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Worbis

TOM MUTTERS mit einer Büste geehrt

Montag, 29. Januar 2018, 23:30 Uhr
Als im Dezember 2000 der Grundstein für den Neubau einer Wohnstätte für die Menschen der Lebenshilfe Leinefelde-Worbis gelegt wurde, war schnell klar, dieses Haus nach dem Gründer der Lebenshilfe, Dr. Tom Mutters zu benennen. Jetzt hatte die Lebenshilfe in Worbis wieder einen Höhepunkt....

Auch die Stadtväter von Worbis, einer Stadt, in der Menschen mit Behinderung sich zuhause fühlen und zum gesellschaftlichen Leben selbstverständlich dazugehören, wollten diesen Gedanken unterstützen. Sie beschlossen, der Straße, in der sich das neue Gebäude befindet, den Namen Tom Mutters-Straße zu verleihen.

Alle hatten das große Glück, Ursula Mutters und ihren Mann in der Lebenshilfe Leinefelde-Worbis anlässlich der Einweihung und Namensgebung der „Tom-Mutters Wohnstätte“ im Dezember 2001 begrüßen zu können.

Mit großer Freude hat Tom Mutters an diesem Tag auch gemeinsam mit Landrat und Bürgermeister die nach ihm benannte „Tom-Mutters-Straße“ eingeweiht. Das waren große Augenblicke, an die man sich gern erinnert. Auch, wenn das Leben von Tom Mutters vollendet ist, wird sein Name weiterleben.

Künstler Christoph Haupt (Foto: Gisela Reinhardt) Künstler Christoph Haupt (Foto: Gisela Reinhardt)

Anlässlich seines 101. Geburtstages weihte die Lebenshilfe Leinefelde-Worbis eine Plastik ein, die von dem jungen Künstler Christoph Haupt geschaffen wurde und die vor der Tom-Mutters-Wohnstätte in der Tom-Mutters-Straße ihren Platz finden wird.

Es ist eine große Ehre, seinen Namen zu ehren und unvergesslich werden zu lassen. Mit dieser Plastik soll daran erinnert werden, dass alle Anstrengungen unternommen werden müssen, damit Menschen mit und ohne Behinderung in unserer Gesellschaft selbstverständlich miteinander leben können und es keinerlei Ausgrenzung mehr geben darf.

Den Grundstein dafür legte Tom-Mutters. Hierfür sind ihm die Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen von Herzen dankbar. Die Geburtstagsfeier war besonders für die Bewohner der Wohnstätte ein großes Ereignis. Zahlreiche Gäste von Nah und Fern waren gekommen, um mitzufeiern und den Gründer von Lebenshilfe und Aktion Mensch für sein Lebenswerk zu ehren.

Neben Vertretern vom Landes- und Bundesvorstand Lebenshilfe freuten sich alle besonders über den Besuch seines Sohnes Prof. Dr. Reinier Mutters und seiner Frau. Natürlich hatte mancher gehofft, dass vielleicht auch der Schwiegersohn von Tom Mutters, Guido Maria Kretschmer, mitkommt. Die Enthüllung der Büste war ein aufregender Moment.

Prof. Dr. Reinier Mutters (Foto: Gisela Reinhardt) Prof. Dr. Reinier Mutters (Foto: Gisela Reinhardt)

Prof. Dr. Reinier Mutters

Würde Reinier Mutters seinen Vater in der Skulptur erkennen? Dann kam das große Aufatmen, denn er war sichtlich begeistert. Für die musikalische Umrahmung der Feier sorgten die Thanas, Alexander Blume aus Eisenach und die Rhythmusgruppe der Behindertenwerkstatt.

Alle Redner betonten, dass mit Tom Mutters, dem Gründer und Ehrenvorsitzenden der Bundesvereinigung Lebenshilfe, die Gesellschaft einen Menschen verloren hat, der mit seinem Lebenswerk unauslöschliche Spuren seines Wirkens, seiner Ideale und seines Menschenbildes hinterließ. In einem Spruch von Johann Wolfgang Goethe heißt es: „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.“

„Wurzeln und Flügel“ – mit so einfachen Worten kann man genau das anschaulich beschreiben, was Tom Mutters mit seinem Wirken für Menschen mit geistiger Behinderung getan hat, damit sie selbstbestimmt und lebensfroh durchs Leben gehen können. Sein Bestreben galt, alles zu tun, damit diese Menschen in der Gesellschaft selbstverständlich fest verwurzelt ihren Platz im Leben finden.

Die Flügel aber sind nötig, damit sie lernen, über sich hinauszuwachsen, Ressourcen zu erkennen und sie einzusetzen. Menschen mit Behinderung werden oft als Engel mit nur einem Flügel bezeichnet. Sie brauchen die Unterstützung der Gesellschaft, um ihr Potential nutzen zu können. Tom Mutters ist mit seinem Lebenswerk dafür eingetreten.

Gedichtvortrag (Foto: Gisela Reinhardt) Gedichtvortrag (Foto: Gisela Reinhardt)

Die Werkstattbeschäftigten Stefan und Patricia brachten es in ihrem Gedichtvortrag, der an Tom Mutters gerichtet war, auf den Punkt:

An dich, Tom Mutters
Hast du gefragt, ob es sich lohnt, als du dich setztest für mich ein?
Hast nicht gefragt, was wird dein Lohn für alle diese Mühen sein.
Du gingest Pfade, die vor dir noch nie jemand probiert,
nicht die geraden, nicht die glatten haben auf deinem Weg zum Ziel geführt.
Weil unsere Welt noch immer so von Steinen satt
und viele hohe Zäune hat,
drum gab es dich, du hast mit Herz, mit Energie und Kraft
eine neue Sicht auf Menschen mit Behinderung geschafft.
Du warst ein Macher, warst ein Held
wo Hände nach Händen greifen, verändern sie die Welt.
Es ist unsere Welt, die der Starken und der Schwachen,
voll von Glück, von Liebe, von Tränen und von Lachen,
eine Welt, in der das Geben und das Nehmen wohnt
und Leben sich für alle lohnt.
Deine Spuren tragen wir in unseren Herzen und solln Vermächtnis sein
für deinen Traum von einer Welt, die muss noch besser sein.
Drum ruf ich dir jetzt zu, egal, wo du jetzt bist, in welchen Himmelshöhn,
Schön, dass es dich gab und DANKESCHÖN.
Gisela Reinhardt
Autor: en

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