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Lichtblick(e)

Licht und Dunkelheit - Liebe und Hass

Freitag, 29. Dezember 2017, 07:00 Uhr
Wir stehen in Mitten von Lichtern. Der Weihnachtsbaum, die Kerzen auf dem Altar, Die Lichter am Lichterbogen, die Kerzen auf dem Adventskranz. Die meisten Weihnachtslieder handeln von Lichtern von Helligkeit und Harmonie. Zeit der Familie...


Alle sind zusammen, kein Stress, Verständnis für einander. Es ist die Zeit der erfüllten Wünsche: Überraschungen unterm Baum, Kinderherzen schlagen höher, manchmal auch die der Erwachsenen. Wer wird schon nicht gern beschenkt und überrascht?

Es ist die Zeit der Ruhe und der Heimlichkeit. Aufatmen, am gemeinsamen Tisch sitzen und lachen, entspannt sein. Harmonie und Frieden im eigenen Haus. Und natürlich dazu der Weihnachtsmarkt: Köstlichkeiten, im Idealfall Schneeflocken. Der Geruch von Glühwein und Kinderpunsch, Lebkuchenherz, Apfel mit Lasur.

Dieses Bild ist ein Produkt. Es ist das Produkt unsere gemeinsame Absprache. Eine Geschichte über die Weihnachtszeit, die wir uns wieder und wieder erzählen. Von Angesicht und Angesicht, über die Werbung, über die Dinge die wir erwerben. Die Sehnsucht wie unser Leben sein soll, die wir uns erzählen, bis wir glauben es wäre wahr.

So soll sie Aussehen unsere Realität. Vielleicht nicht das ganze Jahr Weihnachtsmarkt. Aber das Leben als heil zu erleben, als gut, wunderbar und harmonisch, das schon. Dabei weiß jeder von ihnen, wie es in seiner persönlichen Familie, in seinem persönlichen Leben aussieht.

Wenn wir die Floskeln unseres Alltags, besonders in der Weihnachtszeit, einmal zur Seite schieben, dann sehen wir, wo es die dunklen Stellen gibt. Vielleicht sind diese Dunkelheiten auch sehr viel größer: Verschleppte Konflikte, die sich wie eine verschleppte Krankheit festsetzen und wuchern. Ein Problem, dass sie vor sich herschieben, über dass sie vielleicht mit niemanden sprechen. Die Realität schert sich nicht um unsere Absprachen:

Im Prophetenbuch Jesaja hören wir: Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.

Die Worte von Jesaja gingen an Menschen, die sich einer konkreten Bedrohung gegenübersahen. Es war das bedroht, was sie liebten, kannten und wertschätzten. Sie sahen sich der Gefahr eines Krieges ausgeliefert, dabei hatten sie erst einen hinter sich. Die Worte benennen die Finsternis in ihren Leben, als Volk und als Individuen.

Es gibt sie: die Finsternis. Egal wie hartnäckig sie ignoriert wird.

Liebe und Hass

Wir haben dieses Jahr bemerkenswertes gesehen. Unser Land ist immer noch in der Findungsphase für eine Regierung. Einige rufen: „Alles geht den Bach runter“, „Egal was ihr wollt, dass interessiert keinen da oben“, „Schluss mit dem korrekten Gerede! Endlich mal sagen was Sache ist.“

Ich denke sie habe solche Sätze schon gehört oder selber schon gedacht oder gesagt. Manche bekannten Politiker machen es vor: Einfach mal durchgreifen, nicht immer das Gerede mit allen. An sich denken. Einfach mal Tacheles reden und auch tun. Und wir sehen die Ergebnisse.

Wir sehen wie Menschen nicht mehr reisen können, weil sie zufällig die falsche Staatsangehörigkeit haben.
Wir sehen wie Menschen nicht mehr ihren Beruf ausüben können, weil sie nicht Treu zur Nation stehen.
Wir sehen wie Menschen für ihr aufgeplustertes Ego das Schicksal von vielen aufs Spiel setzten, indem sie mit den Säbeln rasseln. Solange bis es kein Spiel mehr ist.
Es gibt die von Gott reden, aber in ihren Taten sieht man nicht Gott, sondern den Tod.

Manchmal glaube ich, dass wir gerade eine Welt erleben, die die Finsternis mehr hasst, als sie das Licht liebt. Wo ich nur noch das Schlechte sehe und nicht das liebenswerte. Wo es egal ist, wenn halt ein paar Schwache über die Klinge springen….

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Und weiter heißt es bei Jesaja:
Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt.

Jesaja hat die Hoffnung, dass marschierende Stiefel und lautes Gebrüll nicht die Oberhand behalten. Dass Leid und Verletzung nicht das letzte Wort behalten.
Es spricht die Hoffnung aus seinen Worten, dass unsere Welt nicht nur schlecht ist.

Es gibt es: Das Licht. Auch wenn wir es durch dunkle Wolken manchmal nicht sehen.

Mittendrin in allem steht die Krippe von Betlehem. Das Kind, das einmal ein Mann werden und den Menschen von Gott erzählen wird. Er wird die Finsternis des Lebens und das Licht des Lebens sehen. Er wird sich der Realität des Lebens stellen, wird seine Freunde und allen, die es hören wollen zum Leben mit Gott ermutigen.

Jesaja sagt von ihm: Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst.

Vielleicht liegt es in unserer Natur die Dinge auszublenden. Es ist leichter alles voller Licht und rosarot zu sehen. Es ist auch leichter alles Dunkel und Schlecht zusehen, in jedem das Negative zu vermuten.
Denn es ist einfach. Der einfache Weg. Aber er wird dem Leben, ihrem Leben nicht gerecht. Der einfache Weg kommt seine Grenzen, wenn es kompliziert wird.
Der Glaube an Jesus ist nicht das Ausblenden der Realität, sondern dieser Glaube verlangt von uns es mit der Realität des Lebens aufzunehmen. Weil Gott sich der Realität des Lebens nicht verschließt.

Diese Herausforderung bedeutet, sich dem Dunkel zu stellen. Zu Allererst dem Dunkel in euch selbst. Danach dem Dunkeln was uns begegnet. Es bedeutet das Liebenswerte zu suchen, in den Menschen die wir abgeschrieben haben. Es bedeutet anzuerkennen, dass keiner von uns ohne Schuld ist. Und das über uns eine Kraft leuchtet, die Kraft des ewigen Gottes, die uns erfüllt, wenn wir nach oben schauen.

Ohne ihn ist die Welt zum Scheitern verurteilt.
Zum Schluss sinngemäß die Worte eines Priesters und Dichters aus dem 17. Jhd, Angelus Sibelius:
Christus kann tausendmal in Betlehem zur Welt kommen. Es nützt nichts, wenn er nicht in dir zur Welt kommt.
Pfarrer Martin Weber
Autor: red

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