eichsfelder-nachrichten
Urania Bildungsgesellschaft Eichsfeld

Nach der Wende Schicksal in die eigene Hand genommen

Sonntag, 08. November 2015, 15:11 Uhr
Die Urania Bildungsgesellschaft Eichsfeld feiert ihr 25jähriges Bestehen. Dazu gab es am 7. November 2015 eine Festveranstaltung im Haus Gülden Kreutz in Worbis. Warum gerade in Worbis, wo die Urania derzeit ihren Sitz in Leinefelde hat, konnte Alwine Klose den Gästen rasch erklären...

25 Jahre Urania Bildungsgesellschaft (Foto: Ilka Kühn) 25 Jahre Urania Bildungsgesellschaft (Foto: Ilka Kühn)

In Worbis war die Urania über Jahrzehnte erfolgreich tätig. Es gab dort immer gute Bedingungen für die Arbeit der Gesellschaft, erklärte Alwine Klose, die zu den Gründungsmitgliedern der Bildungsgesellschaft vor 25 Jahren gehörte. Das war aber die Neugründung, denn die Urania war bereits seit 1954 mit Kreisverbänden in Worbis und Heiligenstadt unter der Bezeichnung „Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse“ tätig.

In der Festveranstaltung konnten die Gäste eine ganze Menge über die vielfältige Tätigkeit der Urania Bildungsgesellschaft erfahren, die vielleicht der eine oder andere so noch gar nicht kannte. Der Vereinsvorsitzende der Urania, Dr. Karl-Josef Löffelholz umriss die 25jährige Vereinsgeschichte in einem kurzweiligen Festvortrag. Er begann zunächst mit einer Worterklärung, wie es sich für einen gelernten Lehrer gehöre: „Der Name URANIA ist der Name der Muse der Sternkunde. Sie ist eine von neun Musen, die als Töchter von Zeus und Mnemosyme gelten.“

25 Jahre Urania Bildungsgesellschaft (Foto: Ilka Kühn) 25 Jahre Urania Bildungsgesellschaft (Foto: Ilka Kühn)

Er führte an, das die URANIA als Idee und als Gesellschaft schon über 110 Jahre existiere. Und weiter: „Die Gründung der „Gesellschaft URANIA" erfolgte 1888 in Berlin als „Stätte der Freude an der Naturerkenntnis". Mitbegründer waren Prof. Wilhelm Foerster und Dr. Max Wilhelm Meyer, der auch der erste Direktor der URANIA-Gesellschaft wurde. Zu den Ideenträger, in populärer Art und Weise Bildung unter das Volk zu tragen, gehörte auch Alexander von Humboldt. Der Name URANIA wurde gewählt, weil die Sternenkunde zu den ersten Wissensgebieten gehörte, die populär vermittelt wurden. Das erste URANIA-Gebäude enthielt neben Vertrags- und Experimentierräumen auch eine Sternwarte. Den Namen URANIA findet man heute auch noch bei der West-Berliner URANIA, wo es ja sogar eine Straße ‚An der URANIA‘ gibt und in Österreich. Während der Weltkriege war es um die URANIA-Idee sehr ruhig geworden.

Neue Möglichkeiten eröffneten sich erst wieder nach der Beendigung des zweiten Weltkrieges. Zu DDR-Zeiten führte die ab 1954 wieder gegründete URANIA die Bezeichnung “Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse". Sie wurde finanziell vom Staat unterstützt. Ein eigener Verlag, Sendezeiten in Rundfunk und Fernsehen und die Produktion von Filmen machten sie weiter bekannt. Die Worbiser URANIA gehörte mit zu den aktivsten im Bezirk Erfurt. Am Ende des Jahres 1989 gehörten ihr 188 Mitglieder an.“

Musik (Foto: Ilka Kühn) Musik (Foto: Ilka Kühn)

Der gesellschaftliche Umbruch 1989/90 habe natürlich auch vor der URANIA nicht halt gemacht, sagte Dr. Löffelholz. Mitglieder traten aus, weil sie kein Betätigungsfeld mehr sahen, oder sich um ihre persönlichen Belange, wie Arbeitsstelle usw., kümmern. Die meisten Kreisorganisationen lösten sich auf. Zwei Möglichkeiten hatten wir, erklärte der Vereinsvorsitzende: „Entweder auch aufhören oder uns zu einem gemeinnützigen Verein umbilden. Damals habe ich gesagt: ´ … und wenn es sein muss, wird das Büro des Vereins in Alwines Wohnstube eingerichtet.' Dies wurde nicht notwendig. Die Gründung erfolgte am 7. November 1990 als „URANIA-Bildungsgesellschaft Worbis e. V.“.

In der Satzung der URANIA Worbis ist dokumentiert, dass es ein von Parteien unabhängiger, juristisch selbständiger Verein ist. Er verfolgt das gemeinnützige Ziel: „wissenschaftliche Kenntnisse auf populäre Weise zu verbreiten und berufsbildend zu arbeiten“. Indem die Bildungsgesellschaft dieses Ziel umsetzt, ist sie auch der alten URANIA-Idee treu geblieben. Wir stellten uns auch das Ziel, den Menschen zu helfen, in der neuen Zeit zurecht zu kommen, betonte Dr. Löffelholz.
„Es war ein äußerst schwerer und komplizierter Anfang. Moralische und praktische Unterstützung erhielt die Worbiser URANIA vom Landesverband der URANIA-Thüringen, der im Oktober 1990 in Erfurt gegründet worden war. Dort arbeitete ich auch mit. Unser vorrangiges Bemühen im Landesverband war die Aufnahme der URANIA in das Erwachsenenbildungsgesetz. Dies ist in Türingen, im Gegensatz zu anderen neuen Bundesländern, nicht gelungen. Vom Erwachsenenbildungsgesetz profitieren wir als Verein trotzdem, weil unsere Veranstaltungen jetzt über den Verein „Landvolkbildung Thüringen e.V.“, dem wir seit 1991 angehören, abgerechnet werden.“

Über die gesamten 25 Jahre ergaben und ergeben sich ständig neue Herausforderungen, denen wir uns stellten. Das wir heute noch existieren und ein klein wenig durch unsere vielfältigen Veranstaltungen etwas mit zum Zusammenhalt in der Gesellschaft beitragen können, macht uns stolz. Dr. Löffelholz führte dann die umfangreiche Wissensarbeit der Urania der letzten 25 Jahre auf, die von Eichsfeld- und Ländertouren, über Computerlehrgänge, vom Arbeitsamt geförderte Lehrgänge, Vermittlung von Deutschkenntnissen für Aussiedler, Arbeit mit Schülern und Schulprojekte, Exkursionen verschiedenster Art, Betriebsbesuche unter dem Titel „Urania öffnet Türen“, Beschilderung von Denkmalen, wie auch die Gründung des Sütterlin-Clubs, der sich mit der Übersetzung der altdeutschen Schrift befasst.

Lina (Foto: Ilka Kühn) Lina (Foto: Ilka Kühn)

Landrat Dr. Werner Henning brachte es in seiner Rede auf den Punkt: „Ich mache eine tiefe Verbeugung vor all dem, was sie geleistet haben. Es war spannend, Ihnen zuzuhören in der gewaltigen Auflistung all der Aktivitäten und unternehmerischen Tätigkeiten. Viele hauptamtlichen Institutionen können sich davon eine Scheibe abschneiden“.

In der DDR staatlich gefördert, musste die Urania nach der Wende ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen, sich in neuen Rechtsstrukturen unternehmerisch betätigen, sagte der Landrat. Manchmal habe er über die Zahlen gestaunt, aber die Urania hätte große Volumina sehr sportlich gehändelt. Er verwies auf die Bereicherung des Bildungsangebotes durch die Urania im ganzen Landkreis und darauf, dass man auf gesellschaftlicher Ebene immer sehr offen miteinander umgegangen sei. Dr. Werner Henning sagte, dass er sich schon vorstellen könnte, dass es sicher manchmal nicht leicht gewesen sei, in Erfurt darzustellen wie sie hier (im Eichsfeld) in der gesamten Breite zwischen Arbeiterbewegung und kirchlicher Tradition, Frömmigkeit und Liberalität alles zueinander führen können.

Vortrag (Foto: Ilka Kühn) Vortrag (Foto: Ilka Kühn)

Der Worbiser Ortsbürgermeister Thomas Rehbein, der auch gleichzeitig Bürgermeister Gerd Reinhardt vertrat („...auf neun Ortsteilbürgermeister lassen sich Aufgaben gut verteilen..), versicherte in seiner Grußrede, dass die Urania weiterhin von der Stadt unterstützt werde und statt Blumen hatte er einen Umschlag mitgebracht, worüber sich der Urania-Vorstand sehr freute. Thomas Rehbein freute sich besonders, dass die Urania auch das Haus Gülden Creutz nutze.
Musikalische wurde die Festveranstaltung mit mehreren Beiträgen von der 11jährigen Lina Weinrich auf der Blockflöte in Klavier-Begleitung von Barbara Götz, die einst am Worbiser Gymnasium unterrichtete, sehr würdevoll bereichert. Alwine Klose versetzte die Gäste durch ausgezeichnet vorgetragene Gedichte in Erstaunen. Und als i-Tüpfelchen folgte nach einem Imbiss von Dr. Löffelholz ein Vortrag unter dem Motto: Warum Fasching immer am 11.11. beginnt. Es war ein Exkurs in die Geschichte, Mathematik und Bibel und so mancher Gast ging mit neuem Wissen nach Hause. So solle es auch sein, sagte der Urania-Vorsitzende, denn schließlich vermittelt die Urania Wissen.
Autor: en

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 eichsfelder-nachrichten.de