Leinefelde-Worbis
Damit Barrieren gar nicht erst entstehen
Dienstag, 17. April 2018, 16:33 Uhr
Die meisten Menschen können zwar lesen und schreiben, aber es gibt im Alltag immer wieder Hürden, über die sie dann nicht kommen. Die rede ist vom Amtsdeutsch. Oftmals unverständlich. Das soll sich ändern. Die Lebenshilfe Leinefelde-Worbis hat ein tolles Projekt angeschoben. Worum es geht, erfahren Sie hier....
Die Zahl der Menschen über 65 wird in Deutschland bis zum Jahr 2030 um 41,5 Prozent ansteigen. Diese Generation möchte möglichst lange selbstbestimmt leben können und aktiver Teil der Gesellschaft bleiben – und zwar bis ins hohe Alter. Das betrifft auch Menschen mit Behinderung. Barrieren kann es viele geben im Alltag.
Was man tun kann, um sie möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen und wie Dienstleister sich auf die besonderen Bedürfnisse einstellen können, hat die Lebenshilfe Leinefelde-Worbis in ihrem jüngsten Projekt Der Kunde mit besonderen Ansprüchen erarbeitet.
Ziel des Projektes ist, dass bundesweit alle Auszubildenden im Service, egal, in welchem Dienstleistungsbereich, in ihrer Ausbildung im Umgang mit alten und behinderten Menschen geschult werden. Nur so lassen sich Ängste und Hemmschwellen im Umgang mit ihnen abbauen.
So wurden vor Ort mit alten und behinderten Akteuren und dem Team des jeweiligen Dienstleistungsunternehmens Lehrfilme gedreht, die so nicht- aber so den Umgang mit dem Kunden mit besonderen Ansprüchen zum Inhalt haben.
Neben dem EDEKA-Markt Glahn, dem Modehaus Senft, Helbing, mein Lieblingsbäcker, der Turmapotheke, dem Eichsfeldklinikum, dem Eichsfelder Kulturhaus Heiligenstadt und dem Hotel Kepplers Ecke war auch die Verwaltung der Stadt Leinefelde-Worbis als Projektpartner dabei.
Der Stadt Leinefelde-Worbis ist es ein besonderes Anliegen, dass sich in der Stadt ein adäquates Angebot rund um die Interessen und Bedürfnisse von Senioren widerspiegelt. Zum einen, weil der Verwaltung ein lebendiges Miteinander von Alt und Jung am Herzen liegt. Und zum anderen, weil ältere Mitbürger meist häufiger auf Beratung und Hilfe angewiesen sind als jüngere Mitbürger.
In diesem Zusammenhang nahmen Vertreter aller Ämter der Stadt und Vertreter des Eichsfeldklinikums an einem Workshop für Leichte Sprache, durchgeführt vom Büro für Leichte Sprache beim CJD Erfurt, teil.
Seit diesem Jahr haben Menschen mit Behinderung Anspruch darauf, amtliche Schreiben in Leichter Sprache erläutert zu bekommen. Die Leichte Sprache ist Teil der deutschen Sprache und bewegt sich im Rahmen der standardsprachlichen Grammatik und Orthographie.
Gerade in der behördlichen Fachsprache gibt es viele juristische Ausdrücke, lange und komplizierte Sätze. Leichte Sprache ist eine sehr leicht verständliche Sprache, die man schreiben und sprechen kann. Leichte Sprache versucht anhand klarer Regeln, komplexe Sachverhalte so wiederzugeben, dass Menschen mit Lern- und Leseschwierigkeiten oder auch Menschen mit geringen Deutschkenntnissen Informationen und Sinnzusammenhänge verstehen können.
Texte in Leichter Sprache beinhalten zum Beispiel nur bekannte Wörter, keine Abkürzungen und Redewendungen, kurze Sätze und besondere Layout-Vorgaben. Erläuternde Bilder sollen das Verständnis der Texte zudem erleichtern. Wenn Menschen viel verstehen, wissen sie mehr.
Das Verstehen von Zeitungsartikeln, Ratgebern, Briefen, Arbeitsverträgen, Fahrplänen, Webseiten und medizinischen Aufklärungsbögen ermöglicht die Welt zu verstehen und an Gesellschaft teilhaben zu können. Die Workshop Teilnehmer waren diesem Thema sehr aufgeschlossen. Interessiert, diszipliniert und mit viel Phantasie übersetzten sie Auszüge aus Satzungen, Verordnungen und medizinischen Aufklärungsbögen.
Dadurch, dass alle Inhalte verständlich und einfach erklärt werden mussten, verlängerten sich die Texte auf ein Vielfaches. In kleinen Gruppen wurde gearbeitet und es zeigte sich, dass es gar nicht so leicht war mit der leichten Sprache. Die ausgearbeiteten Texte wurden im Anschluss von den Menschen mit Lern-Schwierigkeiten geprüft. Nur sie können sagen, ob ein Text leicht genug ist.
Da entstand schon ein kleiner Konkurrenzdruck unter den Mitarbeitern. Jeder hatte den Ehrgeiz, seine Übersetzung so verständlich wie möglich umzusetzen. Über viele Worte und Begriffe macht man sich im normalen Leben gar keine Gedanken. Es war für alle eine neue Erfahrung, aber man war sich einig, dieser Workshop hat zum Umdenken angeregt. Es ist der Anfang für eine neue Qualität im Umgang mit dem Kunden mit besonderen Ansprüchen.
Gisela Reinhardt
Autor: enDie Zahl der Menschen über 65 wird in Deutschland bis zum Jahr 2030 um 41,5 Prozent ansteigen. Diese Generation möchte möglichst lange selbstbestimmt leben können und aktiver Teil der Gesellschaft bleiben – und zwar bis ins hohe Alter. Das betrifft auch Menschen mit Behinderung. Barrieren kann es viele geben im Alltag.
Was man tun kann, um sie möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen und wie Dienstleister sich auf die besonderen Bedürfnisse einstellen können, hat die Lebenshilfe Leinefelde-Worbis in ihrem jüngsten Projekt Der Kunde mit besonderen Ansprüchen erarbeitet.
Ziel des Projektes ist, dass bundesweit alle Auszubildenden im Service, egal, in welchem Dienstleistungsbereich, in ihrer Ausbildung im Umgang mit alten und behinderten Menschen geschult werden. Nur so lassen sich Ängste und Hemmschwellen im Umgang mit ihnen abbauen.
So wurden vor Ort mit alten und behinderten Akteuren und dem Team des jeweiligen Dienstleistungsunternehmens Lehrfilme gedreht, die so nicht- aber so den Umgang mit dem Kunden mit besonderen Ansprüchen zum Inhalt haben.
Neben dem EDEKA-Markt Glahn, dem Modehaus Senft, Helbing, mein Lieblingsbäcker, der Turmapotheke, dem Eichsfeldklinikum, dem Eichsfelder Kulturhaus Heiligenstadt und dem Hotel Kepplers Ecke war auch die Verwaltung der Stadt Leinefelde-Worbis als Projektpartner dabei.
Der Stadt Leinefelde-Worbis ist es ein besonderes Anliegen, dass sich in der Stadt ein adäquates Angebot rund um die Interessen und Bedürfnisse von Senioren widerspiegelt. Zum einen, weil der Verwaltung ein lebendiges Miteinander von Alt und Jung am Herzen liegt. Und zum anderen, weil ältere Mitbürger meist häufiger auf Beratung und Hilfe angewiesen sind als jüngere Mitbürger.
In diesem Zusammenhang nahmen Vertreter aller Ämter der Stadt und Vertreter des Eichsfeldklinikums an einem Workshop für Leichte Sprache, durchgeführt vom Büro für Leichte Sprache beim CJD Erfurt, teil.
Seit diesem Jahr haben Menschen mit Behinderung Anspruch darauf, amtliche Schreiben in Leichter Sprache erläutert zu bekommen. Die Leichte Sprache ist Teil der deutschen Sprache und bewegt sich im Rahmen der standardsprachlichen Grammatik und Orthographie.
Gerade in der behördlichen Fachsprache gibt es viele juristische Ausdrücke, lange und komplizierte Sätze. Leichte Sprache ist eine sehr leicht verständliche Sprache, die man schreiben und sprechen kann. Leichte Sprache versucht anhand klarer Regeln, komplexe Sachverhalte so wiederzugeben, dass Menschen mit Lern- und Leseschwierigkeiten oder auch Menschen mit geringen Deutschkenntnissen Informationen und Sinnzusammenhänge verstehen können.
Texte in Leichter Sprache beinhalten zum Beispiel nur bekannte Wörter, keine Abkürzungen und Redewendungen, kurze Sätze und besondere Layout-Vorgaben. Erläuternde Bilder sollen das Verständnis der Texte zudem erleichtern. Wenn Menschen viel verstehen, wissen sie mehr.
Das Verstehen von Zeitungsartikeln, Ratgebern, Briefen, Arbeitsverträgen, Fahrplänen, Webseiten und medizinischen Aufklärungsbögen ermöglicht die Welt zu verstehen und an Gesellschaft teilhaben zu können. Die Workshop Teilnehmer waren diesem Thema sehr aufgeschlossen. Interessiert, diszipliniert und mit viel Phantasie übersetzten sie Auszüge aus Satzungen, Verordnungen und medizinischen Aufklärungsbögen.
Dadurch, dass alle Inhalte verständlich und einfach erklärt werden mussten, verlängerten sich die Texte auf ein Vielfaches. In kleinen Gruppen wurde gearbeitet und es zeigte sich, dass es gar nicht so leicht war mit der leichten Sprache. Die ausgearbeiteten Texte wurden im Anschluss von den Menschen mit Lern-Schwierigkeiten geprüft. Nur sie können sagen, ob ein Text leicht genug ist.
Da entstand schon ein kleiner Konkurrenzdruck unter den Mitarbeitern. Jeder hatte den Ehrgeiz, seine Übersetzung so verständlich wie möglich umzusetzen. Über viele Worte und Begriffe macht man sich im normalen Leben gar keine Gedanken. Es war für alle eine neue Erfahrung, aber man war sich einig, dieser Workshop hat zum Umdenken angeregt. Es ist der Anfang für eine neue Qualität im Umgang mit dem Kunden mit besonderen Ansprüchen.
Gisela Reinhardt



