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Keine Jagd auf Kormorane

NABU fordert stärkeren Fischartenschutz

Samstag, 31. Januar 2026, 09:04 Uhr
Fischartenschutz ist ein heikles und wichtiges Thema, auch in Thüringen. Von den 41 einheimischen Fischarten werden 20 in der Roten Liste Thüringens in unterschiedlichen Gefährdungskategorien eingestuft...

Archivbild: Kormorane am Teich im Stadtpark.  (Foto: emw) Archivbild: Kormorane am Teich im Stadtpark. (Foto: emw)
So gelten zum Beispiel Bitterling, Europäischer Aal, Nase, Quappe, Schlammpeitzger und Zährte als vom Aussterben bedroht. „Die Gründe für den Rückgang der einheimischen Fischarten sind vielfältig“, sagt Marcus Orlamünder, der Naturschutzreferent des NABU Thüringen. „Unsere Gewässerökosysteme sind unterschiedlichsten Bedrohungen ausgesetzt, die im Wesentlichen menschengemacht sind.

In oft begradigten, verbauten Flüssen und Bächen ohne ausreichend Rückzugsmöglichkeiten finden Fische kaum Lebensräume. Verschmutzungen durch Landwirtschaft, Industrie und Haushalte sowie die Strukturarmut der Gewässer sind Faktoren, welche die Lebensbedingungen der Tiere unter Wasser verschlechtern.“

Die wahren Gründe für den Rückgang bei den Fischarten angehen
Laut NABU Thüringen sind etwa 80 Prozent der Gewässer in Thüringen in keinem guten Zustand. Ein wesentlicher Grund hierfür sind die Defizite bei der Gewässerstruktur. Es fehlt an Raum, damit sich Flüsse und Bäche wieder frei entfalten können und an ausreichend breiten Gewässerrandstreifen. Dies würde auch den heimischen Fischarten helfen.

„In Thüringen wird zwar punktuell etwas dafür getan, um die Defizite bei der Gewässerstruktur zu verbessern, allerdings geschieht dies zu langsam und zu wenig“, bemängelt Orlamünder. „Wenn Thüringen den Rückgang der heimischen Fischarten wirklich stoppen möchte, braucht es ein zielgerichtetes Vorgehen mit strategischem Plan für den ganzen Freistaat und ganze Gewässersysteme.“

Der NABU Thüringen fordert deshalb die Landesregierung auf, den im Koalitionsvertrag vereinbarten Aktionsplan zur Belebung von Bach- und Flussauen umzusetzen. Bis jetzt hat Thüringens Umweltminister Tilo Kummer noch nichts dazu unternommen, einen solchen Aktionsplan anzugehen und auch wirklich in die Tat umzusetzen. Mit dem Aktionsplan würde das Land nicht nur die heimischen Fischarten schützen, sondern auch zentrale Lebensgrundlagen der Menschen, wie sauberes Trinkwasser, die Nahrungsmittelproduktion und den Klimaschutz, wofür eigentlich ausreichend finanzielle Mittel vorhanden sein sollten.“

Der Ausweitung der Jagd auf Kormorane, wie sie der Umweltminister geplant hat, erteilt der NABU Thüringen eine klare Absage. Wer Kormorane jagt, um damit heimische Fischbestände schützen zu wollen, will die ökologischen Zusammenhänge nicht verstehen. Die jahrelange Jagd von etwa 1.000 Kormoranen pro Jahr hat weder dazu geführt, dass sich der Kormoranbestand verändert, noch dass diese Maßnahme erkennbare Auswirkungen auf die Ausgleichszahlungen für angegebene fischereiwirtschaftliche Schäden hat. Zudem darf man nicht vergessen, dass sich Räuber- und Beutebestände gegenseitig regulieren – nimmt das Nahrungsangebot ab, reduziert sich zwangsläufig auch der Bestand der Räuber.

„Kormorane und heimische Fischbestände können gut nebeneinander existieren, wenn unsere Gewässer wieder naturnäher werden. Fische haben dann wieder genügend Raum, um sich zu reproduzieren, finden Flucht- und Versteckmöglichkeiten in unterschiedlichsten Strukturen. Die wirklichen Ursachen für den Rückgang der heimischen Fischbestände sind vielfältig und können nicht mit der Waffe gelöst werden, sondern mit Sachverstand, planmäßigem Vorgehen und wirklichem Einsatz für die gesamten Gewässerökosysteme“, sagt Marcus Oralmünder.
Autor: red

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