Das Wort zum Wochenende
Was nährt uns wirklich?
Samstag, 23. Mai 2026, 07:00 Uhr
Eine tote Wespe in einer Kunstblume – dieser Fund beim Vorbereiten eines Gottesdienstes in Bad Frankenhausen brachte Pfarrer Thomas Endter ins Grübeln. Was hat ein Insekt, das nach Nektar sucht, mit unserer modernen Welt voller Influencer, Schönheitsideale und Bildschirmwelten zu tun? Ein nachdenklicher Blick darauf, was uns wirklich nährt...
Beim Vorbereiten eines Gottesdienstes fiel mir eine Kunstblume auf. Da ich keine anderen Blumen zur Hand hatte, überlegte ich, wenigstens diese als schönen schmückenden Farbtupfer zu nutzen. Ich ging also hin und nahm sie vom Regal, trug sie in Richtung Altar und erschrak kurz. Denn in einem Kelch der Blume saß eine Wespe. Im Reflex hielt ich die Blume natürlich weit weg von mir, aber die Wespe bewegte sich nicht mehr. Sie schlief auch nicht, sondern hatte es hinter sich, wie man in meiner Heimat sagen würde.
Jetzt, mit einem toten Tier darauf, wollte ich die Blume natürlich nicht mehr auf den Altar legen. Ich schüttelte die Wespe draußen ins Gras und legte die Blume ins Regal zurück. Da fiel es mir plötzlich ein: Da saß ein Insekt eigentlich da, wo es dem äußeren Schein nach auch hingehört, und war tot. Denn die Blume war ja auch nicht echt, sondern aus Stoff und Plastik kunstvoll gefertigt. Allem äußeren Anschein nach erfüllte sie die Anforderungen einer richtig schönen Blume. Aber schon beim Berühren und beim fehlenden Duft spürt man, dass da was fehlt. Sie erfreut unseren Blick, aber alle anderen Sinne bleiben unberührt. Und sie nährt auch nicht. Keine Wespe (ja, auch die naschen Nektar), keine Biene, keine Hummel, kein Schmetterling wird an ihr satt.
Was für ein Bild für menschliche Welten. Denn wir haben außer Kunstblumen so viel geschaffen, was äußerlich wunderbar wirkt, aber eigentlich nicht nährt. Viel Showeffekte, die einen aber nur zum Zuschauer machen - oft sogar am Bildschirm. Influencer verkaufen uns in Medien erst ein Image und dann Produkte. Wir jagen Schönheitsidealen und Konsumgütern nach und gleichzeitig steigen Einsamkeit und Unzufriedenheit.
Und sicher, ja, ganz ohne künstliche Dinge würden wir in Höhlen leben. Aber trotzdem: lassen Sie uns mal wieder schauen, wo wir das Echte erleben und stärken können. Wo wir all unsere Sinne nutzen, mit unserer Welt in Austausch treten und uns einfällt, was uns als Wesen wirklich nährt. Damit wir nicht auf der Kunstblume enden.
PS: den Altar schmückte am Ende dann ein großer echter Blumenstrauß.
Viele echte Blumen wünscht Ihnen
Thomas Endter, Kirchenkreis Bad Frankenhausen - Sondershausen
Autor: redBeim Vorbereiten eines Gottesdienstes fiel mir eine Kunstblume auf. Da ich keine anderen Blumen zur Hand hatte, überlegte ich, wenigstens diese als schönen schmückenden Farbtupfer zu nutzen. Ich ging also hin und nahm sie vom Regal, trug sie in Richtung Altar und erschrak kurz. Denn in einem Kelch der Blume saß eine Wespe. Im Reflex hielt ich die Blume natürlich weit weg von mir, aber die Wespe bewegte sich nicht mehr. Sie schlief auch nicht, sondern hatte es hinter sich, wie man in meiner Heimat sagen würde.
Jetzt, mit einem toten Tier darauf, wollte ich die Blume natürlich nicht mehr auf den Altar legen. Ich schüttelte die Wespe draußen ins Gras und legte die Blume ins Regal zurück. Da fiel es mir plötzlich ein: Da saß ein Insekt eigentlich da, wo es dem äußeren Schein nach auch hingehört, und war tot. Denn die Blume war ja auch nicht echt, sondern aus Stoff und Plastik kunstvoll gefertigt. Allem äußeren Anschein nach erfüllte sie die Anforderungen einer richtig schönen Blume. Aber schon beim Berühren und beim fehlenden Duft spürt man, dass da was fehlt. Sie erfreut unseren Blick, aber alle anderen Sinne bleiben unberührt. Und sie nährt auch nicht. Keine Wespe (ja, auch die naschen Nektar), keine Biene, keine Hummel, kein Schmetterling wird an ihr satt.
Was für ein Bild für menschliche Welten. Denn wir haben außer Kunstblumen so viel geschaffen, was äußerlich wunderbar wirkt, aber eigentlich nicht nährt. Viel Showeffekte, die einen aber nur zum Zuschauer machen - oft sogar am Bildschirm. Influencer verkaufen uns in Medien erst ein Image und dann Produkte. Wir jagen Schönheitsidealen und Konsumgütern nach und gleichzeitig steigen Einsamkeit und Unzufriedenheit.
Und sicher, ja, ganz ohne künstliche Dinge würden wir in Höhlen leben. Aber trotzdem: lassen Sie uns mal wieder schauen, wo wir das Echte erleben und stärken können. Wo wir all unsere Sinne nutzen, mit unserer Welt in Austausch treten und uns einfällt, was uns als Wesen wirklich nährt. Damit wir nicht auf der Kunstblume enden.
PS: den Altar schmückte am Ende dann ein großer echter Blumenstrauß.
Viele echte Blumen wünscht Ihnen
Thomas Endter, Kirchenkreis Bad Frankenhausen - Sondershausen
