Dr. Werner Henning zu Spaziergängern
Die Mischung machts
Mittwoch, 02. Februar 2022, 17:30 Uhr
Frage ich mich heute nach den tiefen Gründen für das Scheitern der DDR, dann benenne ich den erlittenen Vertrauensverlust als Kitt im öffentlichen Zusammenleben. Kompetenz wurde zunehmend durch Propaganda ersetzt, Realität durch Wunschdenken nieder befohlen, Feindseligkeit an die Stelle von Ausgleich gestellt. Vieles, was ich heute sehe, erinnert mich an damals.
Gewiss, die reine Wahrheit besitzt auch heute niemand und dennoch wäre die Moderne nicht ohne Vertrauen in die Naturwissenschaften sowie in die Dialektik unseres Zusammenlebens denkbar. Deren Grundprinzip lautet: Fachlichkeit - ein deutlicher Vortritt in ihren jeweiligen Kompetenzbereichen inklusive. Irrtümer - nicht ausgeschlossen. Vertrauen hier hinein – der zeitlose Kitt.
In den Belangen des Infektionsschutzes plädiere ich ebenso für einen hohen Respekt gegenüber den Erkenntnissen der Fachwissenschaften, die kritisch und dennoch vertrauensvoll begleitet werden sollten. Abwägungen für den breiten öffentlichen Konsens sind Sache der hiermit beauftragten Spitzeninstitute, deren Empfehlungen weithin Richtschnur-Charakter haben. Die Demonstration dagegen erscheint mir zumindest nicht als geeignetes Mittel, uns von Corona zu befreien.
Auf der rationalen Ebene fällt es mir deshalb sehr schwer, den hier und da formulierten Begründungen für die eigene Teilnahme zu folgen. Sofern der Spaziergang Ausdruck gegen ein Übermaß an staatlicher Bevormundung sein soll, empfehle ich einen Blick auf die Zusammensetzung der neuen Spaziergemeinschaft. In Leinefelde durften zumindest am vergangenen Montag bundesweit schillernde Politgrößen den Zug anführen. Wer sich nicht politisch bevormunden lassen will, möge wenigstens registrieren, wer sich längst für ein Spazieren in der ersten Reihe berufen fühlt. Der alte Spruch: Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist, sollte noch immer bedacht werden.
Ich teile die Hoffnung, dass auch weiterhin begehbare Korridore für ein Nebeneinander von Geimpften und Nichtgeimpften offengehalten werden. Gefunden werden müssen diese aber auf der Bundes–, vielleicht sogar auf der Europaebene. Vor Ort sollten wir uns auch weiterhin besser auf die gegebenen Möglichkeiten konzentrieren, diese gleichermaßen anspruchsvoll wie auch leistbar auszufüllen. Allein das ist eine gewaltige Herausforderung.
Autor: enGewiss, die reine Wahrheit besitzt auch heute niemand und dennoch wäre die Moderne nicht ohne Vertrauen in die Naturwissenschaften sowie in die Dialektik unseres Zusammenlebens denkbar. Deren Grundprinzip lautet: Fachlichkeit - ein deutlicher Vortritt in ihren jeweiligen Kompetenzbereichen inklusive. Irrtümer - nicht ausgeschlossen. Vertrauen hier hinein – der zeitlose Kitt.
In den Belangen des Infektionsschutzes plädiere ich ebenso für einen hohen Respekt gegenüber den Erkenntnissen der Fachwissenschaften, die kritisch und dennoch vertrauensvoll begleitet werden sollten. Abwägungen für den breiten öffentlichen Konsens sind Sache der hiermit beauftragten Spitzeninstitute, deren Empfehlungen weithin Richtschnur-Charakter haben. Die Demonstration dagegen erscheint mir zumindest nicht als geeignetes Mittel, uns von Corona zu befreien.
Auf der rationalen Ebene fällt es mir deshalb sehr schwer, den hier und da formulierten Begründungen für die eigene Teilnahme zu folgen. Sofern der Spaziergang Ausdruck gegen ein Übermaß an staatlicher Bevormundung sein soll, empfehle ich einen Blick auf die Zusammensetzung der neuen Spaziergemeinschaft. In Leinefelde durften zumindest am vergangenen Montag bundesweit schillernde Politgrößen den Zug anführen. Wer sich nicht politisch bevormunden lassen will, möge wenigstens registrieren, wer sich längst für ein Spazieren in der ersten Reihe berufen fühlt. Der alte Spruch: Sage mir, mit wem du umgehst, und ich sage dir, wer du bist, sollte noch immer bedacht werden.
Ich teile die Hoffnung, dass auch weiterhin begehbare Korridore für ein Nebeneinander von Geimpften und Nichtgeimpften offengehalten werden. Gefunden werden müssen diese aber auf der Bundes–, vielleicht sogar auf der Europaebene. Vor Ort sollten wir uns auch weiterhin besser auf die gegebenen Möglichkeiten konzentrieren, diese gleichermaßen anspruchsvoll wie auch leistbar auszufüllen. Allein das ist eine gewaltige Herausforderung.
