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Am ersten Weihnachtstag beginnen die Rauhnächte

Zwölf Tage Haushaltspause

Dienstag, 24. Dezember 2024, 10:00 Uhr
Schon lange bevor die Christenheit sich entschieden hatte, wann Jesus Christus Geburtstag hat, wurde im finsteren Germanien die Wintersonnenwende mit dem Julfest gefeiert. Danach war aber dann Ruhe im Haus …

DIE WILDE JAGD - hier von eine Brauchtumsgruppe gleichen Namens aus dem Nordhäuser Raum dargestellt (Foto: Der Teufel persönlich) DIE WILDE JAGD - hier von eine Brauchtumsgruppe gleichen Namens aus dem Nordhäuser Raum dargestellt (Foto: Der Teufel persönlich)


Denn von alters her fliegen in den Rauhnächten zwischen der Wintersonnenwende und dem Jahreswechsel die furchterregenden Gestalten der „wilden Jagd“ durch die Lüfte und Gedanken. Die galt es keinesfalls zu stören und schon gar nicht auf sich selbst aufmerksam zu machen, indem etwa Wäsche gewaschen, oder noch schlimmer, aufgehängt wurde.

Mit der Übernahme der Bräuche durch die Kirche verschoben sich die Rauhnächte auf die Zeit vom ersten Weihnachtstag bis zum 6. Januar, dem Dreikönigstag, also dem Tag, an dem die heiligen drei Könige das Jesuskindlein endlich fanden und beschenkten.

Auf der rauhnächtlichen „Not-to-do“-Liste stehen noch weitere Dinge, die unbedingt zu vermeiden sind. Auch zu verreisen, zu backen oder schwer zu arbeiten empfiehlt sich nicht, so größerer Ärger mit den übellaunigen Geistern vermieden werden soll. Was aber absolut verboten ist: Das Haus zu fegen!
Diese Aktivität erzürnt die Geister am meisten und bringt nichts als Ärger im neuen Jahr (schlechtere Steuerklasse, höhere Beitragssätze der Krankenkasse, Wiederholung der Bundestagswahl und ähnliche Katastrophen). Ein kleiner Trost ist immerhin der "Weihnachtsfrieden" in den meisten Dörfern, der es den Ortsvorstehern und Schamanen verbietet, Bannflüche wegen falsch geparkter Ochsenkarren in diesen Tagen zu verschicken.

Damit das neue Jahr besser wird als das endlich zu Ende gehende können ab dem 25. Dezember Zettel mit Wünschen verbrannt werden. Der guten Ordnung halber je ein Wunsch für jeden Monat des nächsten Jahres täglich in einer feuerfesten Schale abgefackelt beschert Glück und Zufriedenheit und die Erfüllung aller Wünsche. So einfach ist das!

Nehmen Sie also in der ersten Rauhnacht den ersten Wunschzettel und verbrennen Sie diesen, jedoch ohne den Wunsch vorher zu lesen. Das ist wichtig, denn dieser Wunsch geht im Januar in Erfüllung. Verbrennen Sie nun jeden Tag einen Zettel, bis von den 13 Wunschzetteln nur noch einer übrig ist.

Sollten Sie zu Alpträumen neigen, müssen Sie versuchen, diese zwölf Nächte wach zu bleiben, denn die Träume aus dieser Zeitspanne gehen in Erfüllung. Oder auch nicht. Wir müssen ja auch nicht alles glauben, was überliefert ist. Obwohl die Arbeitsverbote im Haushalt nicht unbedingt zu den schlechtesten Empfehlungen gehören, die sich vorstellen lassen.

In diesem Sinne: Lassen Sie sich nicht von der „Wilden Jagd“ erwischen in den Rauhnächten und bleiben Sie schön faul bis zum 6. Januar.

Frohe Weihnachten!
Autor: osch

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