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Betrachtet

Die Spitze der Manipulation

Freitag, 23. August 2019, 07:00 Uhr
Ein Prozess in Chemnitz. Ein Toter in Chemnitz im vergangenen Jahr. Mord, Totschlag, gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge? Fakt ist – nein, nach einem Urteilsspruch ist kein Fakt mehr im Mittelpunkt, statt dessen wird ein noch nicht rechtskräftig verurteilter Flüchtling defacto medial freigesprochen und ein Land angeklagt…

Die Heimat des "Spiegel" (Foto: pixabay.com) Das Flaggschiff des deutschen Journalismus in Hamburg

Wir nehmen mal an, die Situation in Chemnitz vor einem Jahr wäre – politisch/ideologisch betrachtet – spiegelverkehrt abgelaufen: Ein AfD-Mitglied, ein besorgter Bürger, ein Rechtsradikaler, ein Neonazis, ein Faschist (für einige linksorientierte Menschen gibt es da kaum noch einen Unterschied) hätte einen Flüchtling zu Tode gebracht und wäre dann zu fast zehn Jahren wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden? Was hätten dann unsere Leit-Medien berichtet? Vor allem aber wie?

Bestimmt nicht wie die Kommentatorin Beata Lakotta vom Spiegel, die vermutlich die Verhandlung in Dresden beobachtet hatte und unter anderem das niederschreibt: „Ein junger Mensch wird für lange Zeit seine Freiheit verlieren, und der Eindruck bleibt, als habe das Urteil vom ersten Verfahrenstag an festgestanden. Ein schwarzer Tag für den Rechtsstaat.“

Allein die Wahl der Adjektive verdeutlicht die Intention der Kollegin, die in Kommentaren erlaubt. Doch was wäre, wenn Kollegin Lakotta die Verurteilung eines – in ihren Wahrnehmungen rechten Neonazis – kommentiert hätte? Ich kann das nur mutmaßen – zumindest das, was die Nebenklage gefordert hatte, eine höhere Strafe also.

Und so kommt, was kommen musste: „Die beiden Verteidiger hatten angesichts dieser politisch brisanten Gemengelage vor Verfahrensbeginn verlangt, in einem anderen Bundesland gegen Alaa S. zu verhandeln; in Sachsen sei für diesen Angeklagten kein faires Verfahren garantiert. Das konnte man zu der Zeit noch als paranoid oder voreingenommen bewerten. Seit heute nicht mehr“, kommentierte Frau Lakotta.

Diese Unterstellung wird letztlich auch noch veröffentlicht. Im vermeintlichen Flaggschiff der Medien. Ich – der diesen Job 37 Jahre, in einer Diktatur und einer, für mich immer noch existierenden Demokratie, gemacht habe, ich schäme mich dafür. Ich kann das nicht glauben, dass hier scheinbar mit zweierlei Maß journalistisch gemessen und damit einseitig Meinung gebildet wird. Dass ein ganzes Bundesland, das vermutlich der Mannschaft an der Eceriusspitze in Hamburg nicht passt, so hingestellt wird, dass seine Justiz nicht mächtig ist, Justizia gerecht zu werden.

Übrigens, die seltsame Art der Meinungsbildung hat beim Spiegel nicht erst seit dem Beginn der Flüchtlingskrise Saison: Selbst die nnz und die darauf folgenden Kommentare, passten den Hamburgern nicht. Also wurden schon vor sechs Jahren Kommentare einfach abgeschaltet und alle vorhandenen gelöscht.

Fazit: Über Zuwachs für die AfD müssen sich die Kollegen nicht beschweren. Vor 25 Jahren wurde der gleiche Fehler mit der damaligen PDS begangen. Sie stellt seit 2014 einen linken Ministerpräsidenten. In mehr als einer Woche wird sich das Ergebnis dieser Form der "Wahlwerbung" zeigen.
Peter-Stefan Greiner

Bildquelle: Olle August auf Pixabay
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