Lichtblick
Gedanken über das "Klären"
Freitag, 02. Oktober 2020, 09:00 Uhr
In unserem Pfarrbereich gibt es seit März ein digitales Andachtsformat. Jede Woche gibt es ein kurzes Video, dass über die sozialen Medien verbreitet wird. Ein Impuls zu einem Bibelspruch oder zu einer gesellschaftlichen Diskussion und das ganze an einem markanten Ort in der Umgebung von Allstedt...
Diese Woche waren wir an der Kläranlage in Allstedt. Richtig gehört: Kläranlage. Sie können ja jetzt mal überlegen was sie als allererstes mit Kläranlage assoziiert haben: Das gereinigte, was herauskommt, wenn die Anlage ihren Zweck richtig erfüllt hat und was uns etwas nützt, wenn es zurück in unseren alltäglichen Kreislauf fließt? Oder die Fäkalien, die hineinfließen? Bei mir ist es erst einmal letzteres. Oder an was denken sie wenn ihnen jemand sagt: Ich arbeite im Klärwerk..
Höchstwahrscheinlich ist der erste Gedanke eher mit Ekel behaftet als mit Dankbarkeit, dass jemand sich um die Klärung kümmert.
Und dieses Bild bringt mich dann sehr schnell zu den großen Fragen unseres Lebens und der Gesellschaft. Warum es oftmals solange dauert, bis Dinge aufgearbeitet und geklärt werden. Im Osten hat es 30 Jahre gedauert bis halbwegs offen angefangen wurde nicht nur über die Erfolge der Wiedervereinigung zu sprechen, sondern auch von den Verlusten die sie verursacht hat. Und wenn heute über unsere Verantwortung für Planet und Mensch gesprochen wird, gibt es ähnliche Abwehr-Reaktionen: Denn um da an Kern der Sache zu kommen und um eine Einschätzung, die uns weiterbringt muss man eben erst einmal den Dreck bzw. die Scheiße anschauen, die bis zu diesem Zeitpunkt passiert ist. Und das ist in der Regel nicht besonders angenehm.
Und so, denke ich, ist es auch in unseren ganz persönlichen Situationen, wenn wir tief im Dreck stecken. Dass zu klären, ist meistens anstrengend und unangenehm.
Ein Tagesspruch diese Woche stammte aus dem Johannes- Evangelium im 8 Kapitel: Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
Die Wahrheit. Die Wahrheit ist ein stark umkämpfter Begriff, gerade im Internet. Jeder will sie haben und es gibt einige, die genau wissen wie die Wahrheit aussieht. Ich möchte Ihnen erzählen, wie ich den Satz aus dem Evangelium verstehe.
Die Wahrheit von dem das Johannes Evangelium spricht, bezieht sich auf das Leben und Sterben Jesu. Diese Wahrheit ist nach dem Johannes -Evangelium: Mein Mist, mein Dreck, die Scheiße, die ich tue, erlebe, für die ich mitverantwortlich bin, die mir auch selbst geschieht; die hat einen Platz. Ich kann sie ablegen und aussprechen. Bei Gott selbst. Zu ihm kann ich kommen und bin trotzdem noch Mensch. Respektiert, wertvoll, liebenswert. Dort beginnt für mich die Klärung der Dinge. Ich kann sagen was ich niemanden sagen kann oder will. Den Mist aussprechen und beginnen mich so von ihm zu befreien. Ich mache die Erfahrung, dass ich damit auch die Freiheit erlange, die Sache mit dem jeweiligen Menschen aus der Welt zu schaffen und Verantwortung zu übernehmen.
Was würden Sie vor Gott bringen, dass sie quält? Was würde es bedeuten, wenn wir uns als Gesellschaft nicht vor dem Dreck den wir uns gegenseitig antun verstecken, sondern eine Klärung beginnen?
Was wenn die Freude über neue Beziehung, über Neubeginn stärker wäre, als die Furcht oder der Ekel vor dem Mist, in dem wir manchmal stecken?
Ich vertraue darauf, dass Gottes Ohr immer offen ist,dass seine Liebe für uns Menschen immer brennt.
Bleiben Sie behütet in dieser herausfordernden Zeit.
Pfarrer Martin Weber
Autor: redDiese Woche waren wir an der Kläranlage in Allstedt. Richtig gehört: Kläranlage. Sie können ja jetzt mal überlegen was sie als allererstes mit Kläranlage assoziiert haben: Das gereinigte, was herauskommt, wenn die Anlage ihren Zweck richtig erfüllt hat und was uns etwas nützt, wenn es zurück in unseren alltäglichen Kreislauf fließt? Oder die Fäkalien, die hineinfließen? Bei mir ist es erst einmal letzteres. Oder an was denken sie wenn ihnen jemand sagt: Ich arbeite im Klärwerk..
Höchstwahrscheinlich ist der erste Gedanke eher mit Ekel behaftet als mit Dankbarkeit, dass jemand sich um die Klärung kümmert.
Und dieses Bild bringt mich dann sehr schnell zu den großen Fragen unseres Lebens und der Gesellschaft. Warum es oftmals solange dauert, bis Dinge aufgearbeitet und geklärt werden. Im Osten hat es 30 Jahre gedauert bis halbwegs offen angefangen wurde nicht nur über die Erfolge der Wiedervereinigung zu sprechen, sondern auch von den Verlusten die sie verursacht hat. Und wenn heute über unsere Verantwortung für Planet und Mensch gesprochen wird, gibt es ähnliche Abwehr-Reaktionen: Denn um da an Kern der Sache zu kommen und um eine Einschätzung, die uns weiterbringt muss man eben erst einmal den Dreck bzw. die Scheiße anschauen, die bis zu diesem Zeitpunkt passiert ist. Und das ist in der Regel nicht besonders angenehm.
Und so, denke ich, ist es auch in unseren ganz persönlichen Situationen, wenn wir tief im Dreck stecken. Dass zu klären, ist meistens anstrengend und unangenehm.
Ein Tagesspruch diese Woche stammte aus dem Johannes- Evangelium im 8 Kapitel: Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
Die Wahrheit. Die Wahrheit ist ein stark umkämpfter Begriff, gerade im Internet. Jeder will sie haben und es gibt einige, die genau wissen wie die Wahrheit aussieht. Ich möchte Ihnen erzählen, wie ich den Satz aus dem Evangelium verstehe.
Die Wahrheit von dem das Johannes Evangelium spricht, bezieht sich auf das Leben und Sterben Jesu. Diese Wahrheit ist nach dem Johannes -Evangelium: Mein Mist, mein Dreck, die Scheiße, die ich tue, erlebe, für die ich mitverantwortlich bin, die mir auch selbst geschieht; die hat einen Platz. Ich kann sie ablegen und aussprechen. Bei Gott selbst. Zu ihm kann ich kommen und bin trotzdem noch Mensch. Respektiert, wertvoll, liebenswert. Dort beginnt für mich die Klärung der Dinge. Ich kann sagen was ich niemanden sagen kann oder will. Den Mist aussprechen und beginnen mich so von ihm zu befreien. Ich mache die Erfahrung, dass ich damit auch die Freiheit erlange, die Sache mit dem jeweiligen Menschen aus der Welt zu schaffen und Verantwortung zu übernehmen.
Was würden Sie vor Gott bringen, dass sie quält? Was würde es bedeuten, wenn wir uns als Gesellschaft nicht vor dem Dreck den wir uns gegenseitig antun verstecken, sondern eine Klärung beginnen?
Was wenn die Freude über neue Beziehung, über Neubeginn stärker wäre, als die Furcht oder der Ekel vor dem Mist, in dem wir manchmal stecken?
Ich vertraue darauf, dass Gottes Ohr immer offen ist,dass seine Liebe für uns Menschen immer brennt.
Bleiben Sie behütet in dieser herausfordernden Zeit.
Pfarrer Martin Weber
