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Tradition in Birkungen

CDU-Festschmaus im "Siechen"

Freitag, 07. November 2025, 22:31 Uhr
Das kleine, beschauliche Birkungen im beschaulich-konservativen Eichsfeld steht einmal im Jahr im Mittelpunkt der lokalen oder auch regionalen Politik. Dann gibt sich zum traditionellen Schlachtessen christdemokratische Politprominenz die Ehre. Und dass bereits zum 33. Mal. Heute Abend war es wieder soweit…

Geschlachtetes (Foto: nnz) Geschlachtetes (Foto: nnz)
Organisator war und ist die Mittelstandsvereinigung der CDU (MIT) in Nordthüringen. Im vergangenen Jahr war in der Festhalle des Ortsteils von Leinefelde-Worbis der wahlkämpfende Friedrich Merz der Superstar. Der hat heute – weil nun schon Bundeskanzler - in Brasilien einen Termin und verschenkt einige Millionen Dollar. Dafür hat er seinen Kanzleramtschef Thorsten Frei in die katholische Enklave geschickt.

Doch der Reihe nach: Natürlich wurde auch die 33. Ausgabe traditionell musikalisch eröffnet. Erst mit Blasmusik, dann mit martialischeren Tönen danach gab es einen kurzen historischen Rückblick auf die 33 Jahre Schlachteessen, das einst mit 17 Teilnehmern bescheiden begannen und später, so auch heute, Hunderte Gäste in die Festhalle lockte, die dann endlich dem Einmarsch der gefühlten Ehrengäste beiwohnen konnten, durften oder mussten. Doch damit war der musikalische Part des Freitagsabends noch nicht beendet. Gemeinsam gesungen wurde schließlich eine Hymne, über die im Eichsfeld nie und nimmer diskutiert wird: das Eichsfeldlied. Nur gut, dass an diesem Abend grüne, linke, queere und non-binere „Mensch:Innen“ nicht zu den Gästen zählten. Der psychische Schaden beim näheren Betrachten des Textes wäre immens gewesen.

Proppevoll war das "Schlachteessen" in der Birkunger Festhalle (Foto: nnz) Proppevoll war das "Schlachteessen" in der Birkunger Festhalle (Foto: nnz)
Nach Musik und Gesang aber die politischen Grußworte und Statements. Christian Zwingmann, nicht nur Bürgermeister von Leinefelde-Worbis, sondern auch MIT-Chef im Eichsfeld, freute sich über die Resonanz und konstatierte unter anderem, dass sich die Euphorie des Merz-Auftritts „ein wenig gelegt“ habe, es nun an der Zeit sei, um endlich das zu tun im Land, was getan werden müsse.

Mario Voigt, Ministerpräsident (Foto: nnz) Mario Voigt, Ministerpräsident (Foto: nnz)
Ministerpräsident Mario Voigt lobte das Eichsfeld als Synonym für einen tragenden Balkens in einem Fachwerk: Fest und unverrückbar. Und hier im Eichsfeld habe man die Botschaft des Kanzlers vom Stadtbild sehr gut verstanden. Im Übrigen wiederholte der MP das, was er vor Tagen in einem Erfurter Autohaus dem Publikum mitgeteilt hatte. Inklusive der Einführung von Kopfnoten in den Zeugnissen und die tollen Ergebnisse des Zufriedenheitsmonitor.

Torsten Frei bei seiner freien Rede (Foto: nnz) Torsten Frei bei seiner freien Rede (Foto: nnz)
Jetzt zu Torsten Frei. Natürlich lobte der zuerst das Eichsfeld und seine ganz besondere Identität. Er mahnte unter anderem an, dass Deutschlands Wirtschaft wieder auf Vordermann gebracht werden müsse. Das sei notwendig, um die Verteidigungsfähigkeit zu stärken, die sozialen Sicherungssysteme zu stabilisieren oder die unterschiedlichen Infrastrukturen wieder auf „Vordermann“ zu bringen. Wichtig: genau in dieser Reihenfolge wollte es der Badener verstanden wissen.

Frei sprach auch das deutsche Energiepreis-Dilemma der deutschen Wirtschaft an, ohne dem interessierten Auditorium auch nur einen Lösungsvorschlag anbieten zu können. Ja, die Netzentgelte werden gesenkt. Interessant, „wir müssen die Erzeugung von alternativem Strom aus Wind und Sonne wieder in die Gesetze der Marktwirtschaft zurückholen“. Es könne nicht sein, dass diese Energie bei der Erzeugung mit Steuergeldern subventioniert werde und dieser immer noch teure Strom dann wieder zurücksubventioniert werden muss, um ihn schließlich einigermaßen marktkompatibel im Preis für die Endkunden in Wirtschaft und in den privaten Haushalten verkraftbar zu machen.

Frei, der Profi, wusste genau, was er den Eichsfeldern und ihren Gästen vor dem eigentlichen Schlachteessen servieren konnte und welche Themen er nicht ansprach. Vielleicht fallen ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einige davon ein.

Nach dem Mann aus dem Kanzleramt, durfte auch Astrid Hamker noch einiges verkünden. Die Frau ist Präsidentin des Wirtschaftsrates der CDU. Sie forderte unter anderem „klare Kante“ in der Politik, auch gegenüber dem Juniorpartner, dessen Parteivorsitzender als Bundesfinanzminister sich nicht bewusst sei, was er Deutschland mit seinem aktuellen Handeln antut. Lösungsvorschläge kann man in einem 10-Punkte-Programm nachlesen. Zum Habeckschen Heizungsgesetz sagte Astrid Hamker: „Der deutsche Heizungskeller wird das Weltklima nicht retten.“

Kurze Talrunde. Von links: David Gregosz, Colette Boos-John, Astrid Hamker und die Moderatorin des Abends. (Foto: nnz) Kurze Talrunde. Von links: David Gregosz, Colette Boos-John, Astrid Hamker und die Moderatorin des Abends. (Foto: nnz)
In einer anschließenden Talkrunde, die mehr und mehr im Gegrummel an den Tischen unterging, wurden keine Neuigkeiten verkündet, dafür Eichsfelder Stracke verteilt. Mit einem Solo aus einem Jagdhorn wurde schließlich das eigentliche Schlachteessen freigegeben und viele Gesichter zeugte von Erleichterung der Gäste. "Sau tot! war nicht dabei.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg

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