Lebensmittel aus Cannabisextrakt
Autofahrer unter Kifferverdacht
Samstag, 05. September 2020, 11:03 Uhr
Etwa drei Millionen Menschen in Deutschland konsumieren Lebensmittel aus der Cannabispflanze. Das rauschfreie Cannabidiol (CBD) kann Schmerzen lindern und taugt als Einschlafhilfe. Wenn aber Grenzwerte überschritten werden können Autofahrer bei einer Kontrolle unter Kifferverdacht geraten, obwohl sie nie einen Joint geraucht haben...
Erlaubt sind als Beigabe bis zu 0,2 Prozent des rauscherzeugenden THC (Tetrahydrocannabinol). Doch dieser Wert wird oft um ein Vielfaches überschritten, warnen Lebensmittelchemiker.
Der Markt ist schneller als die Politik, CBD-Produkte müssen dringend mehr überwacht und der Handel geregelt werden, fordert Niklas Schrader, Drogenpolitischer Sprecher der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus. Seit Arzneimittel aus Hanf auf Rezept legalisiert sind, überschwemmen Produkte den Markt. Viele sind illegal, da sie entweder als Betäubungsmittel eingestuft sind oder als Novel Food ohne Zulassung, erklärt Dirk Lachenmeier, Lebensmittelchemiker und Sachverständiger beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe.
So ergaben Stichproben von Hanf- und CBD-Proben gravierende Mängel: 28 von 49 untersuchten Produkten überschritten die erlaubte THC-Menge teils erheblich, elf waren gesundheitsschädlich, 17 nicht zum Verzehr geeignet. Im schlimmsten Fall kann schon eine Einzeldosis solcher Produkte Autofahrer fahruntüchtig machen, so Lachenmeier. Während Produkte auf Hanfsamenbasis unkritisch sind, gelten besonders Blütentees und Hanfextrakte wie CBD-Öle als gefährlich. Solche Produkte können die Rauschdosis eines Joints von 10 bis 20 Milligramm enthalten. Bei einer Drogenkontrolle lässt sich das verbotene THC noch Tage später im Urin nachweisen.
Bisher seien keine Hanfextrakte als Novel Food in Deutschland zugelassen, bestätigt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Das Bundesinstitut für Risikobewertung kritisiert die THC-Gehalte, die teils so hoch sind wie in Arzneimitteln und gesenkt werden sollten. Einen Missbrauch der CBD-Produkte muss der Gesetzgeber ausschließen, es müssen eindeutige Regelungen und Grenzwerte geschaffen werden, die bundesweit gelten – wie bei Alkohol, fordert Drogenexperte Niklas Schrader.
Mehr über Probleme durch hanfhaltige Lebensmittel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 36/2020 von AUTO BILD, die am 3. September erscheint.
Autor: redErlaubt sind als Beigabe bis zu 0,2 Prozent des rauscherzeugenden THC (Tetrahydrocannabinol). Doch dieser Wert wird oft um ein Vielfaches überschritten, warnen Lebensmittelchemiker.
Der Markt ist schneller als die Politik, CBD-Produkte müssen dringend mehr überwacht und der Handel geregelt werden, fordert Niklas Schrader, Drogenpolitischer Sprecher der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus. Seit Arzneimittel aus Hanf auf Rezept legalisiert sind, überschwemmen Produkte den Markt. Viele sind illegal, da sie entweder als Betäubungsmittel eingestuft sind oder als Novel Food ohne Zulassung, erklärt Dirk Lachenmeier, Lebensmittelchemiker und Sachverständiger beim Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe.
So ergaben Stichproben von Hanf- und CBD-Proben gravierende Mängel: 28 von 49 untersuchten Produkten überschritten die erlaubte THC-Menge teils erheblich, elf waren gesundheitsschädlich, 17 nicht zum Verzehr geeignet. Im schlimmsten Fall kann schon eine Einzeldosis solcher Produkte Autofahrer fahruntüchtig machen, so Lachenmeier. Während Produkte auf Hanfsamenbasis unkritisch sind, gelten besonders Blütentees und Hanfextrakte wie CBD-Öle als gefährlich. Solche Produkte können die Rauschdosis eines Joints von 10 bis 20 Milligramm enthalten. Bei einer Drogenkontrolle lässt sich das verbotene THC noch Tage später im Urin nachweisen.
Bisher seien keine Hanfextrakte als Novel Food in Deutschland zugelassen, bestätigt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Das Bundesinstitut für Risikobewertung kritisiert die THC-Gehalte, die teils so hoch sind wie in Arzneimitteln und gesenkt werden sollten. Einen Missbrauch der CBD-Produkte muss der Gesetzgeber ausschließen, es müssen eindeutige Regelungen und Grenzwerte geschaffen werden, die bundesweit gelten – wie bei Alkohol, fordert Drogenexperte Niklas Schrader.
Mehr über Probleme durch hanfhaltige Lebensmittel lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 36/2020 von AUTO BILD, die am 3. September erscheint.
