Mozarts Requiem im Eichsfelder Kulturhaus
Wunderbare Einstimmung auf die Karwoche
Dienstag, 16. April 2019, 19:39 Uhr
In allen christlichen Konfessionen gilt die Karwoche als die wichtigste Woche des Kirchenjahrs, die zum bedeutendsten Fest der Christenheit führt. Sie gibt Gelegenheit, uns darüber Gedanken zu machen, ob wir den Gang zum Kreuz nur als eine geschichtlich grausame Tatsache von damals betrachten,....
.... oder ob wir uns bemühen, nüchtern und ehrlich nach dem Ort des Kreuzes in unserem Leben Ausschau zu halten?
400 Gäste des Eichsfelder Kulturhauses erlebten mit der Aufführung von Mozarts unvollendet gebliebener Totenmesse von 1791, dem Mozart-Requiem, eine eindrückliche geistliche Feierstunde, die nachhaltig dieser Frage näher kam. An diesem Abend war alles besonders. Neben der Inszenierung des Requiems durch das Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters mit dem Opernchor und vier Gesangssolisten erlebte das Publikum eine ausdrucksstarke, emotionale und ergreifende Ballettaufführung.
Requiem (Foto: Gisela Reinhardt)
Der Choreograf Can Arslan ist ein in München geborener Türke, dessen Eltern beide Tänzer waren, der Tanzen im Blut hat und den der Tanz von klein auf begleitete. Er sah das Mozart-Requiem für sich als Herausforderung, das Spektrum menschlichen Empfindens, das die Musik widerspiegelt, in eine Ballettchoreografie umzuwandeln, die vom Kreislauf des Lebens kündet. Bei seiner choreografischen Auseinandersetzung mit Mozarts Requiem hatte er Menschen im Blick, die über die Gabe verfügen, Töne der Musik in unterschiedlichen Farben und Formen zu sehen.
Requiem (Foto: Gisela Reinhardt)
Er stellte sich vor, dass Mozart beim Schreiben die Töne tanzen sah. Can Arslan hat sich viele Gedanken gemacht, dass Text und Musik mit dem Werden und Vergehen als ewigen Kreis des Lebens eine Synergie ergeben. Dabei war deutlich der religiöse Hintergrund mit Elementen verschiedener Religionen zu erkennen. Das Bühnenbild wirkte in seiner Schlichtheit beängstigend. Die Sänger, die wie Hohepriester in einer Art Tribunal ungerührt auf die Tänzer herab blickten mit der Rampe in der Mitte, die als unüberwindbares Hindernis nach oben ragte.
Das Mozart’sche Requiem, inhaltlich umrahmt von der Bitte der Gläubigen um den ewigen Seelenfrieden für die Verstorbenen und dazwischen die Schilderung des Jüngsten Tages mit all seinen Schrecken, die Hoffnung auf den Eingang ins Paradies sowie der Preis der göttlichen Herrlichkeit nicht nur zu hören, sondern als Ballett zu sehen, rief Emotionen hervor. Der immerwährende Todeskampf, die Endlichkeit des Menschen, die Not und Verzweiflung, die wiederholt am verschlossenen Portal scheiterte, in tänzerische Bewegungen umgesetzt, machte deutlich, dass das Sterben ein langer Prozess und der Weg ins Paradies eine Göttliche Gnade ist.
Requiem (Foto: Gisela Reinhardt)
Dass es doch gelingt, die Hürde zu überwinden, ist für Can Arslan ein Symbol der Lebendigkeit, der Hoffnung auf einen Fortgang des Lebens – auch für unsere Toten. Das Requiem gehört zu den ältesten Elementen der katholischen Liturgie. Sein Ort im Kirchenjahr ist der 2. November, der Feiertag Allerseelen, an dem der Verstorbenen gedacht wird.
Für Mozart selbst, ist das Requiem unvollendet geblieben, da er wenige Wochen nach den ersten Kompositionen im Alter von 35 Jahren verstarb. Um die Entstehung ranken sich zahlreiche Legenden, nach denen es Mozart selbst sei, für den dieses Requiem bestimmt ist, und der es im Wettlauf mit dem Tod, der schon die Finger nach ihm ausstreckt, schreibt. Einige Gäste der Veranstaltung kamen gut vorbereitet, denn Pfarrer Ludger Dräger von der Pfarrei St. Gerhard Heiligenstadt gab am Vorabend der Requiem–Aufführung eine Unterweisung in das Werk.
Besucher des Vortrags waren ganz begeistert, von der Präzision und Umfänglichkeit seiner Erläuterungen. Er nahm nicht nur den Text unter die Lupe, er erklärte auch Zusammenhänge, Geschichtliches und die Musik, die in vielen Partien dem gesungenen Text plakative Farben leiht. Wenn zum Beispiel vom Tag des Zorns, die Rede ist, entfesselt sich im vollbesetzten Orchester ein Sturm mit erregtem Trompetengeschmetter und wildem Streichertremolo.
Wenn der König schrecklicher Gewalt, angerufen wird, zeigen punktierte Rhythmen die herrschaftliche Würde an und der Satz, in dem von Tränen die Rede ist, beginnt mit flehenden Seufzer-Figuren. Die Glaubensbotschaft des Textes wird in Mozarts Komposition nicht einfach zum Klingen gebracht, ihre Wirkung verstärkt sich durch die gefühlsbetonte Intensität des musikalischen Erlebens.
Nicht nur Mozarts-Requiem als Ballettabend war besonders, auch das Publikum passte perfekt. Während der gesamten Aufführung hörte man keinen Mucks, kein Husten, kein Räuspern, nur völlige Konzentration und Genießen mit allen Sinnen. Erst am Schluss gab es kaum enden wollenden Applaus. Die Darsteller waren ganz gerührt von soviel positiver Resonanz und kamen immer wieder hinter dem Vorhang nach vorn.
Viele Gäste des Abends sind Mitglieder in Kirchenchören und selbst aktive Chorsänger. Auch ich war mit unserem Kirchenchor zu Gast und alle waren vollkommen begeistert. Die musikalische, sängerische und tänzerische Leistung überzeugte. Lob gab es auch für das Eichsfelder Kulturhaus, das so viele hochwertige Veranstaltungen anbietet und den Gästen immer wieder ein kulturelles Erlebnis ermöglicht.
Gisela Reinhardt
Autor: ik.... oder ob wir uns bemühen, nüchtern und ehrlich nach dem Ort des Kreuzes in unserem Leben Ausschau zu halten?
400 Gäste des Eichsfelder Kulturhauses erlebten mit der Aufführung von Mozarts unvollendet gebliebener Totenmesse von 1791, dem Mozart-Requiem, eine eindrückliche geistliche Feierstunde, die nachhaltig dieser Frage näher kam. An diesem Abend war alles besonders. Neben der Inszenierung des Requiems durch das Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters mit dem Opernchor und vier Gesangssolisten erlebte das Publikum eine ausdrucksstarke, emotionale und ergreifende Ballettaufführung.
Requiem (Foto: Gisela Reinhardt)
Der Choreograf Can Arslan ist ein in München geborener Türke, dessen Eltern beide Tänzer waren, der Tanzen im Blut hat und den der Tanz von klein auf begleitete. Er sah das Mozart-Requiem für sich als Herausforderung, das Spektrum menschlichen Empfindens, das die Musik widerspiegelt, in eine Ballettchoreografie umzuwandeln, die vom Kreislauf des Lebens kündet. Bei seiner choreografischen Auseinandersetzung mit Mozarts Requiem hatte er Menschen im Blick, die über die Gabe verfügen, Töne der Musik in unterschiedlichen Farben und Formen zu sehen.
Requiem (Foto: Gisela Reinhardt)
Er stellte sich vor, dass Mozart beim Schreiben die Töne tanzen sah. Can Arslan hat sich viele Gedanken gemacht, dass Text und Musik mit dem Werden und Vergehen als ewigen Kreis des Lebens eine Synergie ergeben. Dabei war deutlich der religiöse Hintergrund mit Elementen verschiedener Religionen zu erkennen. Das Bühnenbild wirkte in seiner Schlichtheit beängstigend. Die Sänger, die wie Hohepriester in einer Art Tribunal ungerührt auf die Tänzer herab blickten mit der Rampe in der Mitte, die als unüberwindbares Hindernis nach oben ragte.
Das Mozart’sche Requiem, inhaltlich umrahmt von der Bitte der Gläubigen um den ewigen Seelenfrieden für die Verstorbenen und dazwischen die Schilderung des Jüngsten Tages mit all seinen Schrecken, die Hoffnung auf den Eingang ins Paradies sowie der Preis der göttlichen Herrlichkeit nicht nur zu hören, sondern als Ballett zu sehen, rief Emotionen hervor. Der immerwährende Todeskampf, die Endlichkeit des Menschen, die Not und Verzweiflung, die wiederholt am verschlossenen Portal scheiterte, in tänzerische Bewegungen umgesetzt, machte deutlich, dass das Sterben ein langer Prozess und der Weg ins Paradies eine Göttliche Gnade ist.
Requiem (Foto: Gisela Reinhardt)
Dass es doch gelingt, die Hürde zu überwinden, ist für Can Arslan ein Symbol der Lebendigkeit, der Hoffnung auf einen Fortgang des Lebens – auch für unsere Toten. Das Requiem gehört zu den ältesten Elementen der katholischen Liturgie. Sein Ort im Kirchenjahr ist der 2. November, der Feiertag Allerseelen, an dem der Verstorbenen gedacht wird.
Für Mozart selbst, ist das Requiem unvollendet geblieben, da er wenige Wochen nach den ersten Kompositionen im Alter von 35 Jahren verstarb. Um die Entstehung ranken sich zahlreiche Legenden, nach denen es Mozart selbst sei, für den dieses Requiem bestimmt ist, und der es im Wettlauf mit dem Tod, der schon die Finger nach ihm ausstreckt, schreibt. Einige Gäste der Veranstaltung kamen gut vorbereitet, denn Pfarrer Ludger Dräger von der Pfarrei St. Gerhard Heiligenstadt gab am Vorabend der Requiem–Aufführung eine Unterweisung in das Werk.
Besucher des Vortrags waren ganz begeistert, von der Präzision und Umfänglichkeit seiner Erläuterungen. Er nahm nicht nur den Text unter die Lupe, er erklärte auch Zusammenhänge, Geschichtliches und die Musik, die in vielen Partien dem gesungenen Text plakative Farben leiht. Wenn zum Beispiel vom Tag des Zorns, die Rede ist, entfesselt sich im vollbesetzten Orchester ein Sturm mit erregtem Trompetengeschmetter und wildem Streichertremolo.
Wenn der König schrecklicher Gewalt, angerufen wird, zeigen punktierte Rhythmen die herrschaftliche Würde an und der Satz, in dem von Tränen die Rede ist, beginnt mit flehenden Seufzer-Figuren. Die Glaubensbotschaft des Textes wird in Mozarts Komposition nicht einfach zum Klingen gebracht, ihre Wirkung verstärkt sich durch die gefühlsbetonte Intensität des musikalischen Erlebens.
Nicht nur Mozarts-Requiem als Ballettabend war besonders, auch das Publikum passte perfekt. Während der gesamten Aufführung hörte man keinen Mucks, kein Husten, kein Räuspern, nur völlige Konzentration und Genießen mit allen Sinnen. Erst am Schluss gab es kaum enden wollenden Applaus. Die Darsteller waren ganz gerührt von soviel positiver Resonanz und kamen immer wieder hinter dem Vorhang nach vorn.
Viele Gäste des Abends sind Mitglieder in Kirchenchören und selbst aktive Chorsänger. Auch ich war mit unserem Kirchenchor zu Gast und alle waren vollkommen begeistert. Die musikalische, sängerische und tänzerische Leistung überzeugte. Lob gab es auch für das Eichsfelder Kulturhaus, das so viele hochwertige Veranstaltungen anbietet und den Gästen immer wieder ein kulturelles Erlebnis ermöglicht.
Gisela Reinhardt
