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Landkreis Eichsfeld

Landrat: "Lage ist dramatisch!"

Sonntag, 13. Dezember 2020, 18:35 Uhr
Lieber Bürgerinnen und Bürger,

ich schreibe diese Zeilen unter dem Eindruck der soeben zu Ende gegangenen Sitzung des Corona-Krisenstabes.

Die Lage ist dramatisch. Auch unsere Infektionszahlen steigen explosionsartig. Das Gesundheitsamt arbeitet hervorragend und ist dennoch nicht in der Lage, in der gesamten Aufgabenbreite alle notwendigen Tätigkeiten ausreichend zu erledigen.

Besonders gilt dieses für die Kontaktnachverfolgung. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass zuweilen auf eine infizierte Person bis zu 30 Kontakte entfallen, welche ermittelt und beurteilt werden müssen.

Hier kommt das Gesamtsystem einfach an seine Grenzen.

Dankbar sind wir für die gute Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten und Pflegeeinrichtungen, aber auch mit den Schulen und Kindergärten oder auch anderen Kreis-ansässigen Unternehmen. Alle sind gewillt und geben ihr Bestes.
Allgemein gelobt wurde das Verhalten der Bevölkerung im öffentlichen Raum.

Hier wird die Einhaltung der „Maskenpflicht“, sofern sie besteht, insgesamt als gut eingeschätzt. Negativ bewertet wurde hingegen der Infektionsschutz in den mehr privaten Bereichen, welche kaum den Blicken von außen zugänglich sind. Aber gerade von dort kommen die aktuellen Infektionszahlen.

Hier scheinen die real vorhandenen Risiken überhaupt nicht ausreichend reflektiert zu werden.
Einen Eindruck über die schlimmen Infektionsgegebenheiten gewinnt man am ehesten in Ansehung der Berichte aus dem Krankenhaus und aus den Pflegeeinrichtungen.

So wertgeschätzt auch die familiären Besuchskontakte werden – zunehmend müssen diese gegen das damit ansteigende Infektionsrisiko abgewogen und auch ausgesetzt werden. Alles andere wäre unverantwortlich gegenüber dem sich in den Einrichtungen Pflege schlagartig erhöhenden Sterberisiko.

Angesichts dieser Lage sollten sich eigentlich alle die Pandemie verharmlosenden Diskussionen und öffentlichen Bekundungen von selbst verbieten. Dieses dennoch zu tun, ist nicht nur weltfremd, sondern auch Erregung öffentlichen Ärgernisses, dem man selbst mit der Flucht unter den Schutz der sonst so hochlöblichen Demokratie-Postulate nicht entkommt.

Natürlich kann und muss auch alternativ gedacht werden können, rechtfertigt aber noch lange nicht jenes „Querdenken“, welches mehr und mehr nur noch als allgemeine Provokation wahrgenommen wird.

Bitte bleiben Sie – wenn möglich – zu Hause und schränken Sie tatsächlich ihre Kontakte ein! Die Realität wird nicht in beschreibenden Reden greifbar, sondern in den Belegungszahlen des Krankenhauses bzw. in den Sterbezahlen, der in Verbindung mit Corona verstorbenen Menschen.

Beste Grüße

Dr. Werner Henning
Autor: en

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