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Christdemokrat schreibt an Parteifreunde

Neujahrsgrüße nach Berlin

Donnerstag, 28. Dezember 2017, 18:37 Uhr
Bereits seinen zweiten Brief schreibt CDU-Mitglied Steffen Kobrow nach Berlin. Für die Nordthüringer Online-Zeitungen hatte er eine Kopie im vollen Wortlaut...


Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr verehrte Damen und Herren der Bundestagsfraktion der CDU,

ich habe bereits am 14. Oktober 2015 einen Brief geschrieben, in welchem ich Ihnen als CDU Mitglied und Privatperson meine Meinung zum Thema des Umganges mit der Flüchtlingskrise und den Auswirkungen auf die Gesellschaft in unserer Region in Nordthüringen geäußert habe. Ich habe schon damals darauf hingewiesen, dass das Flüchtlingsthema sehr große Auswirkungen auf unser Land, unseren Freistaat Thüringen und auch die kleinen Kommunen haben wird. In den Wochen nach dem ich diesen Brief verfasst und versendet hatte, habe ich lediglich Rückmeldung und Kenntnisnahme über die regionalen Führungskräfte unserer Partei erhalten.

Das Entstehen von Parteien wie der AfD und der Verfestigung von deren Grundsätze in der deutschen Gesellschaft war und ist die logische Konsequenz dessen, was ich vor über 2 Jahren angesprochen habe und was letztendlich durch u.a. Sie als Bundeskanzlerin und durch Sie als Mitglieder der Bundestagsfraktion des Deutschen Bundestages im Nachgang umgesetzt wurde. Es gab viele gute Ansätze, viele offene Diskussionen auf vielen Ebenen. Aber das Resultat ist bis zum heutigen Zeitpunkt sehr ernüchternd.

Viel Streit zwischen den Regierungsparteien, Auseinandersetzungen zwischen Regierungs- und Oppositionsparteien, WahlKAMPF auf schlechtem Niveau und eine Sondierung nach der Bundestagswahl, die an Langatmigkeit und fehlender Zielführung nicht zu überbieten ist. Das alles sind Angelegenheiten, die im Parteienspektakel in Berlin sicher nicht neu und auch aus Ihrer Sicht normal sind. Leider ist diese Vorgehensweise überhaupt nicht dafür geeignet, den über 80.000.000 Menschen in unserer Bundesrepublik den Eindruck zu vermitteln, dass Sie als gewählte Vertreter überhaupt ein Interesse an unseren Sorgen und Nöten haben.

Lassen Sie mich auch gleich klarstellen, dass ich weder ein blinder Befürworter der offenen Willkommenskultur von Flüchtlingen bin, noch ein Mensch, der voll blinder Wut und Hass über Menschen herzieht, welche als Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak oder afrikanischen Ländern zu uns kommen, um Schutz zu suchen. Ich bin der Meinung, dass wir als Menschen einer reichen Industrienation natürlich anderen Menschen helfen müssen, aber eben nur bis zu einer gewissen Schmerzgrenze und vor allem nur, solange sich diese Menschen ohne geringste Ausnahme an unseren Rechtsstaat und an unseren Normen und Werte halten.

Unsere Gesellschaft, auch in unserer ländlichen Region ist in nicht einmal 3 Jahren sehr weit auseinander getriftet. Es gibt entweder den „Bahnhofsklatscher“ oder den „Nazi“. Eine normale Diskussion über die Flüchtlinge ist überhaupt nicht mehr möglich. Selbst ich als wirklich objektiver Betrachter der Dinge, werde als Bahnhofklatscher bezeichnet und werde als Mitglied der CDU als Unterstützer Ihrer Bundespolitik vollgelabert. Dabei bin ich der CDU in erster Linie wegen deren Politik auf unserer Kommunalebene beigetreten.

Wir haben so viele große Aufgaben in diesem Land zu bewältigen, aber Sie als Kanzlerin und Sie als Abgeordnete des Bundestages (alle anderen Parteien im Bundestag eingeschlossen) haben es aber tatsächlich geschafft, dass viele Menschen in unserem Land das Gefühl bekommen, dass es nur ein Problem gibt. Und zwar das Wichtigste überhaupt. Ein Problem bei dem sich die Frage stellt, ob ich abends noch alleine auf die Straße gehen, ob ich ein Kind alleine in die Schule gehen lassen kann oder die Ehefrau noch alleine einkaufen gehen sollte!?!?

Und diese Fragen sind nicht theoretisch, sondern praktisch und real bei vielen Bürgern vorhanden. In einem Nachbarort meiner Heimatstadt Bad Frankenhausen, in Sondershausen gibt es seit Monaten massive Probleme mit der Kriminalität von Flüchtlingen untereinander aber auch mit Auseinandersetzungen mit deutschen Bürgern. Und da reden wir nicht nur über Beschimpfungen, sondern über körperliche Gewalt an Menschen die in Deutschland aufgewachsen sind und hier friedlich leben. Selbst in unserer Stadt die gerade mal etwas über 8.000 Einwohner hat, gab es vor kurzer Zeit den ersten Übergriff von 2 unbegleiteten Flüchtlingsjugendlichen auf ein 13jähriges Kind, dass lediglich eine Runde mit dem Fahrrad fahren wollte.

Ich will nicht in einem Land wie jetzt leben, in der die Mitmenschen voller Hass sind, in der in einem Landkreis wie unserem Kyffhäuserkreis mit über 1.000 Quadratkilometern Fläche und knapp 80.000 Einwohnern gerade mal 1 – 2 Polizeistreifen dauerhaft unterwegs sind, in der man sich als CDU Mitglied beleidigen lassen muss oder sich eben tatsächlich irgendwann Sicherheitsbedenken sich selbst und seiner Familie gegenüber bekommt. Ich möchte aber eben auch nicht in einem Land leben, in der eine mit Fremdenhass erfüllte AfD das Sagen hat und man sich rhetorisch wieder in längst vergangene Zeiten versetzt fühlt.
  • Ich fordere Sie auf, endlich das Floskelhandbuch vom Tisch zu nehmen!
  • Fangen Sie endlich an, an dem zu arbeiten wofür Sie alle gewählt wurden!
  • Setzten Sie eine Obergrenze für Flüchtlinge!
  • Erkennen Sie endlich Länder als sichere Herkunftsländer an, in denen große Teile des Landes auch sicher sind!
  • Schieben Sie kriminelle (auch kleinkriminelle) Flüchtlinge SOFORT wieder ab bzw. sperren Sie diese bis zur Abschiebung schnell und sicher weg!
  • Verhindern Sie mit Ihrem Handeln, dass die Höckes, Gaulands und Weidels nicht noch mehr Zulauf bekommen, als sie das jetzt sowieso schon haben.
Denn Fakt ist ganz klar: Die potentiellen AfD-Wähler werden auch auf kommunaler Ebene (Landratswahlen, Gemeinde- und Stadtratswahlen) einem unbekannten AfD-Kandidaten, der bisher auf dieser Ebene noch nichts geleistet hat, eher ihre Stimme geben, als den Kommunalpolitkern von CDU, SPD, Linken, FDP usw., die viele Jahre oder Jahrzehnte aufopferungsvoll für die Entwicklung ihrer Kreise und Heimatstädte gekämpft und oftmals sehr viel erreicht haben.

Viele der Themen, habe ich bereits 2015 angesprochen, leider ohne Erfolg. Auf ein Neues!

Mit freundlichen Grüßen
Steffen Kobrow
CDU Mitglied
Stadtverband Bad Frankenhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: khh

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