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28. Eichsfeldtage und 650 Jahre Gernrode

Gernrode ist hervorragender Gastgeber

Samstag, 29. August 2015, 21:09 Uhr
Wer in diesen Tagen durch Gernrode fährt, weiß sofort, hier ist etwas Besonderes los. Das ganze Dorf ist geschmückt mit Wimpelketten und in Feststimmung. Das wurde heute auch zum großen Festakt zu den 28. Eichsfeldtagen und des Dorfjubiläums sehr deutlich....

Vereinigte Chöre Gernrode-Tiftlingerode (Foto: Ilka Kühn) Vereinigte Chöre Gernrode-Tiftlingerode (Foto: Ilka Kühn)


Grußworte, viele Gäste, Auszeichnungen, eine gelungene Festrede und ein großartiger Auftritt des gemeinsamen Chores von Gernrode und Tiftlingerode bestimmten die Vormittagsstunden. Gerold Wucherpfennig hatte als Vorsitzender des HVE Eichsfeld die Begrüßung übernommen und alle gebeten, für das in diesem Jahr verstorbene Gründungsmitglied des HVE, Carl Strüber, zur Schweigeminute sich von den Plätzen zu erheben.

Gäste des Festaktes (Foto: Ilka Kühn) Gäste des Festaktes (Foto: Ilka Kühn)

Landrat Werner Henning überbrachte als Schirmherr auch die Grüße des anderen Schirmherrs, Prof. Hans-Georg Näder, der nicht am Festakt teilnehmen konnte. Eichsfeld ist nicht nur Heimat im Sinne von Tourismus und Geschichte. Heimat ist für uns nicht nur Landschaft, Landkreis oder politische Struktur, ist ist viel viel mehr, sagte der Landrat. Heimat sei auch die Frage danach, was aktuell richtig ist.




Gernrodes Bürgermeister Albert Hellrung zeigte in seinem Grußwort auf, warum die Gemeinde 650jähriges feiern kann und wie es dazu kam, dass sie sich für die Eichsfeldtage beworben hatte. Es hat ein bisschen mit Tiftlingerode zu tun, beide Orte verbindet seit der Wende große Freundschaft. Logisch, dass zum Fest auch viele aus Tiftlingerode gekommen waren.

Der Präsident des Thüringer Landtags, Christian Carius, hat am Festakt auch teilgenommen und ein Fass Freibier spendiert. Es gäbe viele Gründe, das Eichsfeld zu würdigen, sagte er. Starke Kommunen, einen starken Zusammenhalt, eine erfolgreiche Ortsentwicklung, eine extrem hohe Vereinsdichte und noch mehr zählte er auf. Sein Grußwort sorgte zum Teil auch für große Heiterkeit, beispielsweise als er sagte: "Ich habe mich gefragt, woher sie die ganzen Wimpel haben, aus ganz Thüringen oder nur aus dem Eichsfeld?" Lob zollte er dem gemeinsamen Chor für seine hervorragende Darbietung und nannte dessen Leiter Rolf Berend einen Perfektionisten. "Das Eichsfeld hat auch die die höchste Geburtenrate - ich weiß nicht, ob der Strom hier öfter ausfällt...", fügte Carius an.

Er sprach natürlich auch das Thema Flüchtlinge an und sagte, dass es unsere Aufgabe ist, auch Barmherzigkeit zu leben, aber auch, dass wir auch auf Recht und Ordnung achten.

Aus dem Landkreis Northeim trat Petra Kersten in Vertretung des Landrates ans Rednerpult und überbrachte dessen Grüße. Ihr Grußwort bewegte viele, erzählte sie doch zum Thema Heimat, Einheit und Trennung einiges aus ihrem persönlichen Leben, das bis ins Eichsfeld führt. Alle sollten bereit sein, auch anderen eine Heimat zu geben, sagte sie zum Schluss.

Zwischen den einzelnen Reden gab es auch Musik. So überraschte die Kapelle Kaltenhäuser sogar mit jazzigen Rhythmen und die vereinigten Chöre Gernrode-Tftlingerode unter Leitung von Rolf berend überzeugten sowohl mit der Auswahl der Lieder als auch mit der Qualität des Gesanges. Sie boten Lieder wie "Deus Caritas est", den Chor der Gefangenen aus Nabucco, oder auch "Liberatio - Krypteria" und "Die Gedanken sind frei".

Ehrenurkunde für Gernrode (Foto: Ilka Kühn) Ehrenurkunde für Gernrode (Foto: Ilka Kühn)

Zu Letzterem erzählte Rolf Berend in seiner Festrede auch eine kleine Geschichte, als der Chor zu DDR-Zeit in Ferna auftrat, wenige Meter vor der Grenze. Dass Rolf Berend in Gernrode die Festrede halten wird, das war wohl allen klar. Sein Thema: 25 Jahre deutsche Einheit - das Eichsfeld eine grenzenlose Region in der Mitte Deutschlands, im Herzen Europas. Wie kaum ein anderer kann er die politische Lage unmittelbar vor der Wiedervereinigung Deutschlands aus der Sicht eines Abgeordneten der ersten freigwählten Volkskamer beschreiben. Und so folgte ein mitunter sehr emotional gestalteter Vortrag, der die Gäste auf eine Zeitreise mitnahm und der einen kleinen Einblick hinter die Kulissen gab.

"25 Jahre nach diesem Jahrhundertereignis können wir resümieren: Noch nie in seiner Geschichte hat Deutschland in ringsum anerkannten Grenzen und freundschaftlichen Beziehungen zu allen seinen Nachbarn existiert", sagte Rolf Berend, der auch Vorsitzender des Festkomitees in Gernrode ist.

Der Bundesvorsitzende der Eichsfelder Vereine, Erich Anhalt, nahm den Festakt zum Anlass, um noch einige Gäste mit der Ehrenmedaille auszuzeichnen.

Am morgigen Sonntag ist Höhepunkt der Feierlichkeiten neben dem Pontifikalamt am Vormittag sicher auch der große Festumzug mit über 100 Bildern, der sich um 14 Uhr in Bewegung setzen soll.
Ilka Kühn

Bilder vom Festakt Eichsfeldtage 2015 und 650 Jahre Gernrode

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