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LUST, LIEBE UND VIEL ARBEIT

Der Inselhof im Tal der Walse

Mittwoch, 13. März 2019, 15:12 Uhr
Tiere, Pflanzen, gute Tropfen - Naturschützer Wilhelm Roth war auf dem Land unterwegs und hat den Inselhof im Tal der Waise einen Besuch abgestattet. Dabei durfte er auch einen Blick hinter die Kulissen werfen...

Im Büro der Linken-Partei in Heiligenstadt bin ich mit der Geschäftsführerin Petra Welitschki verabredet. Die „nnz-Eichsfelder Nachrichten“ haben meine Beiträge über die Milchviehanlage in Steinheuterode sowie dem Thüringen weiten Schutz der Feldraine veröffentlicht.

Das Marit Wagler als Landtagsabgeordnete der Linkspartei sich den Öko-Inselhof bei Dietzenrode sowie die Lever Agrar Heiligenstadt über den unterschiedlichen Charakter der Wirtschaft informieren möchte, verleitet mich als Naturschützer zur gewährten Selbsteinladung.

Mit dem Diplomlandwirt Karlheinz Klose, welcher die Entwicklung seiner Genossenschaft mitgetragen hat wir haben den Bauernhof noch in früheren Zeiten erleben können sind wir auf diese Begegnung ebenso interessiert. Von Wüstheuterode geht die Fahrt durch das bewaldete Tal der Walse bis vor Dietzenrode, dem letzten Ort am Grünen Band, zur Weiterfahrt nach Bad Sooden-Allendorf. Der Inselhof gibt sich als Ansiedlung in freier Natur mit alten Häusern und offenen Tierquartieren. Die Begrüßung ist herzlich und in der Runde familiär.

Von Ursula Heihoff erfahren wir, dass sie mit ihrem Wolfgang in der altbewährten Fachhochschule in Witzenhausen mit dem Abschluss als Diplom-Agraringenieur studiert und sich gefunden haben. Gemeinsam suchten sie einen Ort, wo sie sich mit ihren Idealen einen Wunsch zu erfüllen strebten.1993 erwarben sie den renovierungsbedürftigen Hof, wo 1901 eine abgebrannte Mühle stand, und bauten rustikale Offenställe für das Vieh und Schuppen für die Technik. Das Ringen um 120 Hektar Wiesenfläche mit Ackerland war eine Voraussetzung für eine rentable Betriebsgröße mit Viehhaltung als Mischbetrieb.

Sie führen seit 25 Jahren eine Mutterkuhherde mit 50 Tieren der Rasse Salers Langhorn aus Frankreich mit braunem zottigem Fell und zarten Fleisch. Der fünfjährige Bulle mit 24 Zentnern diente mit seinem Schlachtgewicht als Sparkasse zur Kostendeckung. Mit 500 Schafen, den robusten Coburger Füchsen als alte Landrasse, werden auch Trockenrasen auf der Grünen Grenze als Naturschutzaufgabe gepflegt. Ein Schaf wiegt 60 kg, der Bock bis 90 kg. Der Verkauf der Wolle mit 30 Cent/kg war unrentabel, als Mitglied der Genossenschaft „Goldenes Fließ“ werden 80 Cent/kg vergütet. Ein Lamm mit 25 kg kostet 60 Euro, das Fleisch und die Wurst werden über den Hofladen verkauft.

Wolfgang Bloier im Whiskykeller (Foto: Wilhelm Roth) Wolfgang Bloier im Whiskykeller. Foto: Wilhelm Roth

In einem Offenstall mit Dach wühlen zwei bis drei Schweine im Stroh welch ein Kontrast des Tierwohls zur Massentierhaltung! Zwei kleine Schimmel es ist eine Kreuzung zwischen Camarque und Andalusier sind als Vollblüter ein Verbleib seiner Reitervergangenheit. Der nach dem Flurstück so benannte Inselhof ist Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft“AbL. Auf 6 ha Ackerland wird Kleegras sowie Getreide mit Einkorn, Dinkel und Emma, ein Urkorn, angebaut. Dungverwertung und Futterproduktion - der Kreislauf der Natur erfolgt ohne Futterzukauf.

In zwei kleineren Gewächshäusern werden Tomaten, Paprika, Chili und weitere 2000 Jungpflanzen in 25 Sorten in nicht intensiver Produktion auf Märkte verkauft. Seit der Wende wurde die Tradition des Obstanbaues an den Hängen des Tales mit 160 neu gepflanzten Bäumen fortgeführt. Neben den Walnussbäumen wachsen Grafensteiner, Berlepsch und Speierlinge, z.T. in Veredlung und in gutem Pflegeschnitt.

Unsere „Bäuerin der Vielseitigkeit“ übergibt ihrem Mann den Weg zur Mühlenbrennerei, welche 2013 im alten Gebälk eines Kälberstalles eingerichtet wurde. Zwei glänzende Kupfer-Brennkessel erwecken unsere Neugier. Hier ist Wolfgang Bloier in seinem Element. Immer wieder werden ruhig und eilig Fotos für den Wahlkampf gemacht.

Erlesene Brände werden hier hergestellt (Foto: Wilhelm Roth) Erlesene Brände werden hier hergestellt. Foto: Wilhelm Roth

30 verschiedene Destilate, die er als Autodidakt erkoren und besiegelt hat, sind das Ergebnis seines Könnens. Welches Gaumengespür sein hochprozentiger Brand aus Wildpflaumen oder Wildbirnen erzeugt, vermag er uns mit Begeisterung und den Spitzen Fingern seiner rechten Hand an den Lippen vorzuführen. Dass alles steuerlich rechtens in seiner Produktion ist, zeigt er uns an den vielen Plomben des zweiten Brennkessels. Gern nimmt er sich die Zeit für ein Schaubrennen mit 8 bis 10 Personen. Am liebsten lädt er Freunde aus nah und fern ein, zum fröhlichen Genießen. Keiner von ihnen torkelt danach nach Hause.

Dann öffnet sich eine schwere hölzerne Tür zum neu restaurierten Erdkeller. Die kleinen Fässer und vielen Regale mit dosierten Flaschen und Namen bezeugen Ehrgeiz und Fleiß, wo seine Ideale sich mit der Essenz verbinden. Sie werden an verschiedene Orte geliefert nach Erfurt zum Krämerbrücke, nach Kassel und Nordhessen. Er sieht sich nicht als Konkurrent zur Worbisser Whisky-Produktion auf Burg Scharfenstein. Der Hofladen mag sicher das Herzstück unserer Gastgeberin sein. Es Gutes vom Bauern, regional, frisch und vielfältig. Ich entscheide mich für eine Rindersalami.

Liebevoll werden die Tiere betreut (Foto: Wilhelm Roth) Liebevoll werden die Tiere betreut. Foto: Wilhelm Roth

Der Inselhof gab genug Arbeit im Tageslicht für zwei Personen. Ein Praktikant ist gern willkommen. Mit der Erkenntnis, älter zu werden, kam die Entscheidung, die Nutzfläche zu halbieren auf 60 Hektar und nur noch 70 Mutterschafe und 18 Mutterkühe zu führen. Und wer wird ihr Nachfolger? Mit einem Seitenblick bekennt sich Frau Heihoff zu ihren gemeinsamen Kindern, die alle in der Ferne sind und ihre Wurzeln im Tal gelassen haben. Zuhören und Fragen sind für die Abgeordnete Rüstzeug zum Finden von kritikwürdigen Meinungen. Ob sie sich auch für den Schutz der Feldraine einsetzen wird?

Bevor wir uns dankbar verabschieden, schaue ich noch nach den vier Bienenstöcken. Als Vogelkundler vermelde ich noch die Rufe des Grünspechts, des Rotmilans und des Mäusebussards. Wenige Kleinvögel waren heute auf Nahrungssuche. Bordercollie Kito mag in guten Lebensjahren noch lange den nicht umzäunten Inselhof im grünen Tal bewachen. Wir kehren noch kurzweilig in den Gasthof „Alte Schmiede“ in Asbach zu einer Stärkung ein und erfahren von zwei Schäfern vom Erfolg der Sozialbetreuung von Jugendlichen, die einige Monate mit der Herdenführung das schöne Eichsfeld erleben können.
Wilhelm Roth
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