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Tobias Reinhold, Pfarrer in Teistungen:

Der Wert der heiligen Kommunion

Sonntag, 19. April 2020, 08:07 Uhr
Am heutigen „Weißen Sonntag“ wollten viele Kinder zum ersten Mal die heilige Kommunion empfangen. In Hundeshagen war eine Erstkommunionfeier mit 19 Kindern geplant, in Berlingerode mit 15 Kindern. Die besonderen Umstände des Coronavirus haben diese Feiern durchkreuzt....

Viele Gläubige können momentan gar nicht an den Tisch des Herrn treten, sondern oft nur die „geistige Kommunion“ in den Medien mitfeiern. Wir erinnern uns in diesen Tagen aber an unsere eigene "Erstkommunion", an Mädchen in weißen Kleidern und Jungen in dunklen Anzügen, alle mit einer schön gestalteten Kerze in der Hand.

Nach einer Zeit der Vorbereitung treten sie mit großer Erwartung zum ersten Mal an den Tisch des Herrn, das heißt: sie dürfen in der Eucharistiefeier den Leib des Herrn - die Kommunion - empfangen. Es ist ein besonderer Tag, an dem im Kreis der Familie, Verwandten und Bekannten auch ein festliches Mahl gefeiert wird.

In diesem Bild kommt etwas von der Bedeutung der Kommunion zum Ausdruck. Kommunion heißt: Gemeinschaftsmahl. Schauen wir in die Bibel, so lesen wir dort an vielen Stellen von Mahlen, die Jesus mit unterschiedlichen Menschen gefeiert hat. Kommunion ist Einswerden mit Christus. Was sich beim Empfang dieses unscheinbaren Brotes wirklich vollzieht, lässt sich niemals in Worten aussagen, bleibt ein großes Geheimnis.

Eins ist aber sehr wichtig: wir nehmen nicht nur ein Stückchen Brot, sondern wir nehmen eine "Person" - Jesus Christus - in uns auf. Wie der Körper durch die leibliche Speise gestärkt wird, so ist die Kommunion Nahrung für unser geistliches Leben.

Die Sichtweise des Kommunionempfangs war nicht zu allen Zeiten gleich. Während sich die Christen der ersten Jahrhunderte zum Brotbrechen versammelten, um dieses Brot dann auch zu essen, also zu kommunizieren, nahm der Kommunionempfang ab dem 4. Jh. n. Chr. sehr ab, nicht weil die Wertschätzung für dieses eucharistische Geschenk zurückging, sondern aus zunehmender Angst und Ehrfurcht. Die Menschen fühlten sich unwürdig, den Leib des Herrn zu empfangen. Im frühen Mittelalter wurde erwartet, dass die Gläubigen an den drei Hochfesten - Weihnachten, Ostern und Pfingsten – zum Tisch des Herrn gingen.

Das 4. Laterankonzil (im Jahr 1215) schrieb den Kommunionempfang dann nur noch für das Osterfest vor. Die Frömmigkeit dieser Zeit war mehr auf das Schauen – die geistige Kommunion - ausgerichtet als auf das Kommunizieren, wodurch die eucharistische Anbetung in den Vordergrund rückte. Erst 1905 wurde durch das Dekret von Papst Pius X. über die tägliche Kommunion eine Wende herbeigeführt und es entstand die Praxis des sonntäglichen Kommunionempfangs.

Kommunion ist Vereinigung mit Christus und untereinander. So dürfen wir uns gerade in dieser Krisenzeit fragen, was die heilige Kommunion bedeutet für unseren Glauben, unsere Gottesbeziehung und für unser Leben.
Pfarrer Tobias Reinhold
Kath. Pfarramt St. Andreas Teistungen
Autor: ik

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