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Tiefbohrung am Rande von Worbis

Weitere Probebohrungen nach Kali-Salz

Mittwoch, 16. März 2022, 20:17 Uhr
Am späten Mittwochnachmittag ging es los: nahe Worbis wurde eine weitere Tiefbohrung durchgeführt, die Kalisalzkerne an die Oberfläche soll bringen und damit hoffentlich Daten bestätigt, die vor Jahrzehnten erhoben wurden...

Die Vorbereitungen für den Bohrplatz am Rande von Worbis sind abgeschlossen, das Gelände ist nun für die Bohrung optimal vorbereitet. Bereits vor ein paar Tagen wurde das Spezialgerät angeliefert.

„Wir freuen uns, nun die zweite Bestätigungsbohrung im Ohmgebirge durchzuführen, nachdem die erste Bohrung nahe Haynrode vor kurzem erfolgreich beendet wurde“, sagt Jason Wilkinson, Geschäftsführer der Südharz Kali. Das Unternehmen steht für modernen und nachhaltigen Kalibergbau, ohne dauerhafte Salzhalden oder salzhaltige Abwässer. Die Bestätigungsbohrung soll Da- ten einer circa 100m entfernten historischen Bohrung aus dem Jahr 1983 bestätigen.

Im Auftrag der Südharz Kali GmbH führt H. Anger’s Söhne Bohr- und Brunnenbaugesellschaft mbH die Bohrung durch. Alle Aspekte von einzusetzender Technik, Wasser-, Berg- und Umweltrecht wurden in der Vorbereitung zwischen Auftraggeber, Fachplaner, den zuständigen Behörden und dem Bohrunternehmen diskutiert, bewertet und intergiert. Aber: „Flexibilität bei Änderungen beim Bohren unter Einhaltung der genannten Kernaspekte ist und bleibt trotzdem das A und O. Das haben wir bei der ersten Bohrung bei Haynrode jetzt im Februar wieder einmal festgestellt und am Ende auch mit guten Ergebnissen umgesetzt.“ sagt Andre Zucker, Betriebsleiter von Anger.

Ziel der Bohrung ist es, vor allem Bohrkerne der Kalisalzgesteine, aber auch der darüber- und darunterliegenden Gesteine an die Tagesoberfläche zu fördern und zu untersuchen. Jeder Bohrkern ist ungefähr 3 Meter lang. Insgesamt werden Bohrkerne mit einer Gesamtlänge von rund 100 Me- tern aus der Tiefe geholt. Jede Maßnahme im Umfeld der Vorbereitung,
Durchführung und abschließenden Rückbau der Bohrung werden durch das Thüringer Ingenieurunternehmen ERCOSPLAN geologisch und ingenieurtechnisch begleitet. Darüber hinaus führt die K-UTEC AG aus dem thüringischen Sondershausen die chemischen Analysen des Bohrkerns sowie wichtige metallurgische Arbei- ten durch, um die Eignung des Rohsalzes für die moderne Verarbeitung zu bestätigen.

Die Bohraktivitäten finden am Forstweg „Am Hungerborn“ im Norden von Worbis statt und dauern sechs bis acht Wochen und. Sie werden – ebenso wie die Vorbereitung des Bohrplatzes und die spätere Wiederherstellung der Ausgangszustandes – unter Berücksichtigung der strengen gesetzlichen Auflagen des Umwelt- und Naturschutzes sowie insbesondere der Regelungen zum Schutz des Grundwassers ausgeführt. Alle Aktivitäten sind durch die Behörden des Freistaates Thüringen sowie den Behörden des Landkreises Eichsfeld zugelassen und werden bei der Durchführung überwacht. Nach Abschluss der Bohrarbeiten wird der Bohrplatz vollständig zurückgebaut.

Die Bestätigungsbohrung in Worbis ist die zweite von insgesamt zwei Bestätigungsbohrungen, um das Kalisalzvorkommen im Ohmgebirge auch physisch bewerten zu können. Die erste Bestätigungs- bohrung nahe der Ortslage Haynrode wurde vor zwei Wochen abgeschlossen. Die Bohranlage wurde von Haynrode nach Worbis umgesetzt. Der Bohrplatz an der L2055 von Kaltohmfeld nach Haynrode wird in den nächsten Wochen wieder komplett zurückgebaut, der zwischengelagerte Mutterboden wieder aufgebracht und anschließend neues Saatgut ausgesät.

„Wir wollen und werden den Platz ordentlich hinterlassen“ so Babette Winter, seit Februar neu im Unternehmen als Regionalmanagerin. Sie betont: „Dafür wird die Landstraße nochmals für ein paar Wochen, voraus- sichtlich bis Ostern, gesperrt werden müssen. Ich bitte die Anwohnerinnen und Anwohner um Nach- sicht und Verständnis.“ Ausdrücklich bedankt sich die SüdHarz Kali GmbH bei den Anwohnern für die Geduld während der Bohrarbeiten bei Haynrode, mussten sie doch zeitweise Verkehrsein- schränkungen an der Landstraße in Kauf nehmen.

Das Bergwerkseigentum „Ohmgebirge“ ist eines von dreien, die das Unternehmen im traditionsrei- chen Südharz Kalirevier erworben hat. Das Bergwerkseigentum „Ohmgebirge“ im Bereich der Orts- lagen Kirchworbis-Haynrode-Brehme grenzt an die alten Kaligruben Bischofferode und Sollstedt. Die hier vorhandenen Kalisalze waren bereits während der 1980er Jahre als bilanzierte Reserven für eine spätere Gewinnung ausgewiesen. Das Ohmgebirge ist das erste Projekt in Thüringen, dass Süd- harz Kali konkret vorantreibt.

Technische Informationen zum Bohrverfahren:
Das Bohrgerät wiegt 43 Tonnen und hat eine Höhe von knapp 18 Metern bei aufgestelltem Mast. Im sogenannten Deck- gebirge – das sind alle Gesteine oberhalb der Salzgesteine – wird mit einem Rollenmeissel das Gestein in kleine Teile „zerbrochen“, im Fluss der Bohrspülung vom Bohrlochtiefsten zur Oberfläche gepumpt und somit eine Röhre geschaf- fen. Zum Schutz der grundwasserführenden Schichten werden wasserdichte Rohre in die Bohrung eingebaut und zementiert.

Erreicht die Bohrung den Salzhorizont – das ist bei der jetzigen Bohrung der Bereich ab ca. 710 Metern Tiefe, die Kalisalze lagern noch ca. 80 m tiefer – wird das Bohrverfahren geändert. Zunächst wird der obere Bereich der Bohrung durch eine weitere zementierte Verrohrung gegenüber dem Salzgebirge abgesperrt. Nach Prüfung und Abnahme der Absper- rung wird das Seilkernbohrverfahren angewandt. Damit können die Bohrkerne mittels einer Bohrkrone im Ganzen aus dem Gestein geschnitten und unbeschädigt im sogenannten Innenrohr an die Oberfläche gezogen werden. Wenn der Bohrkern entnommen wurde, wird das Innenrohr wieder bis ganz unten eingebaut und der nächste Kern gebohrt.

Während der Bohrarbeiten werden verschiedene Bohrspülungen verwendet. Sie dienen zur Stabilisierung des Bohrlo- ches, zur Reinigung der Bohrlochsohle und zur Kühlung von Rollenmeißel und Bohrkrone im Bohrloch. Es handelt sich dabei um eine brunnenbauübliche, grundwasserverträgliche Art des Bohrens. Die Bohrspülungen werden in einem in sich geschlossenen System im Kreislauf gepumpt, „recycelt“ und wiederverwendet. Sie sind so zusammengesetzt, dass es zu keiner Beeinträchtigung der Umwelt sowie der durchbohrten Gesteine kommt.
Autor: red

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