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Bistum Erfurt

Bischof fordert Einhaltung der Behörden-Auflagen und Solidarität

Montag, 16. März 2020, 12:12 Uhr
Der katholische Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr hat einen Brief zur Corona-Krise an die Katholiken des Bistums Erfurt geschrieben. Darin fordert er, den Anweisungen der zuständigen staatlichen Behörden zu folgen und Solidarität zu üben, „zurzeit besonders mit älteren und kranken Menschen und mit allen, die in Arztpraxen und Krankenhäusern arbeiten.“.....

Für die Gläubigen sei die Sonntagspflicht bis zum Ende der behördlichen Maßnahmen ausgesetzt. Das Bistum Erfurt hatte zuvor schon am Donnerstag (12. März) Regelungen für Gottesdienste und kirchliche Veranstaltungen getroffen, deren Basis die behördlichen Auflagen bildeten.

In seinem Brief schreibt der Bischof: „Wir wissen, dass unser Leben jederzeit bedroht ist durch Krankheiten, Unfälle oder Katastrophen. Trotzdem gehen wir beim Aufstehen davon aus, dass wir am Abend wieder ins Bett gehen werden. Diese selbstverständliche Zuversicht ist durch das Corona-Virus erschüttert – nicht nur für Einzelne, sondern für die ganze Gesellschaft.“

Das Verbot öffentlicher Veranstaltungen oder die Begrenzung der Teilnehmerzahl treffe die Christen sehr hart, sagt Neymeyr. „Gerade jetzt in Zeiten dieser unheimlichen Angst bräuchten wir die Gemeinschaft der Gläubigen im Gottesdienst und die Gewissheit der Gegenwart Jesu Christi in den Sakramenten.“

Wo öffentliche Veranstaltungen ganz verboten sind, müssten die Priester privat zelebrieren. In diesem Zusammenhang erinnert der Bischof die Priester daran, „dass wir die Sonntagsmesse immer für alle uns anvertrauten Gläubigen feiern, auch für die, die nicht da sind.“

Bei aller Angst, die das Corona-Virus auslöst, und der Lähmung des öffentlichen Lebens sieht Bischof Neymeyr aber auch, dass durch die Geschehnisse ein „grundlegender Wert unserer Gesellschaft“ freigelegt werde: die Solidarität. „Das Virus macht nicht halt vor Landesgrenzen und gesellschaftlichen Milieus, es unterscheidet nicht zwischen politischen Systemen und Parteien und ergreift alle Religionen oder Hautfarben. Wir sitzen alle im selben Boot der Erde“, so der Bischof.

Die notwendige Solidarität erfordere auch die Einhaltung der behördlichen Maßnahmen. „Ich hoffe und bete, dass diese Solidarität in unserer Gesellschaft nicht zerbröckelt, sondern wächst, und dass jetzt nicht die Not anderer übersehen wird, vor allem der geflüchteten Menschen in Syrien, in der Türkei und in Griechenland“, schreibt Neymeyr. Auch „unser Gebet ist eine wichtige Form der Solidarität.“

Der Erfurter Bischof kündigt in seinem Brief an, noch „heute Mittag zum Hülfensberg zu wallfahren, um den gekreuzigten Herrn Jesus Christus, den ‚Gehülfen‘, um seinen Beistand für uns alle zu bitten.“ Er werde ihn anflehen, „dass wir dort bald nach dem Ende der behördlichen Maßnahmen ein Fest der Befreiung feiern können. Bis dahin kann ich aber die Erkenntnisse der Wissenschaftler nicht in den Wind schlagen und bitte Sie alle um die geforderte Solidarität.“
Autor: ik

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