietnam, in Libyen, in Grenada, auf den Falklands, in Nikaragua, in Afghanistan und sonstwo in der Welt noch nie ein Wässerchen trüben können. Alles zum Wohle der Freiheit versteht sich.
Dass sich die von ihm verübte Gewalt gegen Menschen und gegen deren Existenzgrundlagen irgendwann in Widerständen äußert, ist natürlich und beängstigend.
Dabei Gewalt anzuwenden, verbietet sich. Die Augen vor einigen Botschaften zu verschließen, die die Demonstranten ihnen mitteilen wollen, aber auch.
Blockupy und Pegida sind Phänomene, die z.T. auf grundlegende Schwächen unseres Systems hinweisen. Auf fehlende Konzepte gegen die angesichts des Klimawandels drohenden Millionen Flüchtlinge beispielsweise.
Der Westen schädigt sich selbst, wenn er manche der von derartigen Bewegungen vorgebrachte Botschaften nicht ernst nimmt. Oder auch jene von anerkannten Persönlichkeiten wie Kofy Annan, Hans-Dietrich Genscher, Horst Teltschik, Michael Gorbatschow, Baron von Uexkuell, Peter Scholl-Latour und anderen zu den eben genannten Themenkomplexen, denen sich die Medien gern verschließen. Diese Ignoranz kannten wir doch aus der DDR?
Noch einmal zu Blockupy und Pegida: Jesus würde kotzen, schrieben frühere DDR-Bürgerrechtler Pegida ins Stammbuch. Nur wenige Zeitungen aber druckten die antikapitalistischen Teile des Aufrufs. Darin bringen sie nämlich ihre Enttäuschung über jene Art des Kapitalismus zum Ausdruck, den wir nach 1989 bekommen haben und den sie damals wie heute aus tiefstem Bewusstsein ablehnten; nicht die Privatwirtschaft der kleinen Leute versteht sich, sondern den rücksichtslosen, weltweit zerstörerischen Kapitalismus und Neoliberalismus:
Zusehen wollt ihr wenn die Elenden
Der Welt an neuen Mauern sterben
An euren Mauern
Oder ihr dreht euch weg
Um in Ruhe Gänsebraten zu fressen
Und Weihnachtslieder zu singen
Jesus hätte gekotzt hätte er euch getroffen
Habt ihr euch nie gefragt:
Wer liefert die Waffen für die Bürgerkriege, die die Menschen vertreiben
Wer hat der Welt den Neoliberalismus aufgezwungen
Der sie in Ungleichheit Armut Not treibt
Bei uns und im Süden der Erde
Und wer hat die Klimakatastrophen produziert
Die den Sahel zur Hölle machen
Es ist das System das ihr nicht schnell genug bekommen konntet
Dem ihr den '89er Versuch geopfert habt
Den Versuch einer alternativen Demokratie
Einer freiheitlichen solidarischen ökologischen
Doch ihr sprecht nicht über dieses System
Über Kapitalismus seine Gemeinheiten über Interessen
Dafür protestiert ihr gegen die Schwachen
An die Mächtigen traut ihr euch nicht heran
Feiglinge
Bodo Schwarzberg
Dennoch bleiben einige Wermutstropfen zu verlieren: Jeder weiß, dass Gewalt nur neue Probleme schafft, statt alte zu lösen. Wer die in den Medien dargestellte unmittelbare körperliche Gewalt der Blockupy-Anhänger jedoch verurteilt, der sollte fairerweise die mittelbare Gewalt des ausufernden (Banken)kapitalismus verurteilen. Eine Gewalt, die im Gegensatz zu den gestrigen Krawallen nur selten von Kameras eingefangen wird.
Da wäre zum Beispiel das Eingeständnis der Weltbank zu nennen, die kürzlich einräumen musste, dass ihre Investitionen in Entwicklungsländern nicht selten mit Vertreibungen indigener Völker verbunden ist, also mit einer Form von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen gegen ganze Völker.
Da wäre aber auch die Zerstörung der Existenz von Millionen Namenlosen durch die Bonisucht smarter Banker. Was ist mit den Suiziden, die sie provozierten?
Und dann wäre da noch die direkte Gewalt:
Die Gewalt der Amerikaner gegen Unschuldige weltweit zum Beispiel, wenn sie bei Drohnenangriffen gegen den Terror Frauen und Kinder töten oder in Guantanamo Bay hunderte Personen ohne Gerichtsurteil festhalten. Was ist mit ihren Foltergefängnissen im Irak, in dem die Wurzeln des IS liegen?
Was mit dem Westen, der sich einseitig gegen Putin aufspielt, als hätte er in Vietnam, in Libyen, in Grenada, auf den Falklands, in Nikaragua, in Afghanistan und sonstwo in der Welt noch nie ein Wässerchen trüben können. Alles zum Wohle der Freiheit versteht sich.
Dass sich die von ihm verübte Gewalt gegen Menschen und gegen deren Existenzgrundlagen irgendwann in Widerständen äußert, ist natürlich und beängstigend.
Dabei Gewalt anzuwenden, verbietet sich. Die Augen vor einigen Botschaften zu verschließen, die die Demonstranten ihnen mitteilen wollen, aber auch.
Blockupy und Pegida sind Phänomene, die z.T. auf grundlegende Schwächen unseres Systems hinweisen. Auf fehlende Konzepte gegen die angesichts des Klimawandels drohenden Millionen Flüchtlinge beispielsweise.
Der Westen schädigt sich selbst, wenn er manche der von derartigen Bewegungen vorgebrachte Botschaften nicht ernst nimmt. Oder auch jene von anerkannten Persönlichkeiten wie Kofy Annan, Hans-Dietrich Genscher, Horst Teltschik, Michael Gorbatschow, Baron von Uexkuell, Peter Scholl-Latour und anderen zu den eben genannten Themenkomplexen, denen sich die Medien gern verschließen. Diese Ignoranz kannten wir doch aus der DDR?
Noch einmal zu Blockupy und Pegida: Jesus würde kotzen, schrieben frühere DDR-Bürgerrechtler Pegida ins Stammbuch. Nur wenige Zeitungen aber druckten die antikapitalistischen Teile des Aufrufs. Darin bringen sie nämlich ihre Enttäuschung über jene Art des Kapitalismus zum Ausdruck, den wir nach 1989 bekommen haben und den sie damals wie heute aus tiefstem Bewusstsein ablehnten; nicht die Privatwirtschaft der kleinen Leute versteht sich, sondern den rücksichtslosen, weltweit zerstörerischen Kapitalismus und Neoliberalismus:
Zusehen wollt ihr wenn die Elenden
Der Welt an neuen Mauern sterben
An euren Mauern
Oder ihr dreht euch weg
Um in Ruhe Gänsebraten zu fressen
Und Weihnachtslieder zu singen
Jesus hätte gekotzt hätte er euch getroffen
Habt ihr euch nie gefragt:
Wer liefert die Waffen für die Bürgerkriege, die die Menschen vertreiben
Wer hat der Welt den Neoliberalismus aufgezwungen
Der sie in Ungleichheit Armut Not treibt
Bei uns und im Süden der Erde
Und wer hat die Klimakatastrophen produziert
Die den Sahel zur Hölle machen
Es ist das System das ihr nicht schnell genug bekommen konntet
Dem ihr den '89er Versuch geopfert habt
Den Versuch einer alternativen Demokratie
Einer freiheitlichen solidarischen ökologischen
Doch ihr sprecht nicht über dieses System
Über Kapitalismus seine Gemeinheiten über Interessen
Dafür protestiert ihr gegen die Schwachen
An die Mächtigen traut ihr euch nicht heran
Feiglinge
Bodo Schwarzberg
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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