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Lebenszufriedenheit in den Großstädten steigt weiter

Erfurt ist die glücklichste Großstadt Deutschlands

Dienstag, 09. Juni 2026, 11:11 Uhr
Das SKL Städteranking 2026 hat einen neuen Spitzenreiter: Erfurt, die Hauptstadt Thüringens, ist die glücklichste Großstadt Deutschlands. Mit 7,74 Punkten auf einer Skala von 0 bis 10 schiebt sich Erfurt vom sechsten Platz des Vorjahres an die Spitze der 40 größten deutschen Städte (über 200.000 Einwohner). Das ist ein Zuwachs von 0,47 Punkten gegenüber 2025…

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Erfurt (Foto: lapping auf Pixabay)

Der bisherige Spitzenreiter Kassel fällt auf Rang 13 zurück und verzeichnet einen Rückgang von 0,28 Punkten auf 7,16 Punkte. Rostock bildet erneut mit deutlichem Abstand das Schlusslicht: Die Hansestadt erreicht nur 5,80 Punkte, und der Abstand zum Vorletzten wächst seit drei Jahren kontinuierlich. Erfurt vereint viele Vorzüge ostdeutscher Großstädte, ohne deren typische strukturelle Schwächen stark ausgeprägt aufzuweisen. Die Mieten sind günstig, die Umweltqualität hoch und die wirtschaftliche Lage im Städtevergleich sogar leicht überdurchschnittlich.

Darüber hinaus lebt in Erfurt im ostdeutschen Vergleich der kleinste Anteil an Alleinlebenden, und die Zahl der Sozialhilfeempfänger gehört deutschlandweit zu den geringsten. Gemessen an den objektiven Standortindikatoren belegt Erfurt nur Rang 27 von 40 – und dennoch bewerten seine Einwohner ihre Lebenszufriedenheit höher als in jeder anderen der untersuchten Städte.

„Die materiellen Wohlstandsindikatoren erfassen das Lebensglück der Menschen nicht vollständig, auch immaterielle Faktoren wie das Gemeinschaftsgefühl und die persönliche Identifikation mit dem Wohnort spielen eine große Rolle“, erläutert Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg, der das Städteranking 2026 im Rahmen des SKL Glücksatlas verantwortet. Die allgemeine Lebenszufriedenheit in den 40 größten deutschen Städten ist erneut gestiegen. Im Durchschnitt erreichen die Großstädter 7,02 Punkte, nach 6,97 Punkten im Vorjahr. Der Zuwachs von 0,05 Punkten fällt jedoch deutlich schwächer aus als der Anstieg zwischen 2024 und 2025 (+0,13 Punkte).

Das deutet darauf hin, dass sich die Lebenszufriedenheit in den Großstädten auf einem stabilen Niveau einpendelt und die Erholung nach der Corona-Pandemie weitgehend abgeschlossen ist. Bemerkenswerterweise geht der Anstieg vor allem darauf zurück, dass der Anteil sehr unzufriedener Menschen sinkt: Gaben vor zwei Jahren noch 10,6 Prozent der Befragten Werte zwischen 0 und 4 an, sind es inzwischen nur noch 8,6 Prozent.

Im regionalen Vergleich sind die Einwohner westdeutscher Großstädte mit durchschnittlich 7,07 Punkten am zufriedensten. Sie schneiden am besten in den Kategorien Wohnen und Demographie ab. Besonders positiv sticht Nordrhein-Westfalen hervor: Düsseldorf (Rang 3; 7,41 Punkte), Krefeld (Rang 4; 7,37 Punkte), Aachen (Rang 6; 7,33 Punkte), Mönchengladbach (Rang 7; 7,31 Punkte), Oberhausen (Rang 8; 7,30 Punkte) und Duisburg (Rang 9; 7,27 Punkte) liegen allesamt deutlich über dem Großstadtdurchschnitt.

Nordwestdeutsche Städte wie Kiel, Lübeck, Braunschweig und Hannover verzeichnen mit +0,12 Punkten die stärksten Zuwächse gegenüber dem Vorjahr. Süddeutsche Großstädte dagegen können trotz hohem Wohlstand und guter Infrastruktur nur eine unterdurchschnittliche Lebenszufriedenheit vorweisen: Das Paradoxon tritt besonders bei Karlsruhe zutage, das bei den objektiven Indikatoren Rang 2 belegt, aber bei der Lebenszufriedenheit nur auf Platz 37 landet. Am besten performen süddeutsche Städte in den Bereichen Wohlstand und Infrastruktur Ostdeutsche Großstädte liegen mit durchschnittlich 6,91 Punkten unter dem Gesamtdurchschnitt.

Strukturelle Unterschiede wie ältere Bevölkerungen, mehr Alleinlebende, niedrigere Einkommen und höhere Arbeitslosigkeit prägen das Bild. Erfurt steht dabei für eine Ausnahme – und nicht für einen generellen Aufholprozess ostdeutscher Städte, deren Zufriedenheit insgesamt nur um 0,03 Punkte zulegte. Ostdeutsche Städte bieten allerdings die beste Umweltqualität. Rostock bleibt trotz guter Werte bei Kriminalität und Infrastruktur das Schlusslicht des Rankings. Eine alternde Bevölkerung, viele Alleinlebende und eine der niedrigsten Geburtenraten Deutschlands drücken die Lebenszufriedenheit.

Overperformer und Underperformer: Glück jenseits der Statistik
Ein zentrales Ergebnis des SKL Städterankings 2026 ist das Spannungsverhältnis zwischen subjektiv empfundener Lebenszufriedenheit und objektiv messbarer Lebensqualität. Für letztere wurden 30 Indikatoren aus acht Kategorien herangezogen – darunter Wohnen, Kriminalität, Infrastruktur, Wohlstand, Gesundheit und Umweltqualität. Städte, deren Einwohner glücklicher sind, als es die objektiven Rahmenbedingungen erwarten ließen, gelten als „Overperformer“ und umgekehrt als „Underperformer“. Die Ergebnisse sind aufschlussreich: Ausgerechnet Erfurt, der neue Spitzenreiter, rangiert bei den objektiven Faktoren nur auf Platz 27 – und ist dennoch die glücklichste Stadt. Ähnlich Krefeld (Rang 4 bei Zufriedenheit, aber Rang 36 bei Lebensqualität) oder Oberhausen (Rang 8 versus Rang 35).

Auf der anderen Seite stehen die klassischen Underperformer: Karlsruhe belegt bei der objektiven Lebensqualität Rang 2, landet bei der Lebenszufriedenheit aber nur auf Rang 37. Auch München, Stuttgart und Freiburg im Breisgau schneiden trotz hervorragender Strukturdaten bei der subjektiven Zufriedenheit deutlich schlechter ab als erwartet.
Autor: psg

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