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Müllverbrennungsanlage in Deuna

SPD und Grüne kritisieren Planung und fehlende Transparenz

Dienstag, 01. November 2016, 18:31 Uhr
Das Unternehmen Umweltdienste Bohn GmbH plant den Bau eines Ersatzbrennstoffkraftwerks auf dem Gelände des Zementwerks in Deuna. Diese soll unter anderem mit extern Ersatzbrennstoffen (EBS) und Gewerbemüll betrieben werden, die über weite Strecken nach Deuna transportiert werden müssen. Die Unterlagen liegen nur noch bis zum 18. November aus...

Es ist geplant diese Anlage mit einer Jahreskapazität von ca. 250.000 t Müll zu betreiben. Das Zementwerk soll wohl der Hauptabnehmer der erzeugten Energie sein. Um die Anlage voll nutzen zu können, wird nach Angaben des Unternehmens die Anlage mit mindestens 52 Lkws täglich frequentiert werden.

Die Planungsunterlagen liegen noch wenige Tage auf der Gemeinde Deuna aus, um noch Einwendungen machen zu können.

"Ein Blick in die Unterlagen zeigt, dass dort im Grunde nur die Emission von Schall und Staub sowie der Brandschutz betrachtet wird“, ist Michael Hoffmeier, Kreistagsmitglied von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, verwundert. Deshalb hatte er auch eine entsprechende Anfrage im letzten Kreistag gestellt, bekam aber im Anschluss die Auskunft, dass der Kreis garnicht zuständig sein, sondern das Landesverwaltungsamt.

Bisher war der zuständige Mitarbeiter des Landesverwaltungsamts aber nicht zu sprechen und jemand anders nicht auskunftsfähig, musste Philipp Müller, Vorsitzender des SPD OV Eichsfelder Kessel, ernüchtert feststellen.

"Denn ich hätte gerne gewusst, warum bei der geplanten Anlage, die auch Gewerbeabfälle verbrennen darf, keine Schadstoffbetrachtung enthalten ist. Denn die Verbrennung von heterogenen Stoffzusammensetzungen, wie Gewerbemüll, birgt die Gefahr der Bildung von hochgiftigen Stoffen, wie Dioxinen."

Deshalb fordern die beiden Kommunalpolitiker ebenfalls unabhängige Untersuchungen zur möglichen Luftverschmutzung durch Schadstoffen, um ganz sicher zugehen, dass keine Belastung mit giftigen Abgasen entstehen - nicht nur theoretisch, sondern praktisch. "Wir haben in Dingelstädt erlebt, wie schnell bei thermischen Prozessen und Abgasen Probleme und Unsicherheiten entstehen können, obwohl dort planungsseitig nie ein Problem gesehen wurde. Und dort handelte es sich nicht mal um eine Verbrennung", gibt Michael Hoffmeier zu bedenken.

Die Planung für die Anlage ist bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Der Baustart soll schon im März 2017 sein. „Deshalb sollten die Bürgerinnen und Bürger noch rechtzeitig ihre Bedenken anmelden, bevor die Einspruchsfrist verstrichen ist", meint Philipp Müller Vorsitzender des SPD OV Eichsfelder Kessel. Zudem kritisiert er, dass die Auslegung der Unterlagen und das Bauvorhaben selbst nur so wenig publik gemacht wurde, obwohl es doch eine ziemliche Bedeutung habe.

Es sei zu bezweifeln, die dort zum Verbrennen geplanten Stoffe nach der Vorbehandlung wirklich genügend schadstoffbefreit sind. Zwar sorgt die Vorsortierung weitgehend dafür, dass beispielsweise keine Batterien oder Arzneimittel im Ersatzbrennstoff (EBS) enthalten sind. Dass in einem Kilogramm EBS beispielsweise 15 g Chlor und 2,5 g Kupfer enthalten sein dürfen zeigt, dass es sich aber keinesfalls um eine nur "saubere" Energieerzeugung handele so Philipp Müller, insbesondere mit Blick auf die Gewerbeabfälle.

"Ein besonderes Problem stellt nämlich die Kontrolle des Abfallinputs dar. Uns interessiert dabei, wie das Qualitätsmanagement aussehen soll. Da die meisten Giftstoffe im Betrieb nur über wenige Minuten bzw. Stunden stichprobenartig gemessen werden, wo der Anlagenbetreiber zuvor über die Messung informiert wird, gibt es bei diesen Stoffen über den größten Teil des Jahres keinerlei Kontrolle", gibt Michael Hoffmeier zu bedenken.

"Deshalb rufen wir alle Bürgerinnen und Bürger auf, nächste Woche die Unterlagen einzusehen und die nur noch bis zum 18.11.2016 bestehende Einwendungsfrist zu nutzen und gegen das geplante Vorhaben Einwendung zu erheben. Nur wer Einspruch erhebt, kann später evtl. Schäden wie Wertverlust von Immobilien, Gesundheitsbeeinträchtigungen usw. überhaupt geltend machen!" fordern Philipp Müller und Michael Hoffmeier abschließend.
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