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BUND fordert Aufklärung

Kraniche sind Opfer, nicht Verursacher der Vogelgrippe

Samstag, 08. November 2025, 10:09 Uhr
Der BUND Thüringen folgt der Argumentation nicht, dass Wildvögel die alleinigen Hauptüberträger der Geflügelpest sind. Erkrankte Kraniche und andere Zugvögel, die derzeit auf ihrem Weg in den Süden hierzulande rasten, gelten zwar offiziell als Infektionsquelle – doch diese Erklärung greife zu kurz...

Statt Wildvögel zu Sündenböcken zu machen, sollte die industrielle Geflügelhaltung selbst kritisch hinterfragt werden. Denn wahrscheinlicher ist, dass sich die Viren gerade innerhalb der intensiven Geflügelproduktion verbreiten und erst anschließend auf Wildvögel übergehen. Diese tragen dann das Virus weiter. Nur eine tiergerechte und sichere Haltung kann verhindern, dass sich solche Erreger erneut ausbreiten.

„Kraniche sind Opfer, nicht Verursacher der Vogelgrippe“, betont Jochen Dettmer, Sprecher des BUND-Bundesarbeitskreises Landwirtschaft. „Das Virus zirkuliert höchstwahrscheinlich in der Geflügelindustrie – über Stallentlüftungen, Mist und Gülle kann es in die Umwelt gelangen. Es ist daher falsch, Wildvögel pauschal zu beschuldigen und pauschal mit Stallpflichten zu reagieren, die vor allem für die ökologische und Freiland-Tierhaltung gravierende Folgen haben.“

Nach Einschätzung des BUND sprechen zahlreiche Hinweise dafür, dass sich Wildvögel erst infizieren, nachdem das Virus bereits in Nutzgeflügelhaltungen verbreitet wurde. So traten die ersten Kranichverluste auf, nachdem in fünf Bundesländern – darunter Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg – Infektionen in großen Geflügelbetrieben im September 2025 amtlich festgestellt worden waren.

Entlüftungen von industriellen Tierhaltungen und das Ausbringen virenhaltiger Ausscheidungen auf landwirtschaftliche Flächen gelten als mögliche Übertragungswege. Kein Wildvogel dringt in geschlossene Stallanlagen ein – doch über Abluft, Staub und Düngemittel können Viren aus der Geflügelhaltung sehr wohl nach außen gelangen.

Bio- und Freilandbetriebe besonders betroffen
Die verordnete Stallpflicht trifft vor allem die ökologische und Freilandgeflügelhaltung schwer. Tiere, die an täglichen Auslauf gewöhnt sind, leiden stark unter der plötzlichen Aufstallung. Sie können nicht mehr scharren oder picken, was zu Stress, Aggression und Federpicken führt. Auch die baulichen Bedingungen vieler Ställe sind nicht für dauerhafte Innenhaltung ausgelegt, was Platz- und Klimaprobleme verursacht.

„Die Stallpflicht widerspricht dem Grundprinzip der tiergerechten Haltung“, so Dettmer weiter. „Bio- und Freilandgeflügel wird in eine unnatürliche und stressreiche Situation gezwungen – obwohl die Ursache des Virus ganz woanders liegt.“

In der Abwägung rechtfertigt sich eine Stallpflicht nur bei besonders hohen lokalen Infektionsdruck, der durch die Veterinärämter festgestellt werden muss. Eine bundesweite Aufstallungspflicht wäre nach jetziger Risikoeinschätzung unangemessen.

BUND fordert: Ursachen statt Symptome bekämpfen
Der BUND Thüringen fordert, die Ursachen des Infektionsgeschehens lückenlos aufzuklären und regelmäßige Beprobungen in Geflügelhaltungsbetrieben sowie Schlachthöfen verpflichtend einzuführen.

„Es ist höchste Zeit, das Verursacherprinzip anzuwenden“, sagt Sebastian König, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Nur mit Transparenz und einer konsequenten Überwachung der industriellen Geflügelhaltung können künftige Ausbrüche verhindert werden.“

Forderungen des BUND Thüringen:
  • Verursacherprinzip anwenden: Die industrielle Geflügelhaltung muss Verantwortung übernehmen.
  • Lückenlose Aufklärung: Ursachenketten und Virusquellen offenlegen.
  • Regelmäßige Beprobung: Geflügelhaltungen und Schlachthöfe engmaschig kontrollieren.
Autor: red

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