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EINE GANS, DIE AUCH AUF KIRCHTÜRMEN BRÜTET

Ein schöner Vogel, mitunter aggressiv

Samstag, 24. November 2018, 13:00 Uhr
Die Eichsfelder Fachgruppe der Ornithologen unternimmt jährlich eine Exkursion an den Stausee Kelbra, beobachtet und zählt Wasservögel. Auch die Kiesteiche bei Bielen und Sundhausen nahmen die Vogelkundler in Augenschein. Was sie an den Ufern der Teiche sahen, überraschte sie...

Bis zu 500 Nilgänse rasteten an den Ufern der Teiche bei Bielen und Sundhausen, informierten Eichsfelder Ornithologen (Foto: Fredy Kohlstedt) Bis zu 500 Nilgänse rasteten an den Ufern der Teiche bei Bielen und Sundhausen, informierten Eichsfelder Ornithologen (Foto: Fredy Kohlstedt)
Bis zu 500 Nilgänse rasteten an den Ufern der Teiche bei Bielen und Sundhausen, informierten Eichsfelder Ornithologen. Foto: Fredy Kohlstedt

Bielen/Sundhausen. Sie trauten ihren Augen nicht: An den Ufern dieser Teiche zählten sie an die 500 Nilgänse, 245 Silberreiher und 75 Graureiher. Das habe ihm Hans-Bernd Hartmann, Vorsitzender der Fachgruppe der Eichsfelder Ornithologen, mitgeteilt, lässt uns der bekannte Ornithologe Wilhelm Roth aus Heiligenstadt wissen.

Er übermittelte uns auch ein Bild, das Fredy Kohlstedt aus Thalwenden an den Kiesteichen mit der Kamera festhielt. Manfred Hagemann aus Rengelrode fotografierte bei seinen Naturbeobachtungen Silberreiher.

Die Nilgans Der Name leitet sich vom Fluss Nil in der ägyptischen Heimat ab. Auffallend sind die verhältnismäßig hohen Beine und der dunkle Augenfleck. Es ist ein kontrastreich schwarzbraun-weiß gefärbter Vogel. Rostbraun das Rückengefieder, das an die Fellfarbe des Rotfuchses erinnert, weshalb sie gelegentlich als Fuchsgans bezeichnet wird.

Seit dem 18. Jahrhundert wird die schöne Gans in Europa als Ziergeflügel gehalten. Seit den 1970er-Jahren erfolgt eine rasante Ausbreitung aus den Niederlanden. Man vermutet eine aus entflohenen Vögeln stammende Population. Auch im Landkreis Nordhausen wurde die Nilgans heimisch.

Es bedarf viel Geduld, bevor ein so schönes Motiv eines fliegenden Silberreihers gelingt (Foto: Manfred Hagemann) Es bedarf viel Geduld, bevor ein so schönes Motiv eines fliegenden Silberreihers gelingt (Foto: Manfred Hagemann)

Es bedarf viel Geduld, bevor ein so schönes Motiv eines fliegenden Silberreihers gelingt. Foto: Manfred Hagemann

Hin und wider sichtete man sie als Gast auch auf dem Stadtparkteich in Nordhausen. An einigen größeren Gewässern brütet sie hingegen regelmäßig. Als Ziervogel hält man sie aber nur noch selten. Dazu bedarf es gewisser Voraussetzungen: eines kleineren Teiches nebst angrenzenden Rasenflächen. Ideal wäre das Areal am Ortseingang Fronderode aus Richtung Immenrode.

Die Nilgans ist sehr anpassungsfähig. Nicht wählerisch mit der Wahl ihres Nistplatzes. Sie brütet im Schilf, in Baumhöhlen, auf Felsvorsprüngen, in Weißstorchhorsten. Aber auch auf Kirchtürmen, wo sie gelegentlich Nistplätze von Greifvögeln oder Eulen übernimmt. Man trifft sie in Parks und Anlagen großer Städte. An Gewässer angrenzender Promenaden beheimatet, kann sie wegen ihrer Hinterlassenschaften zum Problem werden.

Während der Brutzeit wird mitunter aggressives Verhalten gegenüber anderem Wassergeflügel beobachtet. Abhängig sei das von der jeweiligen Dichte anderer Arten im Brutgebiet. Leidtragende seien fast ausschließlich Stockenten, deren Küken gelegentlich getötet würden. Junge führende Reiherenten oder Teichhühner blieben hingegen weitgehend verschont.

Auf dem Bild werden die Unterschiede zwischen einem Graureiher, einem heimischen Brutvogel, und einem Silberreiher deutlich (Foto: Manfred Hagemann) Auf dem Bild werden die Unterschiede zwischen einem Graureiher, einem heimischen Brutvogel, und einem Silberreiher deutlich (Foto: Manfred Hagemann)
Auf dem Bild werden die Unterschiede zwischen einem Graureiher, einem heimischen Brutvogel, und einem Silberreiher deutlich. Foto: Manfred Hagemann

Der Silberreiher Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Silberreiher in vielen Brutgebieten Europas fast ausgerottet. Hierzulande war er, wie einst die Nilgans, völlig unbekannt. Es folgte, dank Schutzmaßnahmen, eine Phase der Erholung. In Ungarn und am Neusiedler See in Österreich gründeten sich neue Kolonien. Der weiße Vogel mit dem gelben Schnabel und dunklen Beinen ist so groß wie der bei uns brütende Graureiher, ihm fehlen aber die Schmuckfedern am Hinterkopf.

Grau- und Silberreiher auf einem Baum friedlich miteinander vereint (Foto: Manfred Hagemann) Grau- und Silberreiher auf einem Baum friedlich miteinander vereint (Foto: Manfred Hagemann)
Grau- und Silberreiher auf einem Baum friedlich miteinander vereint. Foto: Manfred Hagemann

Obwohl der Silberreiher hierzulande ab und an auf Wiesen und Feldern gesichtet wird, ist er in Deutschland ein noch seltener Brutvogel. Der erste Brutnachweis gelang erst 2012 in Mecklenburg. Wie die Nilgans ist auch der Silberreiher nicht bei jedermann beliebt, beide Arten aber bereichern die heimische Vogelwelt.
Kurt Frank
Autor: red

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