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Leinefelde-Worbis

Erinnerungen nicht vergessen

Sonntag, 13. November 2016, 20:05 Uhr
In Birkungen fand am Nachmittag die zentrale Gedenkveranstaltung der Stadt Leinefelde-Worbis zum Volkstrauertag statt. Die Gedenkveranstaltung begann um 14.00 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Kirche „St. Johannes der Täufer“ mit dem katholischen Pfarrer Karl-Josef Wagenführ und dem evangelischen Pfarrer Traugott Eber....

Ökumenischer Gottesdienst (Foto: Ilka Kühn) Ökumenischer Gottesdienst (Foto: Ilka Kühn)

Aus allen Ortsteilen der Stadt konnte Pfarrer Wagenführ Menschen begrüßen, die sowohl in der Kirche als auch später am Kriegerdenkmal der Toten gedachten, der Opfer von Kriegen und Gewalt, aber auch der jüngsten Opfer der Anschläge in Afghanistan. Pfarrer Wagenführ sagte, dass beispielsweise derzeit Polizisten aus Deutschland in über 60 Ländern in der Welt im Einsatz sind, um zu helfen. Dazu kommen Bundeswehrangehörige in Kriegsgebieten und viele andere Helfer.

Die beiden Geistlichen zündeten für die Opfer Kerzen an.

Traugott Eber verwies in der Predigt auf geschichtliche Ereignisse und Gedenktage bis hin zum Fall der Mauer 1989. Er mahnte, die Erinnerungen nicht zu vergessen. Nur wer weiß, woher er kommt, weiß auch seine Gegenwart und Zukunft zu gestalten, sagte der Pfarrer. Er verwies auf die Hilfe, so wie Jesus sie erwarte: Gutes am Menschen zu tun, Hungrigen Essen zu geben, Nächstenliebe zu praktizieren. Doch wie oft kämen Ausreden, wenn es darum gehe zu helfen.

Erinnerung tut Not, angesichts dessen, wieviel Leid über Städte und Dörfer kam, nicht nur durch Kriege, sondern auch bei Attentaten u.a., sagte Traugott Eber. Wo bleibt das politische Handeln gegen die Ursachen von Kriegen?Er zitierte Dietrich Bonhoeffer, der einst sagte, man müsse dem Rad in die Speichen fallen. Also nicht nur Opfern helfen, sondern die Ursachen des Leides bekämpfen. In der Gegenwart hilft auch das Erzählen uns und unseren Kindern gegen das Vergessen. Da jetzt die Abende länger werden, solle man am besten damit gleich anfangen, so Traugott Eber.

Kirchenchor Birkungen (Foto: Ilka Kühn) Kirchenchor Birkungen (Foto: Ilka Kühn)


Mit dem Gedenktag angepassten Liedern begleitete der Birkunger Kirchenchor den ökumenischen Gottesdienst.

Kranzniederlegung (Foto: Ilka Kühn) Kranzniederlegung (Foto: Ilka Kühn)

Im Anschluss begeben sich die Teilnehmer zum Kriegerdenkmal am Friedhof, wo zum ehrenden Gedenken an die Opfer von Kriegen und Gewalt Kränze niedergelegt wurden, von der Stadt, der Marine und der Bundeswehr.


Bürgermeister Markus Grosa sagte zu Beginn seiner Gedenkrede: "55 Millionen Menschen haben im Zweiten Weltkrieg ihr Leben gelassen. Gestern bin ich aus Polen zurückgekommen, aus einem Land, dessen Menschen zu denen gehörten, die besonders unter den Auswirkungen des 2. Weltkrieges gelitten haben. Sechs Millionen Polen starben im Krieg. Wir müssen es also als ein großes Glück empfinden, dass wieder freundschaftliche Begegnungen zwischen Polen und Deutschen möglich sind. Unser Ortsteil Birkungen unterhält eine Partnerschaft mit der Stadt Nowe, diese Woche haben wir mit unseren Freunden den polnischen Unabhängigkeitstag gefeiert."

Marko Grosa sprach davon, Erinnerungen wachzuhalten und las Tagebuchaufzeichnungen von Josef Orlob vom 8. April 1945 in Leinefelde vor, die die Ängste und Sorgen der Menschen damals deutlich machten. Was kommt morgen, fragten sich die Menschen?

Diese Frage stellen sich heute auch wieder viele Menschen. "In unserer Stadt leben derzeit zwischen 400 und 500 Flüchtlingen, jeder mit seiner ganz eigenen Geschichte. Ich bin froh, dass dumpfe Parolen hier nicht für Unruhe sorgen, dass wir uns in Ruhe um die Menschen kümmern können, die zum Teil Not leiden mussten, die wir uns nicht vorstellen können, auch wenn der letzte Krieg auf unserem Boden nicht mal ein Menschenleben lang zurückliegt," sagte der Stadtbürgermeister.

Ortsteilbürgermeister Michael Apel ergriff danach das Wort und stellte die Frage, was der Volkstrauertag für uns heute bedeute: "Hier an diesem Ort auf unserem Friedhof gedenken wir den in den beiden Weltkriegen auf den Schlachtfeldern gefallenen Männer - Brüder, Väter, Söhne, Onkel, Freunde, Verlobte, Ehemänner - aus Birkungen. Wir gedenken hier aber auch jener Männer und Frauen, die in den dunkelsten 12 Jahren des letzten Jahrhunderts auch aus unserem Ort Birkungen „abgeholt“ wurden, wie es oft verharmlost benannt wird, weil sie dem System im Kleinen oder auch im Großen die Stirn boten. Und wir gedenken jener Männer und Frauen, die während der zweiten Diktatur auf deutschem Boden in den Gefängnissen einsaßen, drangsaliert und getötet wurden, weil sie aufbegehrten, einfach nur Kritik übten oder ihr Land verlassen wollten."

Die anschließende Einladung von Michael Apel in den Franziskussaal nahmen alle angesichts der Minusgrade dankend an.
Ilka Kühn

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