nnz-Betrachtung zu mysteriösen Mordanschlägen
Der dreiste Giftmischer im Kreml
Samstag, 05. September 2020, 13:00 Uhr
Man muss wohl kein profunder Kenner von Netflix-Politthrillern sein, um bei dem erneuten Giftanschlag gegen einen prominenten Russen hellhörig zu werden. So diffus die Tat immer noch ist, so einstimmig empört ist das Urteil von Politik und Medien, meint Olaf Schulze …
Er hat es also wieder getan! Der Irre im Kreml vergiftet nach dem pensionierten Geheimdienstmitarbeiter Sergej Skripal 2018 in London nun auch seinen, laut westlicher Medien, schärfsten innenpolitischen Widersacher, den Bürgerrechter Alexej Nawalny. Und wieder benutzt Wladimir der Schreckliche dafür Novishok, ein zu Sowjetzeiten entwickeltes Nervengift, über das nur die Russen und ihr Geheimdienst verfügen. Mit der richtigen Dosierung scheinen sie aber nach wie vor Schwierigkeiten zu haben, denn beide Opfer (eigentlich drei, denn Skripals Tochter wurde ja auch in Mitleidenschaft gezogen) überlebten den Anschlag. Vielleicht mangelt es den Russen einfach an einem ordentlichen Chemiker, wie ihn das Bundeswehr-Speziallabor hat, in welchem der Anschlag eine Woche später lückenlos aufgeklärt werden konnte. Somit ist bewiesen, dass wieder einmal der Kreml dahintersteckt. Jemand anderes hat ja das Nervengift nicht.
Und auch der Zeitpunkt passt dem Despoten an der Newa bestens. In Weißrussland wird gerade sein Einfluss hinterfragt und die ganze Welt warnt munter vor sich hin, er solle sich dort ja nicht einmischen wie in der Ukraine. Obendrein steht zufälligerweise auch die von vielerlei Parteien und Regierungen heftig angefeindete Verlegung der Nordstream-II-Pipeline kurz vor der Vollendung, die Russlands Gas einen gesicherten Zugang zum deutschen und europäischen Markt verschaffen und dem amerikanischen Fracking-Gas die Tour vermasseln würde. Was liegt da für den wahnsinnigen Despoten näher als einen bürgerrechtlichen Widerstandskämpfer perfide ermorden zu lassen?
Erst lässt ihn Putin im Flugzeug ohnmächtig werden, dann verlegt er diesen Nawalny in ein Krankenhaus in Omsk, wo der trotz geheimdienstlicher Behandlung immer noch nicht verstirbt und schließlich übergibt man ihn den Deutschen. Wohl in der Hoffnung, dass die das Mordwerk endlich vollenden?
Aber da hat sich der Kleinst-Napoleon am Spasski-Turm gründlich getäuscht. Die unabhängige medizinische Untersuchung bringt sofort ans Licht, was von Trump bis Habeck und BILD bis Spiegel alle schon gewusst haben: Es war ein Komplott des Kreml-Diktators!
Der perfide Plan ist durchschaut und es bedarf einer harten Strafe. Natürlich hat der in Geheimdienstfragen unerfahrene Putin nicht geahnt, dass dieser finstere Mordversuch jemals das erhellende Licht der Wahrheit erblicken würde. Und weltpolitisch fehlt ihm da nach nur zwanzig Jahren Regierungszeit einfach noch das nötige Fingerspitzengefühl für das richtige Timing abgeschmackter Mordanschläge.
Nun ist der Fall Nawalny noch frisch, das Opfer liegt glücklicherweise noch lebend in der Charité im Koma, ist also nicht vernehmungsfähig. Aber der Fall des ebenfalls mit Novishok vergifteten pensionierten Doppelagenten Sergej Skripal liegt ja schon etwas länger zurück. Wie ist es damit eigentlich weitergegangen?
Ein Jahr lang gingen Spezialkräfte in ihren weißen Schutzanzügen in dem Haus von Sergei Skripal ein und aus, das Grundstück in der kleinen südenglischen Stadt Salisbury war weiträumig abgesperrt. Das Gift sollen die Täter auf den Türgriff des Hauses des ehemaligen russischen Agenten geschmiert haben. So heißt es in einem meterlangen Wikipedia-Eintrag zu Sergej Skripal.
Also nichts genaues weiß man nicht. Es existiert aber ein Foto, das zwei russische Offiziere in Zivil in Salisbury, dem Ort des Verbrechens, zeigt. Russland dementiert jede Verwicklung, die andere Seite kann beim besten Willen nicht das Gegenteil beweisen. Und was sagen Skripal und seine Tochter?
Die sagen nichts, denn sie sind verschwunden. Wenn wir wieder Wikipedia bemühen, finden wir folgenden Absatz: Dass Sergej Skripal den Giftanschlag überlebt hat, ist aufgrund der Tatsache, dass er und seine Tochter an einem geheimen sicheren Ort untergebracht wurden, nicht belegbar. Ein im Mai 2019 von der Nichte Viktoria Skripal veröffentlichter Telefonanruf Skripals schien ein Hinweis zu sein, dass Sergei Skripal noch lebt. Die Rolle Viktoria Skripals ist unklar, sie zweifelt, ohne näheren Wissens in der Angelegenheit, die britischen Angaben zum Tathergang an und unterstützt offen die Version Moskaus. Gut zwei Jahre nach der Vergiftung meldete ein britischer Pressebericht, dass die Skripals einen Aufenthalt außerhalb Großbritanniens anstrebten.
Mit anderen Worten: sie sind nach wie vor am Leben und in der Obhut des britischen Geheimdienstes. Wem das noch nicht verschwörungstheoretisch genug ist, für den haben wir hier noch einen weiteren kurzen Auszug aus der Internet-Wissensmaschine:
Nur wenige Monate später (nach dem Anschlag auf die Skripals, d.Red.) war ein britisches Paar auf tragische Weise mit dem Nervengift in Berührung gekommen, die 44-Jährige Dawn Sturgess starb nur Tage später an den Folgen. Der Mann, Charlie Rowley, hatte ein Parfumfläschchen mit dem Nervengift gefunden und seiner Partnerin geschenkt. Die Täter hatten das Fläschchen offenbar achtlos weggeschmissen.
Parfümfläschchen - geschenkt - von den Tätern achtlos weggeschmissen? Das klingt allerdings stark nach Breaking Bad.
Russische Ärzte behaupten inzwischen, Nawalny habe mehrere Diäten gleichzeitig absolviert und sei deshalb kollabiert. Auch nicht so toll. Und Gregor Gisy, der Säulenheilige der Linken, glaubt, dass die Nordstream-II-Gegner dahinterstecken.
Bei so vielen politischen Anschlägen in der Geschichte sind die wahren Täter nie gefasst worden. Ob J.F. Kennedy, Olof Palme, Uwe Barschel oder Boris Nemzow, die Mörder waren keine Dilettanten, die sich an der nächsten Ecke schnappen ließen. Eine Ausnahme bildet da wohl nur der russische Geheimdienst mit seinem patentierten Spezialnervengift.
Die Wahrheit zu dieser neuerlichen Räuberpistole aus dem Reich des Bösen werden wir wohl nie erfahren, sollten uns aber immer die Frage stellen, die schon die alten Römer umtrieb: Cui bono? Wem nützt es?
Und wir wollen Alexej Nawalny natürlich baldige Genesung wünschen.
Olaf Schulze
Autor: oschEr hat es also wieder getan! Der Irre im Kreml vergiftet nach dem pensionierten Geheimdienstmitarbeiter Sergej Skripal 2018 in London nun auch seinen, laut westlicher Medien, schärfsten innenpolitischen Widersacher, den Bürgerrechter Alexej Nawalny. Und wieder benutzt Wladimir der Schreckliche dafür Novishok, ein zu Sowjetzeiten entwickeltes Nervengift, über das nur die Russen und ihr Geheimdienst verfügen. Mit der richtigen Dosierung scheinen sie aber nach wie vor Schwierigkeiten zu haben, denn beide Opfer (eigentlich drei, denn Skripals Tochter wurde ja auch in Mitleidenschaft gezogen) überlebten den Anschlag. Vielleicht mangelt es den Russen einfach an einem ordentlichen Chemiker, wie ihn das Bundeswehr-Speziallabor hat, in welchem der Anschlag eine Woche später lückenlos aufgeklärt werden konnte. Somit ist bewiesen, dass wieder einmal der Kreml dahintersteckt. Jemand anderes hat ja das Nervengift nicht.
Und auch der Zeitpunkt passt dem Despoten an der Newa bestens. In Weißrussland wird gerade sein Einfluss hinterfragt und die ganze Welt warnt munter vor sich hin, er solle sich dort ja nicht einmischen wie in der Ukraine. Obendrein steht zufälligerweise auch die von vielerlei Parteien und Regierungen heftig angefeindete Verlegung der Nordstream-II-Pipeline kurz vor der Vollendung, die Russlands Gas einen gesicherten Zugang zum deutschen und europäischen Markt verschaffen und dem amerikanischen Fracking-Gas die Tour vermasseln würde. Was liegt da für den wahnsinnigen Despoten näher als einen bürgerrechtlichen Widerstandskämpfer perfide ermorden zu lassen?
Erst lässt ihn Putin im Flugzeug ohnmächtig werden, dann verlegt er diesen Nawalny in ein Krankenhaus in Omsk, wo der trotz geheimdienstlicher Behandlung immer noch nicht verstirbt und schließlich übergibt man ihn den Deutschen. Wohl in der Hoffnung, dass die das Mordwerk endlich vollenden?
Aber da hat sich der Kleinst-Napoleon am Spasski-Turm gründlich getäuscht. Die unabhängige medizinische Untersuchung bringt sofort ans Licht, was von Trump bis Habeck und BILD bis Spiegel alle schon gewusst haben: Es war ein Komplott des Kreml-Diktators!
Der perfide Plan ist durchschaut und es bedarf einer harten Strafe. Natürlich hat der in Geheimdienstfragen unerfahrene Putin nicht geahnt, dass dieser finstere Mordversuch jemals das erhellende Licht der Wahrheit erblicken würde. Und weltpolitisch fehlt ihm da nach nur zwanzig Jahren Regierungszeit einfach noch das nötige Fingerspitzengefühl für das richtige Timing abgeschmackter Mordanschläge.
Nun ist der Fall Nawalny noch frisch, das Opfer liegt glücklicherweise noch lebend in der Charité im Koma, ist also nicht vernehmungsfähig. Aber der Fall des ebenfalls mit Novishok vergifteten pensionierten Doppelagenten Sergej Skripal liegt ja schon etwas länger zurück. Wie ist es damit eigentlich weitergegangen?
Ein Jahr lang gingen Spezialkräfte in ihren weißen Schutzanzügen in dem Haus von Sergei Skripal ein und aus, das Grundstück in der kleinen südenglischen Stadt Salisbury war weiträumig abgesperrt. Das Gift sollen die Täter auf den Türgriff des Hauses des ehemaligen russischen Agenten geschmiert haben. So heißt es in einem meterlangen Wikipedia-Eintrag zu Sergej Skripal.
Also nichts genaues weiß man nicht. Es existiert aber ein Foto, das zwei russische Offiziere in Zivil in Salisbury, dem Ort des Verbrechens, zeigt. Russland dementiert jede Verwicklung, die andere Seite kann beim besten Willen nicht das Gegenteil beweisen. Und was sagen Skripal und seine Tochter?
Die sagen nichts, denn sie sind verschwunden. Wenn wir wieder Wikipedia bemühen, finden wir folgenden Absatz: Dass Sergej Skripal den Giftanschlag überlebt hat, ist aufgrund der Tatsache, dass er und seine Tochter an einem geheimen sicheren Ort untergebracht wurden, nicht belegbar. Ein im Mai 2019 von der Nichte Viktoria Skripal veröffentlichter Telefonanruf Skripals schien ein Hinweis zu sein, dass Sergei Skripal noch lebt. Die Rolle Viktoria Skripals ist unklar, sie zweifelt, ohne näheren Wissens in der Angelegenheit, die britischen Angaben zum Tathergang an und unterstützt offen die Version Moskaus. Gut zwei Jahre nach der Vergiftung meldete ein britischer Pressebericht, dass die Skripals einen Aufenthalt außerhalb Großbritanniens anstrebten.
Mit anderen Worten: sie sind nach wie vor am Leben und in der Obhut des britischen Geheimdienstes. Wem das noch nicht verschwörungstheoretisch genug ist, für den haben wir hier noch einen weiteren kurzen Auszug aus der Internet-Wissensmaschine:
Nur wenige Monate später (nach dem Anschlag auf die Skripals, d.Red.) war ein britisches Paar auf tragische Weise mit dem Nervengift in Berührung gekommen, die 44-Jährige Dawn Sturgess starb nur Tage später an den Folgen. Der Mann, Charlie Rowley, hatte ein Parfumfläschchen mit dem Nervengift gefunden und seiner Partnerin geschenkt. Die Täter hatten das Fläschchen offenbar achtlos weggeschmissen.
Parfümfläschchen - geschenkt - von den Tätern achtlos weggeschmissen? Das klingt allerdings stark nach Breaking Bad.
Russische Ärzte behaupten inzwischen, Nawalny habe mehrere Diäten gleichzeitig absolviert und sei deshalb kollabiert. Auch nicht so toll. Und Gregor Gisy, der Säulenheilige der Linken, glaubt, dass die Nordstream-II-Gegner dahinterstecken.
Bei so vielen politischen Anschlägen in der Geschichte sind die wahren Täter nie gefasst worden. Ob J.F. Kennedy, Olof Palme, Uwe Barschel oder Boris Nemzow, die Mörder waren keine Dilettanten, die sich an der nächsten Ecke schnappen ließen. Eine Ausnahme bildet da wohl nur der russische Geheimdienst mit seinem patentierten Spezialnervengift.
Die Wahrheit zu dieser neuerlichen Räuberpistole aus dem Reich des Bösen werden wir wohl nie erfahren, sollten uns aber immer die Frage stellen, die schon die alten Römer umtrieb: Cui bono? Wem nützt es?
Und wir wollen Alexej Nawalny natürlich baldige Genesung wünschen.
Olaf Schulze
