Heilbad Heiligenstadt
Veronika Fischer will mit Chansons berühren
Montag, 07. Oktober 2019, 13:18 Uhr
Auch wenn man sich derzeit zwischen Kirmes- und Oktoberfesten nur schwer entscheiden kann wie man seinen Samstagabend verbringt, zog es doch mehrere hundert Gäste zum Konzert von Veronika Fischer in das Eichsfelder Kulturhaus nach Heiligenstadt. Eindrücke von Gisela Reinhardt......
Die meisten verbinden mit Liedern von Vroni Erinnerungen an wilde Zeiten des persönlichen Sturms und Drang und an die 70er bei Disco und Jugendtanz. Mit über 1,5 Millionen verkauften Alben wurde Veronika Fischer damals zur erfolgreichsten Künstlerin in der ehemaligen DDR.
Alleine ihre erste Platte Veronika Fischer & Friends verkaufte sich 1975 über 500.000 Mal. Heute blickt sie auf 50 Bühnenjahre zurück und ist sich treu geblieben. In einer schlichten schwarzen Hose-Bluse-Kombination kommt sie ohne viel Tamtam zu ihrer fünfköpfigen Band auf die Bühne und wirkt völlig Tiefen entspannt.
Sie singt Titel von ihrem neuesten Album – Woher Wohin. Es sind tolle Lieder typisch Veronika Fischer, aber doch etwas anders: reifer, ruhiger, gesetzter, weniger wild. Sie präsentiert sich als Chansonsängerin, die etwas zu sagen hat, die eine Botschaft vermitteln möchte.
Wenn sie über Liebe und Glück singt, sind ihre Texte nicht oberflächlich und simpel a la heile Welt. In dem Song die Mitte heißt es: ..Mach mir nichts vor, lüg mich nicht an, nur wenn’s die Liebe retten kann, aber nur dann. Glück ist kein Geheimtipp, Glück ist kein Geschenk von ner guten Fee, die uns verhext, Glück ist, wenn du Zeit hast, deiner Liebe zuzuschauen, wie sie mit den Jahren wächst.
Natürlich freuten sich die Gäste besonders auf Titel, wie das emotional bewegende …dass ich eine Schneeflocke wär oder das Kultlied Auf der Wiese, die zu Evergreens” im besten Sinne geworden sind. Hört man sich die Wiese auf der alten Schallplatte an, klingt: ….und den Donnerstag, den ganzen, blieben wir in unserm Bett. Und den Freitag war'n wir tanzen.
Wenn ich nur den Freitag hätt'.. heute nicht mehr so frech und spritzig, wie früher. Veronika Fischer ist mit ihren Fans älter geworden. Im Konzert muss sie alles geben, egal, ob sie erkältet ist, oder die Stimme nicht zu jeder Zeit auf dem Punkt ist. Das ist ganz besonders anstrengend. Volksmusikkünstler haben es da einfacher. Sie können Playback singen, ohne dass es das Publikum bemerkt. Vroni ist ein Profi, ein alter Hase, aber eben auch ein Mensch.
Das Publikum konnte diese Leistung schätzen und sparte nicht mit Applaus. Am Ende gab es Standing Ovation und man ließ Veronika Fischer und ihre tolle Band nicht von der Bühne ohne drei Zugaben. Ein Zugabentitel war : Sag mir, wo die Blumen sind, den bereits Marlene Dietrich und Hildegard Knef mit großem Erfolg gesungen haben. Veronika Fischer erklärte, dass es ihr angesichts der Kriege und Unruhen in der Welt ein Herzensbedürfnis ist, dieses Lied zu singen, bei dem in jeder Strophe der Kehrreim fragt, wann endlich die Menschheit aus den Fehlern früherer Generationen lernen werde.
Nach dem Konzert nahm sie sich Zeit für alle Fans, plauderte, unterschrieb Autogrammwünsche und ließ sich für manches gemeinsame Foto nötigen. Dabei blieb sie gelassen, freundlich und entspannt und erweckte nicht den Eindruck, dass das Konzert sie erschöpft hätte.
Sogar für ein interessantes Gespräch in der Garderobe, zusammen mit ihrem Freund Mario, den sie als ihren Seelenverwandten bezeichnet, stand sie zur Verfügung. Auf ihre Gelassenheit angesprochen, sagte Veronika Fischer: Entspannung ist wichtig, damit man die Leute mitnehmen kann in der Musik.
Man muss verbindlich sein und auf der Bühne immer sein Ding machen, auch im Alter. Ich habe mit meiner Band gute Jungs, das macht Spaß.
Sie erzählt von ihren Verbindungen Ost-West, dass sie früher im Osten viel Musik gemacht hat, aber dann, seit 1981 weg war. Das macht den Reiz größer, wenn man plötzlich nicht mehr da ist. Aber auch im Westen Deutschlands hat Veronika Fischer ihre Fans. Sechs neue CDs hat sie produziert, die sich 100 000mal verkauft haben. Dort habe ich auch meine Fans, aber die Unterschiedlichkeit finde ich reizvoll.
Wir sprechen über ihr Repertoire und ihren persönlichen Anspruch. Ich singe Lyrik und Poesie und ganz oft einfach Gedichte. Bei meinen Liedern präsentiere ich nur das, was mir selber Spaß macht und ich habe Freude an schönen Texten. Ich verstelle mich nicht. Das würden die Menschen merken. Ich möchte Geschichten so erzählen, dass die Zuhörer etwas für sich mitnehmen. Wichtig ist mir, dass es klug ist.
Wir haben eine so wundervolle deutsche Sprache, mit der man Texte, Empfindungen und Botschaften in die Ohren und Herzen der Menschen transportieren kann. Das ist meine Passion. Glatte Texte oder Straßensprache sind nichts für mich. Lieder sind immer Teil der eigenen Sprache und Mentalität, weil Klang und Gefühl mit der Muttersprache eng verbunden sind. Ich liebe es, mit dem Genre Chanson, die Menschen zu berühren.
Auch ihre Thüringer Wurzeln waren Inhalt unseres Gesprächs. Meine Eltern sind verstorben. Eine Schwester lebt noch in Thüringen, aber aus unserem alten Zuhause schauen fremde Menschen aus dem Fenster. Veronika Fischer erinnerte sich auch noch an ihr Konzert 1992 im Kaliwerk in Bischofferode. Da war ich im Bergwerk. Das war beeindruckend. Eine schlimme Sache. Viele Menschen haben dort ihre Arbeitsstelle verloren. Anerkennend sprach sie über den Mut und den Kampfgeist, den sie dort erlebt hat.
Bezugnehmend auf 50 Jahre Bühnenerfahrung und ihren 70. Geburtstag, der in zwei Jahren zu feiern ist, kamen wir unwillkürlich auf die Themen Alter und Endlichkeit. Dabei ist sie davon überzeugt, dass, wer interessiert, neugierig, aktiv und beweglich am Leben teilnimmt, nicht alt werden muss. Ich glaube, dass wir nach dem Tod weiterleben und unsere Seele in eine andere Welt wandert.
Unser Bewusstsein wird in eine andere Ebene gehen. Es gibt keinen Schluss. Was hätte es sonst für einen Sinn, auf der Welt zu sein. Jeder Baum geht in den Winterschlaf und erwacht im Frühling mit neuem frischem Grün. Da bin ich ganz sicher, dass auch wir uns auf ein neues Leben freuen können.
Zum Glück weiß niemand, wann der Schlussakkord kommt. Jetzt stehen erst einmal 26 weitere Konzerte auf dem Plan von Veronika Fischer, auf die sie sich sehr freut.
Gisela Reinhardt
Autor: ikDie meisten verbinden mit Liedern von Vroni Erinnerungen an wilde Zeiten des persönlichen Sturms und Drang und an die 70er bei Disco und Jugendtanz. Mit über 1,5 Millionen verkauften Alben wurde Veronika Fischer damals zur erfolgreichsten Künstlerin in der ehemaligen DDR.
Alleine ihre erste Platte Veronika Fischer & Friends verkaufte sich 1975 über 500.000 Mal. Heute blickt sie auf 50 Bühnenjahre zurück und ist sich treu geblieben. In einer schlichten schwarzen Hose-Bluse-Kombination kommt sie ohne viel Tamtam zu ihrer fünfköpfigen Band auf die Bühne und wirkt völlig Tiefen entspannt.
Sie singt Titel von ihrem neuesten Album – Woher Wohin. Es sind tolle Lieder typisch Veronika Fischer, aber doch etwas anders: reifer, ruhiger, gesetzter, weniger wild. Sie präsentiert sich als Chansonsängerin, die etwas zu sagen hat, die eine Botschaft vermitteln möchte.
Wenn sie über Liebe und Glück singt, sind ihre Texte nicht oberflächlich und simpel a la heile Welt. In dem Song die Mitte heißt es: ..Mach mir nichts vor, lüg mich nicht an, nur wenn’s die Liebe retten kann, aber nur dann. Glück ist kein Geheimtipp, Glück ist kein Geschenk von ner guten Fee, die uns verhext, Glück ist, wenn du Zeit hast, deiner Liebe zuzuschauen, wie sie mit den Jahren wächst.
Natürlich freuten sich die Gäste besonders auf Titel, wie das emotional bewegende …dass ich eine Schneeflocke wär oder das Kultlied Auf der Wiese, die zu Evergreens” im besten Sinne geworden sind. Hört man sich die Wiese auf der alten Schallplatte an, klingt: ….und den Donnerstag, den ganzen, blieben wir in unserm Bett. Und den Freitag war'n wir tanzen.
Wenn ich nur den Freitag hätt'.. heute nicht mehr so frech und spritzig, wie früher. Veronika Fischer ist mit ihren Fans älter geworden. Im Konzert muss sie alles geben, egal, ob sie erkältet ist, oder die Stimme nicht zu jeder Zeit auf dem Punkt ist. Das ist ganz besonders anstrengend. Volksmusikkünstler haben es da einfacher. Sie können Playback singen, ohne dass es das Publikum bemerkt. Vroni ist ein Profi, ein alter Hase, aber eben auch ein Mensch.
Das Publikum konnte diese Leistung schätzen und sparte nicht mit Applaus. Am Ende gab es Standing Ovation und man ließ Veronika Fischer und ihre tolle Band nicht von der Bühne ohne drei Zugaben. Ein Zugabentitel war : Sag mir, wo die Blumen sind, den bereits Marlene Dietrich und Hildegard Knef mit großem Erfolg gesungen haben. Veronika Fischer erklärte, dass es ihr angesichts der Kriege und Unruhen in der Welt ein Herzensbedürfnis ist, dieses Lied zu singen, bei dem in jeder Strophe der Kehrreim fragt, wann endlich die Menschheit aus den Fehlern früherer Generationen lernen werde.
Nach dem Konzert nahm sie sich Zeit für alle Fans, plauderte, unterschrieb Autogrammwünsche und ließ sich für manches gemeinsame Foto nötigen. Dabei blieb sie gelassen, freundlich und entspannt und erweckte nicht den Eindruck, dass das Konzert sie erschöpft hätte.
Sogar für ein interessantes Gespräch in der Garderobe, zusammen mit ihrem Freund Mario, den sie als ihren Seelenverwandten bezeichnet, stand sie zur Verfügung. Auf ihre Gelassenheit angesprochen, sagte Veronika Fischer: Entspannung ist wichtig, damit man die Leute mitnehmen kann in der Musik.
Man muss verbindlich sein und auf der Bühne immer sein Ding machen, auch im Alter. Ich habe mit meiner Band gute Jungs, das macht Spaß.
Sie erzählt von ihren Verbindungen Ost-West, dass sie früher im Osten viel Musik gemacht hat, aber dann, seit 1981 weg war. Das macht den Reiz größer, wenn man plötzlich nicht mehr da ist. Aber auch im Westen Deutschlands hat Veronika Fischer ihre Fans. Sechs neue CDs hat sie produziert, die sich 100 000mal verkauft haben. Dort habe ich auch meine Fans, aber die Unterschiedlichkeit finde ich reizvoll.
Wir sprechen über ihr Repertoire und ihren persönlichen Anspruch. Ich singe Lyrik und Poesie und ganz oft einfach Gedichte. Bei meinen Liedern präsentiere ich nur das, was mir selber Spaß macht und ich habe Freude an schönen Texten. Ich verstelle mich nicht. Das würden die Menschen merken. Ich möchte Geschichten so erzählen, dass die Zuhörer etwas für sich mitnehmen. Wichtig ist mir, dass es klug ist.
Wir haben eine so wundervolle deutsche Sprache, mit der man Texte, Empfindungen und Botschaften in die Ohren und Herzen der Menschen transportieren kann. Das ist meine Passion. Glatte Texte oder Straßensprache sind nichts für mich. Lieder sind immer Teil der eigenen Sprache und Mentalität, weil Klang und Gefühl mit der Muttersprache eng verbunden sind. Ich liebe es, mit dem Genre Chanson, die Menschen zu berühren.
Auch ihre Thüringer Wurzeln waren Inhalt unseres Gesprächs. Meine Eltern sind verstorben. Eine Schwester lebt noch in Thüringen, aber aus unserem alten Zuhause schauen fremde Menschen aus dem Fenster. Veronika Fischer erinnerte sich auch noch an ihr Konzert 1992 im Kaliwerk in Bischofferode. Da war ich im Bergwerk. Das war beeindruckend. Eine schlimme Sache. Viele Menschen haben dort ihre Arbeitsstelle verloren. Anerkennend sprach sie über den Mut und den Kampfgeist, den sie dort erlebt hat.
Bezugnehmend auf 50 Jahre Bühnenerfahrung und ihren 70. Geburtstag, der in zwei Jahren zu feiern ist, kamen wir unwillkürlich auf die Themen Alter und Endlichkeit. Dabei ist sie davon überzeugt, dass, wer interessiert, neugierig, aktiv und beweglich am Leben teilnimmt, nicht alt werden muss. Ich glaube, dass wir nach dem Tod weiterleben und unsere Seele in eine andere Welt wandert.
Unser Bewusstsein wird in eine andere Ebene gehen. Es gibt keinen Schluss. Was hätte es sonst für einen Sinn, auf der Welt zu sein. Jeder Baum geht in den Winterschlaf und erwacht im Frühling mit neuem frischem Grün. Da bin ich ganz sicher, dass auch wir uns auf ein neues Leben freuen können.
Zum Glück weiß niemand, wann der Schlussakkord kommt. Jetzt stehen erst einmal 26 weitere Konzerte auf dem Plan von Veronika Fischer, auf die sie sich sehr freut.
Gisela Reinhardt

